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Göttingische
Der zweyte
Band
Göttingen ,
gedruckt bey Heinrich Dieterich.


Jesso
der ursprüngliche ist, den die Ureinwohner der-
selben, die merkwürdigen Ainos oder insgemein so
genannten behaarten Kurilen, gebrauchten. So wie
diese aber von den Japanern, die sich von Süden da
angesiedelt, ans nördliche Ende verdrängt worden, so
haben die Eroberer den NahmenMatsumay , der ei-
gentlich der Hauptstadt gehört, für die Insel selbst
eingeführt. – Ein Japanischer Officier, der mit sei-
ner Bedeckung an Bord kam, wollte sich lange nicht
überreden, daß das Russen seyn sollten, da sie Titus-
köpfe trugen, und er hingegen 12 Jahre vorher die
Laxmannsche Gesandtschaft und deren Gefolge mit
Zöpfen gesehen hatte: so unbegreiflich schien dem
Manne, dessen Volk seit wer weiß wie langen Gene-
rationen unwandelbar an einer und eben derselben
Tracht haftet, eine solche Haupt-Revolution. Uebri-
gens urgirte er die baldigste Weiterreise der Schiffe
aufs dringendste, und suchte durch öftere Wiederhoh-
lung der Töne bum, bum! mit abwechselndem Auf-
blasen der Backen einleuchtend zu machen, wie gewiß
sie sonst von den mächtigen Matsuwayer Fahrzeugen
in den Abgrund geblasen werden würden! – Die
Schilderung der herzlich unlieblichen und dabey doch
höchst achtungswerthen Ainos im Norden vonJesso ,
und Süden vonSachalin , gehört zu den interessante-
sten Bereicherungen der Völkerkunde, und macht den
auffallendsten Contrast mit der im ersten Theile von
den bildschönen, aber ungeschlachten, Cannibalen auf
Nukahiwa . Jene erklärt der Verf., trotz des abso-
luten Mangels von körperlicher Hübschheit, ihrer
nicht eben reinlichen Kleidung, und trotzt des gerade
ins Gesicht gekämmten Haars und der zum Abschrek-
ken blau gefärbten Lippen der Weiber etc., dennoch
wegen ihres durchaus vortrefflichen Characters, ihrer
herzlichen Gutmüthigkeit etc., für das beßte von al-
len Völkern, die er (– der Weltumsegler –) kenne.



conspeximus in Norlandia pilos in reliquo
corpore
crescentes, prolixitati barbae satis convenientes,
adeo ut qua totum fere corpus pilosi sint” . Die an-
dere aus des gelehrten VisionärsOl. RudbeckAt-
lantica p. 529: “Ex consanguineis solum
nostris
XIII monstrare possumus, corpora habentes ad-
modum hirsuta” etc. –)











[titlePage_recto]
Göttingische
gelehrte
Anzeigen
unter der Aufsicht
der königl. Gesellschaft der Wissenschaften.
Der zweyte
Band
auf das Jahr 1811 .
gedruckt bey Heinrich Dieterich.

[1153]
St.
Petersburg .
Den ersten Theil haben wir im vorigen Jahrgange
dieser Blätter (–St.
67 u. 68 –) angezeigt. Hier
der so eben uns zugekommene zweyte, der die andre
Hälfte der Beschreibung dieser merkwürdigen Welt-
reise enthält, ist noch reicher an wichtigen Entdeckun-
gen für die nautische Geographie, zumahl in der
bisher noch so lückenvollen Kenntniß der Küsten und
Inseln desJapanischen Meeres , und an
eben so
neuen als unterhaltenden Nachrichten zur Länder-
und Völkerkunde, aus deren Fülle wir aber wieder,
wie bey der Anzeige des ersten Bandes, nur Weni-
ges ausheben können; welchem Wenigen wir aber,
zum bessern Verständniß, zuvörderst bloß im Allge-
meinen den Curs der Schiffe vorausschicken müssen,
die wir am Schlusse jenes Bandes inJapan nach
dieser Blätter (–
der so eben uns zugekommene zweyte, der die andre
Hälfte der Beschreibung dieser merkwürdigen Welt-
reise enthält, ist noch reicher an wichtigen Entdeckun-
gen für die nautische Geographie, zumahl in der
bisher noch so lückenvollen Kenntniß der Küsten und
Inseln des
neuen als unterhaltenden Nachrichten zur Länder-
und Völkerkunde, aus deren Fülle wir aber wieder,
wie bey der Anzeige des ersten Bandes, nur Weni-
ges ausheben können; welchem Wenigen wir aber,
zum bessern Verständniß, zuvörderst bloß im Allge-
meinen den Curs der Schiffe vorausschicken müssen,
die wir am Schlusse jenes Bandes in

[1154]
dem im Nahmen des dasigen Kaisers dem
Gesandten
Resanoff ertheilten categorischen rund abschläglichen
Bescheid, zum Absegeln bereit verlassen hatten.
Resanoff ertheilten categorischen rund abschläglichen
Bescheid, zum Absegeln bereit verlassen hatten.
Hr. von Kr. nahm nun seine Fahrt (– im April
1805 –) von Nangasaky aus nördlich zuerst
nach
derStraße Sangar ,
welche Nipon und Jesso schei-
det, so wie diese Insel wiederum durch dieLa Pé-
rouse’s Straße von
Sachalin getrennt ist,
und
brachte so die Schiffe (– AnfangsJunii –) wieder
in denPeter-Paulshafen auf Kamtschatka . Von da
begann er (– imJulius –) seine wichtige
Untersu-
chungsreise nach der Ostküste vonSachalin , und lang-
te hierauf (– EndeAugusts –) zum dritten Mahle
aufKamtschatka an, von wannen er auf der Heim-
reise erst zwischenFormosa und den Bashee-Inseln
hindurch (– imNovember –) nach Macao kam;
dann (– AnfangsMärzes 1806 –) die Sunda-
Straße passirte, das
Cap umsegelte (–
Anfangs
Mayes –),
auf St. Helena einlief, weiter
über
Schottland nach
Kopenhagen , und so endlich
glück-
lick nachCronstadt zurück kam.
1805
der
det, so wie diese Insel wiederum durch die
rouse’s Straße
brachte so die Schiffe (– Anfangs
in den
begann er (– im
chungsreise nach der Ostküste von
te hierauf (– Ende
auf
reise erst zwischen
hindurch (– im
dann (– Anfangs
Straße
lick nach
Nun Einiges im Einzelnen.
Der Wunsch der Japaner, ihrer Gäste quitt zu
werden, schien eben so lebhaft und dringend, als die-
ser ihre herzliche Sehnsucht, lieber heute als morgen
aus dieser halbjährigen so wenig ehrenvollen Gefan-
genschaft erlöset zu seyn. Kaum hatte also der Ge-
sandte die Holländische Uebersetzung der Verbots-
Documente erhalten, so wurden auch gleich am näch-
sten Tage die Anker gelichtet, und, wie gesagt, die
Fahrt zunächst im Westen derSangarstraße , die
hier
nur 9 Meilen weit ist – statt der 110, die ihr auf
manchen Karten gegeben werden – nachJesso
oder
Matsumay gerichtet. Die Irrung, welche in
den
verschiedenen Nahmen dieser berühmten Insel bisher
geherrscht hat, ist nun hier dahin berichtigt, daß
werden, schien eben so lebhaft und dringend, als die-
ser ihre herzliche Sehnsucht, lieber heute als morgen
aus dieser halbjährigen so wenig ehrenvollen Gefan-
genschaft erlöset zu seyn. Kaum hatte also der Ge-
sandte die Holländische Uebersetzung der Verbots-
Documente erhalten, so wurden auch gleich am näch-
sten Tage die Anker gelichtet, und, wie gesagt, die
Fahrt zunächst im Westen der
nur 9 Meilen weit ist – statt der 110, die ihr auf
manchen Karten gegeben werden – nach
Matsumay
verschiedenen Nahmen dieser berühmten Insel bisher
geherrscht hat, ist nun hier dahin berichtigt, daß

[1155]
selben, die merkwürdigen Ainos oder insgemein so
genannten behaarten Kurilen, gebrauchten. So wie
diese aber von den Japanern, die sich von Süden da
angesiedelt, ans nördliche Ende verdrängt worden, so
haben die Eroberer den Nahmen
gentlich der Hauptstadt gehört, für die Insel selbst
eingeführt. – Ein Japanischer Officier, der mit sei-
ner Bedeckung an Bord kam, wollte sich lange nicht
überreden, daß das Russen seyn sollten, da sie Titus-
köpfe trugen, und er hingegen 12 Jahre vorher die
Laxmannsche Gesandtschaft und deren Gefolge mit
Zöpfen gesehen hatte: so unbegreiflich schien dem
Manne, dessen Volk seit wer weiß wie langen Gene-
rationen unwandelbar an einer und eben derselben
Tracht haftet, eine solche Haupt-Revolution. Uebri-
gens urgirte er die baldigste Weiterreise der Schiffe
aufs dringendste, und suchte durch öftere Wiederhoh-
lung der Töne bum, bum! mit abwechselndem Auf-
blasen der Backen einleuchtend zu machen, wie gewiß
sie sonst von den mächtigen Matsuwayer Fahrzeugen
in den Abgrund geblasen werden würden! – Die
Schilderung der herzlich unlieblichen und dabey doch
höchst achtungswerthen Ainos im Norden von
und Süden von
sten Bereicherungen der Völkerkunde, und macht den
auffallendsten Contrast mit der im ersten Theile von
den bildschönen, aber ungeschlachten, Cannibalen auf
luten Mangels von körperlicher Hübschheit, ihrer
nicht eben reinlichen Kleidung, und trotzt des gerade
ins Gesicht gekämmten Haars und der zum Abschrek-
ken blau gefärbten Lippen der Weiber etc., dennoch
wegen ihres durchaus vortrefflichen Characters, ihrer
herzlichen Gutmüthigkeit etc., für das beßte von al-
len Völkern, die er (– der Weltumsegler –) kenne.

[1156]
Das Characteristische der Ainos ist reine Herzens-
güte, die auf ihrem Gesichte unverkennbar ausgedrückt
ist, und welcher ihr ganzes Betragen vollkommen ent-
spricht. Habsucht, das allgemeine Laster der Südsee-
Insulaner, ist ihnen gänzlich fremd. Sie brachten
Fische an Bord, ohne das Geringste dafür zu fordern,
und so sehr ihnen die dagegen gereichten Geschenke
Freude machten, so mußte man sie doch erst durch
wiederhohlte Pantomimen bedeuten, daß sie die-
selben, als ganz für sie bestimmt, behalten sollten.
Die rein-patriarchalische Ruhe, die Einigkeit, die
unter diesem glücklichen Völkchen herrscht, geht so
weit, daß es selbst schwer fiel, die Familienhäupter
zu unterscheiden, so wenig anmaßend betrugen sich
die Aeltesten gegen die Uebrigen; und da Hr. v. Kr.
absichtlich die Geschenke unter Alt und Jung zu glei-
chen Theilen ausspenden ließ, so sahen jene dabey so-
gar nicht scheel, daß sie ihn vielmehr auf ein kleines
Mädchen aufmerksam machten, das aus Versehen noch
leer ausgegangen war. Dabey zeigte sich im Innern
ihrer Wohnungen eine Art von Wohlstand, den man
bey den Kamtschadalen, oder vollends bey den armen
Aleuten und den unglücklichen Einwohnern vonKad-
jak , leider nur zu sehr
vermißt. Sonderbar ist, daß
in jedem Hause ein junger Bär gehalten ward, der
seine eigne Stelle in einem Winkel der Wohnstube
hat, und unstreitig der unruhigste Bewohner ist. Ei-
ner von den Officieren wünschte ein solches brummi-
ges Geschöpf zu kaufen, und bot einen Ueberrock von
Tuch dafür. Dennoch konnte man, obgleich Tuch in
den Augen der Ainos einen sehr hohen Werth hat, da
sogar die Japaner nicht im Stande sind, sie damit zu
versorgen, den Eigenthümer des Bären nicht vermö-
gen, sich von seinem Zögling zu trennen. Die Ainos
sind, wie es scheint, ganz Ichthyophagen. Nirgends
zeigte sich Spur von Ackerbau, selbst nicht von Gar-
güte, die auf ihrem Gesichte unverkennbar ausgedrückt
ist, und welcher ihr ganzes Betragen vollkommen ent-
spricht. Habsucht, das allgemeine Laster der Südsee-
Insulaner, ist ihnen gänzlich fremd. Sie brachten
Fische an Bord, ohne das Geringste dafür zu fordern,
und so sehr ihnen die dagegen gereichten Geschenke
Freude machten, so mußte man sie doch erst durch
wiederhohlte Pantomimen bedeuten, daß sie die-
selben, als ganz für sie bestimmt, behalten sollten.
Die rein-patriarchalische Ruhe, die Einigkeit, die
unter diesem glücklichen Völkchen herrscht, geht so
weit, daß es selbst schwer fiel, die Familienhäupter
zu unterscheiden, so wenig anmaßend betrugen sich
die Aeltesten gegen die Uebrigen; und da Hr. v. Kr.
absichtlich die Geschenke unter Alt und Jung zu glei-
chen Theilen ausspenden ließ, so sahen jene dabey so-
gar nicht scheel, daß sie ihn vielmehr auf ein kleines
Mädchen aufmerksam machten, das aus Versehen noch
leer ausgegangen war. Dabey zeigte sich im Innern
ihrer Wohnungen eine Art von Wohlstand, den man
bey den Kamtschadalen, oder vollends bey den armen
Aleuten und den unglücklichen Einwohnern von
jak
in jedem Hause ein junger Bär gehalten ward, der
seine eigne Stelle in einem Winkel der Wohnstube
hat, und unstreitig der unruhigste Bewohner ist. Ei-
ner von den Officieren wünschte ein solches brummi-
ges Geschöpf zu kaufen, und bot einen Ueberrock von
Tuch dafür. Dennoch konnte man, obgleich Tuch in
den Augen der Ainos einen sehr hohen Werth hat, da
sogar die Japaner nicht im Stande sind, sie damit zu
versorgen, den Eigenthümer des Bären nicht vermö-
gen, sich von seinem Zögling zu trennen. Die Ainos
sind, wie es scheint, ganz Ichthyophagen. Nirgends
zeigte sich Spur von Ackerbau, selbst nicht von Gar-

[1157]
tengewächsen, so wenig, als etwa von zahmem Geflü-
gel oder überhaupt von Hausthieren, nur Hunde aus-
genommen, die sie, vermuthlich zu den Winterreisen,
in großer Menge halten, und sich auch großen Theils
in ihre Felle kleiden. – So wenig man übrigens bis-
her von diesen so merkwürdigen Menschen wußte, so
war doch gerade das, was man von ihnen zu wissen
glaubte, und wodurch sie für die Anthropologie so in-
teressant wurden, daß sie nähmlich am ganzen Leibe
dichte behaart seyen, eine Fabel oder wenigstens eine
starke Uebertreibung. Diese deßhalb so genannten be-
haarten Kurilen haben, nach den wiederholten Un-
tersuchungen unserer Reisenden, meist nicht mehr Haa-
re auf ihrem Körper, als sich bey gar manchem Euro-
päer zu finden pflegen. Und daß das einzelne Beyspiel
vom Gegentheil, da man einen am Leibe behaarten
sechsjährigen Knaben fand, nicht einmahl für eine erb-
liche Anomalie (– wie etwa bey den bekannten, vulgo
so genannten, Stachelschwein-Menschen, oder bey
manchen Albinos, oder in dem sechsfingerigen Fami-
lien etc. –), geschweige eine National-Eigenheit, zeu-
ge, lehrte die Besichtigung des Vaters, der den Euro-
päern hierin ganz gleich war. Daß aber auch dieß der
wahre Vater gewesen, dafür bürgt wohl die allgemei-
ne, selbst in Blödigkeit ausartende, Sittsamkeit
der dasigen Weiber.
gel oder überhaupt von Hausthieren, nur Hunde aus-
genommen, die sie, vermuthlich zu den Winterreisen,
in großer Menge halten, und sich auch großen Theils
in ihre Felle kleiden. – So wenig man übrigens bis-
her von diesen so merkwürdigen Menschen wußte, so
war doch gerade das, was man von ihnen zu wissen
glaubte, und wodurch sie für die Anthropologie so in-
teressant wurden, daß sie nähmlich am ganzen Leibe
dichte behaart seyen, eine Fabel oder wenigstens eine
starke Uebertreibung. Diese deßhalb so genannten be-
haarten Kurilen haben, nach den wiederholten Un-
tersuchungen unserer Reisenden, meist nicht mehr Haa-
re auf ihrem Körper, als sich bey gar manchem Euro-
päer zu finden pflegen. Und daß das einzelne Beyspiel
vom Gegentheil, da man einen am Leibe behaarten
sechsjährigen Knaben fand, nicht einmahl für eine erb-
liche Anomalie (– wie etwa bey den bekannten, vulgo
so genannten, Stachelschwein-Menschen, oder bey
manchen Albinos, oder in dem sechsfingerigen Fami-
lien etc. –), geschweige eine National-Eigenheit, zeu-
ge, lehrte die Besichtigung des Vaters, der den Euro-
päern hierin ganz gleich war. Daß aber auch dieß der
wahre Vater gewesen, dafür bürgt wohl die allgemei-
ne, selbst in Blödigkeit ausartende, Sittsamkeit
der dasigen Weiber.
(– Und individuelle Beyspiele von ungewöhnlich
stark behaarten Menschen gibts überall. So fand z.B.
Forster dergleichen auf dersüdlichen Hälfte
des so ge-
nannten stillen Oceans unter den
Bewohnern der neuen
Hebriden ; und daß sie auch in Europa , und nahment-
lich inSchweden , nichts weniger als
selten sind, dafür
darf der Rec. ein paar Stellen aus seltenen Schriften,
die ihm gerade zur Hand liegen, anführen: die eine
ausHar. Valleriusde varia hominum forma
externa p. 20: “Saepissime non sine
admiratione
stark behaarten Menschen gibts überall. So fand z.B.
Forster dergleichen auf der
nannten stillen Oceans
Hebriden
lich in
darf der Rec. ein paar Stellen aus seltenen Schriften,
die ihm gerade zur Hand liegen, anführen: die eine
aus
externa p. 20:

[1158]
crescentes, prolixitati barbae satis convenientes,
adeo ut qua totum fere corpus pilosi sint”
dere aus des gelehrten Visionärs
lantica p. 529:
XIII monstrare possumus, corpora habentes ad-
modum hirsuta”
Auch mag das dickstruppige Haar der Ainos und der
starke Bart der Männer, wodurch sie gegen die benach-
barten Völker gar auffallend abstechen, den Glauben
an jene Sage noch befestigt haben. (– Der Rec. hat
ein paar colorirte Portraite von einem Ainos-Mann
und Frau von der Hand des Hrn. Hofr. Tilesius vor
sich, die beide durchs buschlige Haar auffallen, so wie
sich hinwiederum der Mann durch den starken Bart, und
die Frau durch ihre blitzblau gefärbten Lippen auszeich-
net. Letztere wundersame Sitte haben sie vielleicht von
den Japanerinnen adoptirt. Denn eben auch in der
Sammlung des Rec. befinden sich zwey inNangasaky
ausnehmend sauber gemahlte Bildnisse zweyer jungen
dasigen Frauen, das eine auf Seidenpapier, das an-
dere auf Zindeltafft, dieses mit schön blau, jenes
mit grasgrün geschminkten Lippen! –)
starke Bart der Männer, wodurch sie gegen die benach-
barten Völker gar auffallend abstechen, den Glauben
an jene Sage noch befestigt haben. (– Der Rec. hat
ein paar colorirte Portraite von einem Ainos-Mann
und Frau von der Hand des Hrn. Hofr. Tilesius vor
sich, die beide durchs buschlige Haar auffallen, so wie
sich hinwiederum der Mann durch den starken Bart, und
die Frau durch ihre blitzblau gefärbten Lippen auszeich-
net. Letztere wundersame Sitte haben sie vielleicht von
den Japanerinnen adoptirt. Denn eben auch in der
Sammlung des Rec. befinden sich zwey in
ausnehmend sauber gemahlte Bildnisse zweyer jungen
dasigen Frauen, das eine auf Seidenpapier, das an-
dere auf Zindeltafft, dieses mit schön blau, jenes
mit grasgrün geschminkten Lippen! –)
Sieben Wochen nach der Abfahrt von Nangasaky
kamen die Schiffe wieder imPeter-Paulshafen auf
Kamtschatka an. Bald nach jener Abfahrt brachen
bey
einem der an Bord befindlichen Soldaten, einem Ein-
gebornen vonKamtschatka , die
Pocken aus. Zum Glück
hatten zwar alle übrige auf dem Schiffe befindliche Per-
sonen diese Krankheit schon bestanden. Aber inKam-
tschatka ,
wohin man segelte, haben von den Erwachse-
nen die wenigsten, und von den Kindern noch gar kei-
nes, die Pocken gehabt! Dieß und die ohnehin so ge-
ringe dasige Volksmenge, vollends aber die Erinne-
rung an das schreckliche Ereigniß von1767 , wo eine
mörderische Epidemie der vonOchotsk dahin gebrach-
kamen die Schiffe wieder im
einem der an Bord befindlichen Soldaten, einem Ein-
gebornen von
hatten zwar alle übrige auf dem Schiffe befindliche Per-
sonen diese Krankheit schon bestanden. Aber in
tschatka
nen die wenigsten, und von den Kindern noch gar kei-
nes, die Pocken gehabt! Dieß und die ohnehin so ge-
ringe dasige Volksmenge, vollends aber die Erinne-
rung an das schreckliche Ereigniß von
mörderische Epidemie der von

[1159]
ten
Pocken Tausende der armen Einwohner dahinraff-
te, vermochte den edeln Krusenstern zu eben so stren-
gen als musterhaften Vorkehrungen. Ungeachtet schon
mehrere Wochen vor der Ankunft des Schiffes die
Krankheit so überstanden war, daß gar keine Ansteckung
mehr zu fürchten schien, so wurde doch alles, was dem
Patienten gehört hatte, über Bord geworfen, die Sa-
chen derjenigen, die ans Land gehen sollten, nach der
Smythschen Methode durchräuchert etc., während des
Aufenthalts inPetropawlosk nicht die geringste Ge-
meinschaft mit den Einwohnern gestattet, und die de-
barquirten Soldaten mußten drey Wochen Quarantai-
ne halten. Und daKamtschatka mit jedem ankommen-
den Schiffe dieser dort so schreckliche Gefahr drohenden
Krankheit ausgesetzt ist, so urgirt er aufs dringendste,
daß man doch auch jenen fernen Erdtheil baldmöglichst
der Wohlthat der Kuhpocken theilhaft machen möge.
te, vermochte den edeln Krusenstern zu eben so stren-
gen als musterhaften Vorkehrungen. Ungeachtet schon
mehrere Wochen vor der Ankunft des Schiffes die
Krankheit so überstanden war, daß gar keine Ansteckung
mehr zu fürchten schien, so wurde doch alles, was dem
Patienten gehört hatte, über Bord geworfen, die Sa-
chen derjenigen, die ans Land gehen sollten, nach der
Smythschen Methode durchräuchert etc., während des
Aufenthalts in
meinschaft mit den Einwohnern gestattet, und die de-
barquirten Soldaten mußten drey Wochen Quarantai-
ne halten. Und da
den Schiffe dieser dort so schreckliche Gefahr drohenden
Krankheit ausgesetzt ist, so urgirt er aufs dringendste,
daß man doch auch jenen fernen Erdtheil baldmöglichst
der Wohlthat der Kuhpocken theilhaft machen möge.
Mit gleicher Humanität, – aber auch laut u. männ-
lich, – erhebt er seine Stimme zu Milderung des alles
Menschengefühl empörenden jammervollen Drucks,
unter welchem die unglücklichen Insulaner auf dem
Russ. Nordarchipel und die Einwohner der benachbar-
ten Küste vonNordamerica schmachten, u. täglich mehr
durch die bisher ganz unbeschränkt gebliebene, aller be-
liebigen Willkühr überlassene, Eigenmacht der Agenten
der Russisch-Americanischen Compagnie und ihrer Un-
ter-Bedienten aufgerieben werden. Wir können nur
sehr Weniges von dieser schaudervollen Schilderung
hier anführen, und doch muß auch dieses Wenige jeden
Leser überzeugen, daß jene unsre armen Mitmenschen
von der Mongolischen Raße von ihren Europäischen
Brüdern, wenn gleich auf andre Manier, doch im Grun-
de um nichts milder, gepeinigt werden, als weiland die
von der Americanischen durch die ersten Eroberer der
neuen Welt, oder als die von der Aethiopischen durch
die Vampyren von Sklavenhändlern. – “Der Haupt-
lich, – erhebt er seine Stimme zu Milderung des alles
Menschengefühl empörenden jammervollen Drucks,
unter welchem die unglücklichen Insulaner auf dem
ten Küste von
durch die bisher ganz unbeschränkt gebliebene, aller be-
liebigen Willkühr überlassene, Eigenmacht der Agenten
der Russisch-Americanischen Compagnie und ihrer Un-
ter-Bedienten aufgerieben werden. Wir können nur
sehr Weniges von dieser schaudervollen Schilderung
hier anführen, und doch muß auch dieses Wenige jeden
Leser überzeugen, daß jene unsre armen Mitmenschen
von der Mongolischen Raße von ihren Europäischen
Brüdern, wenn gleich auf andre Manier, doch im Grun-
de um nichts milder, gepeinigt werden, als weiland die
von der Americanischen durch die ersten Eroberer der
neuen Welt, oder als die von der Aethiopischen durch
die Vampyren von Sklavenhändlern. – “Der Haupt-

[1160]
Agent jener Compagnie ist unumschränkter
Despot
über eine Strecke Landes, welche sich, mit Inbegriff der
großenAleutischen
Inselkette , vom 57. bis 61.° der
Breite, und vom 130. bis 190.° östl. Länge erstreckt”.
– “Jeder Russe, wenn er auch der abhängigste u. un-
terdrückteste Sklave eines Agenten der Compagnie ist,
darf ungestraft die ursprünglichen Einwohner des Lan-
des tyrannisiren”. – “Hier muß Jeder der eisernen
Willkühr jener Agenten gehorchen. Eigenthum u. per-
sönliche Sicherheit können da nicht Statt finden, wo es
keine Gesetze gibt. Nun aber gibt es in keiner Besitzung
der Compagnie irgend eine Gesetzpflege” (!).
über eine Strecke Landes, welche sich, mit Inbegriff der
großen
Breite, und vom 130. bis 190.° östl. Länge erstreckt”.
– “Jeder Russe, wenn er auch der abhängigste u. un-
terdrückteste Sklave eines Agenten der Compagnie ist,
darf ungestraft die ursprünglichen Einwohner des Lan-
des tyrannisiren”. – “Hier muß Jeder der eisernen
Willkühr jener Agenten gehorchen. Eigenthum u. per-
sönliche Sicherheit können da nicht Statt finden, wo es
keine Gesetze gibt. Nun aber gibt es in keiner Besitzung
der Compagnie irgend eine Gesetzpflege” (!).
(– Gott Lob, daß diese genaue lebendige Dar-
stellung, aus welcher wir hier nur ein paar allgemeine
Data ausheben konnten, von einem solchen Manne in
einem solchen Werke gegeben ist, wo sie ihres Weges
zum Throne gewiß nicht verfehlen kann, und eben so
gewiß auch bald und kräftig ihre wohlthätige Wirkung
äußern muß! Denn leider hatte in vorigen Zeiten der
Einfluß mancher Interessenten der Compagnie Mittel
gefunden, die frühern Versuche wodurch jene schauder-
vollen Greuel zur Sprache gebracht werden sollten, zu
vereiteln. – So besitzt z.B. der Rec. das handschrift-
liche Tagebuch des wackern Sergeanten Builof, der
schon1779 ausdrücklich
in der Absicht von Kamtschat-
ka nach den Fuchsinseln geschickt ward, um
während
seines fünfjährigen dasigen Aufenthalts nahmentlich
das Betragen der Pelzjäger gegen die armen einge-
bornen Aleuten zu untersuchen, u. treuen Bericht dar-
über zu erstatten. Er that das aufs gewissenhafteste,
und der Erfolg war, daß die Pelzhändler schon inIr-
kutsk
die weitere Untersuchung niederzuschlagen wuß-
ten; daß Builof statt der ihm für seine treuen Dienste
versprochenen Officierstelle in Gefahr gerieth, gemeiner
Soldat zu werden; daß ihn zwar Cap. Billings dadurch
noch rettete, daß er ihn zum Schreiber bey seiner Expe-
stellung, aus welcher wir hier nur ein paar allgemeine
Data ausheben konnten, von einem solchen Manne in
einem solchen Werke gegeben ist, wo sie ihres Weges
zum Throne gewiß nicht verfehlen kann, und eben so
gewiß auch bald und kräftig ihre wohlthätige Wirkung
äußern muß! Denn leider hatte in vorigen Zeiten der
Einfluß mancher Interessenten der Compagnie Mittel
gefunden, die frühern Versuche wodurch jene schauder-
vollen Greuel zur Sprache gebracht werden sollten, zu
vereiteln. – So besitzt z.B. der Rec. das handschrift-
liche Tagebuch des wackern Sergeanten Builof, der
schon
ka
seines fünfjährigen dasigen Aufenthalts nahmentlich
das Betragen der Pelzjäger gegen die armen einge-
bornen Aleuten zu untersuchen, u. treuen Bericht dar-
über zu erstatten. Er that das aufs gewissenhafteste,
und der Erfolg war, daß die Pelzhändler schon in
kutsk
ten; daß Builof statt der ihm für seine treuen Dienste
versprochenen Officierstelle in Gefahr gerieth, gemeiner
Soldat zu werden; daß ihn zwar Cap. Billings dadurch
noch rettete, daß er ihn zum Schreiber bey seiner Expe-

[1161]
dition annahm; daß er aber bald, meist aus Gram,
starb
und sein Grab in den Fluthen fand. – Der Rec. hat
seine Gründe, warum er zugleich anmerkt, daß er dieses
noch ungedruckte Tagebuch von seinem, nun auch ver-
storbenen, Freunde, dem Hofr. Merk, erhalten hat, der
bey dieser großen achtjährigen Expedition als Natur-
forscher angestellt war, u. den Diensteifer u. die Wahr-
heitsliebe des unglückl.Builof verbürgen konnte. –)
und sein Grab in den Fluthen fand. – Der Rec. hat
seine Gründe, warum er zugleich anmerkt, daß er dieses
noch ungedruckte Tagebuch von seinem, nun auch ver-
storbenen, Freunde, dem Hofr. Merk, erhalten hat, der
bey dieser großen achtjährigen Expedition als Natur-
forscher angestellt war, u. den Diensteifer u. die Wahr-
heitsliebe des unglückl.Builof verbürgen konnte. –)
Uebrigens muß man den gedachten Agenten eine Art
von consequenter Unparteylichkeit zugestehen, sinte-
mahlen sich hier ergibt, daß auch das Leben und die Ge-
sundheit ihrer eignen Landsleute, der Russ. Promüsch-
leniken (Matrosen im Dienst der American. Compagnie
oder so genannte Pelzjäger) mit eben so barbarischer
Gleichgültigkeit von ihnen vernachlässigt wird. Ein
mit voller Ladung befrachtetes Compagnieschiff von
circa 150 Tonnen, das Hr. v. Kr. besah (dasselbe,
auf welchem auch der nun zurückbleibende Resanoff
nachKadjak zu seiner besondern Bestimmung abging),
war, außer den Officieren, Agenten etc., mit nicht we-
niger denn 70 solcher Matrosen überstopft, worunter
sich schon vor dem Auslaufen aus dem Hafen 20 Kranke
befanden, die selbst kaum Raum unter dem Verdecke
behielten, so daß die übrigen 50 entweder unter diesem
hyperboreischen Himmel auf dem Verdecke schlafen,
oder aber, ganz im buchstäblichen Sinne, einer auf dem
andern liegen mußte. Hangematten gabs gar nicht.
An Kleidungsstücken herrschte die größte Armuth:
Zerlumptheit u. höchster Schmutz characterisirte alle;
nur wenige hatten Hemden etc. – Und nun die armen
Kranken! Scorbutische und venerische Schäden schie-
nen bey den meisten unheilbar, obgleich sie seit 10 Mo-
nathen am Lande und unter Wundarzts Händen gewe-
sen waren. Jetzt sollten sie auch dieser Hülfe beraubt,
und nach einer langwierigen Fahrt an Orte versetzt
werden, wo entweder ärztlicher Beystand gänzlich fehl-
von consequenter Unparteylichkeit zugestehen, sinte-
mahlen sich hier ergibt, daß auch das Leben und die Ge-
sundheit ihrer eignen Landsleute, der Russ. Promüsch-
leniken (Matrosen im Dienst der American. Compagnie
oder so genannte Pelzjäger) mit eben so barbarischer
Gleichgültigkeit von ihnen vernachlässigt wird. Ein
mit voller Ladung befrachtetes Compagnieschiff von
circa 150 Tonnen, das Hr. v. Kr. besah (dasselbe,
auf welchem auch der nun zurückbleibende Resanoff
nach
war, außer den Officieren, Agenten etc., mit nicht we-
niger denn 70 solcher Matrosen überstopft, worunter
sich schon vor dem Auslaufen aus dem Hafen 20 Kranke
befanden, die selbst kaum Raum unter dem Verdecke
behielten, so daß die übrigen 50 entweder unter diesem
hyperboreischen Himmel auf dem Verdecke schlafen,
oder aber, ganz im buchstäblichen Sinne, einer auf dem
andern liegen mußte. Hangematten gabs gar nicht.
An Kleidungsstücken herrschte die größte Armuth:
Zerlumptheit u. höchster Schmutz characterisirte alle;
nur wenige hatten Hemden etc. – Und nun die armen
Kranken! Scorbutische und venerische Schäden schie-
nen bey den meisten unheilbar, obgleich sie seit 10 Mo-
nathen am Lande und unter Wundarzts Händen gewe-
sen waren. Jetzt sollten sie auch dieser Hülfe beraubt,
und nach einer langwierigen Fahrt an Orte versetzt
werden, wo entweder ärztlicher Beystand gänzlich fehl-

[1162]
te, oder wo er von ganz Unwissenden geleistet
wird.
Dabey bestand der Vorrath von Krankenkost aus eini-
gen Säcken verschimmelten schwarzen Zwiebacks und
zwey Tonnen schon so pestilenzialisch riechenden Salz-
fleisches, daß der Verf., als auf sein Gesuch ein Faß ge-
öffnet ward, sogleich den Schiffsraum verlassen mußte.
Die Hauptnahrung der Gesunden besteht aus Thran,
gedörrtem Seelöwenfleisch etc.; Branntwein aber, des-
sen unbeschränkter Vertrieb in jenen Gegenden sonst
aufs unseligste gemißbraucht wird, und dessen mäßiger
Genuß gerade diesen Seefahrern in jenen neblichten
und kalten Meeren heilsam seyn würde, den gibt man
ihnen nie. – Ein unverkennbarer Hauptgrund dieses
und hundertfältigen andern Elendes, wodurch die
Existenz der armen Eingebornen, so genannten Wilden,
sowohl, als der dort angesiedelten und im Dienst ste-
henden Russen, verkümmert wird, liegt offenbar in den
unermeßlichen Schwierigkeiten und ungeheuern Ko-
sten, die mit dem Land-Transport verbunden sind, auf
welchem bisher alle Bedürfnisse dahin gefahren und
großen Theils getragen werden mußten! Denn der
mächtig lange und ohnehin gefährliche Weg zwischen
Irkutsk und Ochotsk ist gar nicht fahrbar, sondern
die
Waren müssen in ledernen Schläuchen auf dem Rücken
der Pferde und Rehnthiere transportirt werden. Wie
glücklich würden diese Schwierigkeiten überwunden,
und wie unendlich der Wohlstand vonKamtschatka und
von allen Russ. Besitzungen in und an jenem Ocean ge-
hoben werden, wenn von nun an die Schifffahrt zwi-
schen den Häfen desBaltischen Meeres , den Inseln
des östl. Oceans , und der Küste des nordwestl. Ameri-
ca unterhalten würde, deren
Ausführbarkeit und ein-
träglichen Nutzen Hr. v. Kr. durch seine große Welt-
reise selbst so einleuchtend dargethan hat. Und die
Entfernung wird hoffentlich Niemand einwenden, der
von der Leichtigkeit einen Begriff hat, womit seefah-
Dabey bestand der Vorrath von Krankenkost aus eini-
gen Säcken verschimmelten schwarzen Zwiebacks und
zwey Tonnen schon so pestilenzialisch riechenden Salz-
fleisches, daß der Verf., als auf sein Gesuch ein Faß ge-
öffnet ward, sogleich den Schiffsraum verlassen mußte.
Die Hauptnahrung der Gesunden besteht aus Thran,
gedörrtem Seelöwenfleisch etc.; Branntwein aber, des-
sen unbeschränkter Vertrieb in jenen Gegenden sonst
aufs unseligste gemißbraucht wird, und dessen mäßiger
Genuß gerade diesen Seefahrern in jenen neblichten
und kalten Meeren heilsam seyn würde, den gibt man
ihnen nie. – Ein unverkennbarer Hauptgrund dieses
und hundertfältigen andern Elendes, wodurch die
Existenz der armen Eingebornen, so genannten Wilden,
sowohl, als der dort angesiedelten und im Dienst ste-
henden Russen, verkümmert wird, liegt offenbar in den
unermeßlichen Schwierigkeiten und ungeheuern Ko-
sten, die mit dem Land-Transport verbunden sind, auf
welchem bisher alle Bedürfnisse dahin gefahren und
großen Theils getragen werden mußten! Denn der
mächtig lange und ohnehin gefährliche Weg zwischen
Waren müssen in ledernen Schläuchen auf dem Rücken
der Pferde und Rehnthiere transportirt werden. Wie
glücklich würden diese Schwierigkeiten überwunden,
und wie unendlich der Wohlstand von
von allen Russ. Besitzungen in und an jenem Ocean ge-
hoben werden, wenn von nun an die Schifffahrt zwi-
schen den Häfen des
des östl. Oceans
ca
träglichen Nutzen Hr. v. Kr. durch seine große Welt-
reise selbst so einleuchtend dargethan hat. Und die
Entfernung wird hoffentlich Niemand einwenden, der
von der Leichtigkeit einen Begriff hat, womit seefah-

[1163]
rende Nationen, zumahl die Engländer und die Frey-
staats-Americaner, so eine halbe Reise um die Welt
zu machen verstehen.
staats-Americaner, so eine halbe Reise um die Welt
zu machen verstehen.
Beyläufig einige herrliche Züge zur Characteristik
der Tschukischen, bekanntlich der einzigen Nation im
nördlichenSibirien , welche sich bis jetzt
noch nicht un-
bedingt dem Russischen Scepter unterworfen hat.
Sie sandten eine Deputation ihrer Aeltesten, ihr Ober-
haupt an der Spitze, an den edeln Koscheleff, Gouver-
neur vonKamtschatka , um ihre Beschwerden, nah-
mentlich ebenfalls gegen Pelzjäger der dick erwähnten
Americanischen Compagnie anzubringen, die sich be-
sonders beym Tauschhandel allerley Betriegereyen ge-
gen sie erlaubt hatten. Das ganze Betragen dieser
braven Wilden, ihr Anstand und Würde, ihre männ-
liche energische Beredtsamkeit etc. mahnt uns an die
eigentlich sogenannten Nordamericanischen Indianer,
die herrlichen Mohawks etc. (nicht die Eskimos, wel-
chen hinwiederum die Aleuten, und selbst die Kam-
tschadalen, ähneln). “Es würde uns nichts kosten”,
sagte der Wortführer, “diese Russen in Einer Nacht zu
ermorden. Aber wir wollen lieber die Abstellung unse-
rer Beschwerden Deiner Gerechtigkeit überlassen.
Dein Ruf hat uns zu Dir gebracht etc.”. Und nach dem
der Gouverneur alles untersucht, ihre Klagen gegrün-
det befunden, und ihnen Genugthuung verschafft hatte,
so zog der Sprecher bey einer andern Conferenz einen
Dolch mit abgebrochener Spitze hervor, mit dem feyer-
lichen Versprechen, daß dieselbe nie gegen die Russen
wieder geschärft werden solle, und dem Schluß:
“Melde das Deinem Kaiser”!
der Tschukischen, bekanntlich der einzigen Nation im
nördlichen
bedingt dem Russischen Scepter unterworfen hat.
Sie sandten eine Deputation ihrer Aeltesten, ihr Ober-
haupt an der Spitze, an den edeln Koscheleff, Gouver-
neur von
mentlich ebenfalls gegen Pelzjäger der dick erwähnten
Americanischen Compagnie anzubringen, die sich be-
sonders beym Tauschhandel allerley Betriegereyen ge-
gen sie erlaubt hatten. Das ganze Betragen dieser
braven Wilden, ihr Anstand und Würde, ihre männ-
liche energische Beredtsamkeit etc. mahnt uns an die
eigentlich sogenannten Nordamericanischen Indianer,
die herrlichen Mohawks etc. (nicht die Eskimos, wel-
chen hinwiederum die Aleuten, und selbst die Kam-
tschadalen, ähneln). “Es würde uns nichts kosten”,
sagte der Wortführer, “diese Russen in Einer Nacht zu
ermorden. Aber wir wollen lieber die Abstellung unse-
rer Beschwerden Deiner Gerechtigkeit überlassen.
Dein Ruf hat uns zu Dir gebracht etc.”. Und nach dem
der Gouverneur alles untersucht, ihre Klagen gegrün-
det befunden, und ihnen Genugthuung verschafft hatte,
so zog der Sprecher bey einer andern Conferenz einen
Dolch mit abgebrochener Spitze hervor, mit dem feyer-
lichen Versprechen, daß dieselbe nie gegen die Russen
wieder geschärft werden solle, und dem Schluß:
“Melde das Deinem Kaiser”!
Der treffliche Koscheleff gab unsern Reisenden noch
einen Abschiedsball, von welchem sie noch in derselben
Nacht an Bord und wieder in See gingen. Dießmahl
zur wichtigen Untersuchung der Ostküste des großen
Sachalin , das auf den bisherigen
Karten als eine In-
einen Abschiedsball, von welchem sie noch in derselben
Nacht an Bord und wieder in See gingen. Dießmahl
zur wichtigen Untersuchung der Ostküste des großen

[1164]
sel dargestellt war, das aber, nach den vom Verf. ange-
gebenen Gründen, die er nachher auch durch Capitain
Broughton’s Untersuchung bestätigt gefunden, doch
im Süden der Mündung desAmur mit dem festen Lan-
de derTatarey durch eine flache Erdzunge
verbunden,
und folglich eine Halbinsel ist, deren nördliches Ende
von einigen hundert Schinesischen Tataren bewohnt
wird, durch welche die Ureinwohner, die guten Ainos,
dort eben so, wie im Süden durch die Japaner,
verdrängt worden.
gebenen Gründen, die er nachher auch durch Capitain
Broughton’s Untersuchung bestätigt gefunden, doch
im Süden der Mündung des
de der
und folglich eine Halbinsel ist, deren nördliches Ende
von einigen hundert Schinesischen Tataren bewohnt
wird, durch welche die Ureinwohner, die guten Ainos,
dort eben so, wie im Süden durch die Japaner,
verdrängt worden.
Jeder Leser, dem die seltenen Talente und der edle
Character des verdienstvollen Krusenstern einiges
Interesse für diesen vortrefflichen Seefahrer einge-
flößt haben, wird mit herzlicher Theilnahme erfah-
ren, daß derselbe nun bey seiner dritten Ankunft auf
Kamtschatka zwey vom Kaiser Alexander selbst an
ihn gerichtete Schreiben erhielt, worin der Monarch
die Aeußerungen seiner vollkommenen Zufriedenheit
mit einer Belohnung begleitete, welche die Erwar-
tung des bescheidenen Mannes übertraf.
Character des verdienstvollen Krusenstern einiges
Interesse für diesen vortrefflichen Seefahrer einge-
flößt haben, wird mit herzlicher Theilnahme erfah-
ren, daß derselbe nun bey seiner dritten Ankunft auf
ihn gerichtete Schreiben erhielt, worin der Monarch
die Aeußerungen seiner vollkommenen Zufriedenheit
mit einer Belohnung begleitete, welche die Erwar-
tung des bescheidenen Mannes übertraf.
Dieser benutzte nun seinen dießmahligen Aufent-
halt besonders, um sich zu seiner weiten Heimreise
zu verproviantiren, wozu der thätige Beystand des
würdigen Gouverneurs das Beßte that, da die von
Ochotsk vorher dazu verschriebenen
Victualien sich
so ungenießbar befanden, daß eine Summe von
15,000 Rubel umsonst darauf verwandt war. Da-
gegen erhielt er nun inKamtschatka selbst
tüchtigen
Vorrath; namentlich auch Kartoffeln die Fülle.
(– Diese große Gabe des Himmels, nebst der Chi-
na, das Beßte, was die alte Welt durch die Ent-
deckung der neuen gewonnen hat, wird also nun in
den fernsten Enden aller fünf Erdtheile gebaut. In
Kamtschatka , wie auf Grönland und am Cap und in
Sidneycove . So glücklich acclimatisirt das
wohl-
thätige Gewächs allen Zonen! –)
halt besonders, um sich zu seiner weiten Heimreise
zu verproviantiren, wozu der thätige Beystand des
würdigen Gouverneurs das Beßte that, da die von
so ungenießbar befanden, daß eine Summe von
15,000 Rubel umsonst darauf verwandt war. Da-
gegen erhielt er nun in
Vorrath; namentlich auch Kartoffeln die Fülle.
(– Diese große Gabe des Himmels, nebst der Chi-
na, das Beßte, was die alte Welt durch die Ent-
deckung der neuen gewonnen hat, wird also nun in
den fernsten Enden aller fünf Erdtheile gebaut. In
thätige Gewächs allen Zonen! –)

[1165]
Bekanntlich hatten vorlängst zwey berühmte
Fremdlinge aufKamtschatka ihr Grab gefunden.
Der Astronome de l’Isle auf Behring’s Expedition
1741 , und Cook’s Nachfolger
auf seiner letzten Welt-
reise, Capitain Clerke,1779 . Da aber die ihrem
Andenken daselbst gestifteten Denkmahle schon wie
verschollen waren, so haben die Officiere derNa-
deshda dasselbe durch ein
dauerhafteres Monument
erneut. – Doch wie viel Interessantes müssen wir
nicht, dem Zuschnitt unserer Blätter gemäß, über-
gehen, z.B. die mit eben so viel Muth als Ver-
schlagenheit angelegte und glücklich ausgeführte
wunderähnliche Flucht von sieben Japanesen, die
ohne Trinkwasser, und selbst ohne Geschirr dazu,
in einem offenen Bohte vonKamtschatka
nach ihrer
Heimath gerudert sind! und viel dergleichen mehr. –
Fremdlinge auf
Der Astronome de l’Isle auf Behring’s Expedition
reise, Capitain Clerke,
Andenken daselbst gestifteten Denkmahle schon wie
verschollen waren, so haben die Officiere der
deshda
erneut. – Doch wie viel Interessantes müssen wir
nicht, dem Zuschnitt unserer Blätter gemäß, über-
gehen, z.B. die mit eben so viel Muth als Ver-
schlagenheit angelegte und glücklich ausgeführte
wunderähnliche Flucht von sieben Japanesen, die
ohne Trinkwasser, und selbst ohne Geschirr dazu,
in einem offenen Bohte von
Heimath gerudert sind! und viel dergleichen mehr. –
Ausführliche lebendige Schilderung des elenden
Zustandes vonKamtschatka seit den hundert
Jah-
ren, da diese große, berühmte, merkwürdige Halb-
insel inRußlands Besitz ist, der unendlich wichtig
werden könnte, wenn man alle die Vortheile dar-
aus ziehen wollte, die er zu gewähren im Stande
ist. Der überschwenglich kostbare Land-Transport
aus demEuropäischen Rußland nach
Ochotsk , und
von da nachKamtschatka , war bis jetzt
eine Haupt-
ursache, warum die dasigen Einwohner fast an allem,
selbst an dem, was die Nothdurft erfordert, Salz
und Brot und dergl., kümmerlich Mangel leiden.
Nur an Branntwein fehlts nie: Dank sey es der
Industrie der Kaufleute, die dadurch den armen Ein-
wohnern das einzige Mittel an die Hand geben,
des mit saurem Schweiß und Gefahr erworbenen
Geldes, womit weiter dort nichts anzufangen ist,
los zu werden! Die unseligen Folgen von allem
diesem bedürfen keiner Erwähnung, und treffen den
Ueberrest der armen, nun fast ausgestorbenen, ein-
Zustandes von
ren, da diese große, berühmte, merkwürdige Halb-
insel in
werden könnte, wenn man alle die Vortheile dar-
aus ziehen wollte, die er zu gewähren im Stande
ist. Der überschwenglich kostbare Land-Transport
aus dem
von da nach
ursache, warum die dasigen Einwohner fast an allem,
selbst an dem, was die Nothdurft erfordert, Salz
und Brot und dergl., kümmerlich Mangel leiden.
Nur an Branntwein fehlts nie: Dank sey es der
Industrie der Kaufleute, die dadurch den armen Ein-
wohnern das einzige Mittel an die Hand geben,
des mit saurem Schweiß und Gefahr erworbenen
Geldes, womit weiter dort nichts anzufangen ist,
los zu werden! Die unseligen Folgen von allem
diesem bedürfen keiner Erwähnung, und treffen den
Ueberrest der armen, nun fast ausgestorbenen, ein-

[1166]
gebornen Kamtschadalen sowohl, als die angesiedel-
ten Russen. Von jenen ehrlichen Wilden sagt der
Verf., “daß sie an Güte des Herzens, an Treue,
Folgsamkeit, Gastfreyheit, Beharrlichkeit, Ergeben-
heit für ihre Oberen, schwerlich übertroffen werden
können”. Wie diesem fürRußland so wichtigen, und
von der Natur, trotz der widerwärtigen Vorstellung,
die sich ununterrichtete Europäer davon zu machen
pflegen, bey weitem nicht verwahrloseten Lande, zu-
mahl durch jährliche Schifffahrt vonCronstadt aus
dahin, zum Wunder leicht und kräftig aufgeholfen
werden könne, zeigt der Verf. aufs einleuchtendste.
ten Russen. Von jenen ehrlichen Wilden sagt der
Verf., “daß sie an Güte des Herzens, an Treue,
Folgsamkeit, Gastfreyheit, Beharrlichkeit, Ergeben-
heit für ihre Oberen, schwerlich übertroffen werden
können”. Wie diesem für
von der Natur, trotz der widerwärtigen Vorstellung,
die sich ununterrichtete Europäer davon zu machen
pflegen, bey weitem nicht verwahrloseten Lande, zu-
mahl durch jährliche Schifffahrt von
dahin, zum Wunder leicht und kräftig aufgeholfen
werden könne, zeigt der Verf. aufs einleuchtendste.
Nun von da zur Heimreise. – Auf der Fahrt
nachMacao passirten unsere Reisende eine
große
Flotte von Booten Schinesischer Rebellen, wohl
300 Segel, die schon seit drey Jahren an der süd-
lichen Küste vonSchina geraubt hatten. Sie sol-
len aber auf 4000 Schiffe stark seyn, und darunter
welche von 200 Tonnen Größe, die mit 2 bis 300
Köpfen bemannet, und mit 10 bis 20 Kanonen,
und zwar theils Zwölf- und Achtzehnpfündern, be-
waffnet sind. Gelingt es ihnen, ein Schiff zu en-
tern, so sind sie, ihrer überlegenen Anzahl von
Mannschaft wegen, ihrer Beute gewiß. Nur der
starke Sturm konnte sie abgehalten haben, auch die
Russen anzugreifen. Sie sind im Besitz der gro-
ßen InselHaynan , eines großen Theils der
Süd-
westküste vonFormosa (der Kornkammer von Fo-
kin ), und eines Theils
von Cochinchina .
Außer
diesen Seeräubern soll durch ganzSchina , und be-
sonders in den südlichen und westlichen Provinzen,
eine verbündete Gesellschaft von Unzufriedenen aus
allen Classen verbreitet seyn; so wie auch schon
mehrmahlen Anschläge auf das Leben des Kaisers
entdeckt worden. Ein Manifest, das der, freylich
gar schwache, Monarch (der funfzehnte Sohn des
nach
Flotte von Booten Schinesischer Rebellen, wohl
300 Segel, die schon seit drey Jahren an der süd-
lichen Küste von
len aber auf 4000 Schiffe stark seyn, und darunter
welche von 200 Tonnen Größe, die mit 2 bis 300
Köpfen bemannet, und mit 10 bis 20 Kanonen,
und zwar theils Zwölf- und Achtzehnpfündern, be-
waffnet sind. Gelingt es ihnen, ein Schiff zu en-
tern, so sind sie, ihrer überlegenen Anzahl von
Mannschaft wegen, ihrer Beute gewiß. Nur der
starke Sturm konnte sie abgehalten haben, auch die
Russen anzugreifen. Sie sind im Besitz der gro-
ßen Insel
westküste von
kin
diesen Seeräubern soll durch ganz
sonders in den südlichen und westlichen Provinzen,
eine verbündete Gesellschaft von Unzufriedenen aus
allen Classen verbreitet seyn; so wie auch schon
mehrmahlen Anschläge auf das Leben des Kaisers
entdeckt worden. Ein Manifest, das der, freylich
gar schwache, Monarch (der funfzehnte Sohn des

[1167]
ehrwürdigen Kien-long) bey dem letzten Vorfall der
Art ergehen ließ, ist besonders der Klugheit wegen
merkwürdig, welche man darin entdeckt, um auf eine
feine und anständige Art sich aus einer übeln Sache
zu ziehen. Ueberhaupt erscheinen die von Manchen
so hoch gepriesenen Schinesen auch hier in gar kei-
nem günstigen Lichte. Die gleichgültige Unthätigkeit
der Polizey z.E. bey Feuersbrünsten oder bey Typho-
nen (wodurch noch erst wenige Wochen vor des Hrn.
v. Kr. Ankunft inMacao auf 10,000 Menschen auf
demTigris umgekommen seyn sollen) ist
schaudervoll.
Die von Dr. Pierson, Arzt bey der Engl. Factorey,
nun inSchina eingeführte Vaccination wird zwar
von der Regierung tolerirt, aber ohne daß sie einen
Schritt thäte, ihren Eingang zu befördern. Auch
waren die Schinesischen Aerzte ganz dagegen einge-
nommen, ungeachtet dieses so wohlthätige Heilmit-
tel auch dort einheimisch ist, da man es inNankin ,
so wie inEuropa , an den Füßen der dasigen Kühe
gefunden hat. – Daß der Kindermord inSchina
allgemein geduldet wird, ist eine unbezweifelte That-
sache. BeyWhampoa sah man häufig todte Kinder
den Fluß herunter treiben. InPeking allein
sollen
ihrer jährlich wohl auf 9000 umgebracht werden.
(– Eine schreckliche Instanz gegen Dav. Hume’s
abenteuerliches Paradoxon, der die Erlaubtheit des
Kindermordes für ein Beförderungsmittel der Be-
völkerung ausgab! –) – Die Beharrlichkeit der
Christlichen Missionäre in ihrer Bekehrungssucht ist
bey den gar unbedeutenden Progressen, die sie seit
länger als zwey Jahrhunderten darin gemacht, aller-
dings zum Verwundern. Jetzt steht ihre ganze dor-
tige Existenz auf sehr schwachen Füßen, da der Kai-
ser ein heftiges Manifest wider sie und ihre Lehre er-
lassen, worin Manches von der letztern, wie z.B.
nahmentlich die Legende von der heil. Ursula, lächer-
Art ergehen ließ, ist besonders der Klugheit wegen
merkwürdig, welche man darin entdeckt, um auf eine
feine und anständige Art sich aus einer übeln Sache
zu ziehen. Ueberhaupt erscheinen die von Manchen
so hoch gepriesenen Schinesen auch hier in gar kei-
nem günstigen Lichte. Die gleichgültige Unthätigkeit
der Polizey z.E. bey Feuersbrünsten oder bey Typho-
nen (wodurch noch erst wenige Wochen vor des Hrn.
v. Kr. Ankunft in
dem
Die von Dr. Pierson, Arzt bey der Engl. Factorey,
nun in
von der Regierung tolerirt, aber ohne daß sie einen
Schritt thäte, ihren Eingang zu befördern. Auch
waren die Schinesischen Aerzte ganz dagegen einge-
nommen, ungeachtet dieses so wohlthätige Heilmit-
tel auch dort einheimisch ist, da man es in
so wie in
gefunden hat. – Daß der Kindermord in
allgemein geduldet wird, ist eine unbezweifelte That-
sache. Bey
den Fluß herunter treiben. In
ihrer jährlich wohl auf 9000 umgebracht werden.
(– Eine schreckliche Instanz gegen Dav. Hume’s
abenteuerliches Paradoxon, der die Erlaubtheit des
Kindermordes für ein Beförderungsmittel der Be-
völkerung ausgab! –) – Die Beharrlichkeit der
Christlichen Missionäre in ihrer Bekehrungssucht ist
bey den gar unbedeutenden Progressen, die sie seit
länger als zwey Jahrhunderten darin gemacht, aller-
dings zum Verwundern. Jetzt steht ihre ganze dor-
tige Existenz auf sehr schwachen Füßen, da der Kai-
ser ein heftiges Manifest wider sie und ihre Lehre er-
lassen, worin Manches von der letztern, wie z.B.
nahmentlich die Legende von der heil. Ursula, lächer-

[1168]
lich gemacht wird. In diesem
sowohl, als in dem
obgedachten, bedient er sich des Gleichnisses von ei-
nem tollen Hunde. – Aus gar manchen characteri-
stischen Zügen lernt man auch hier die Schinesische
Regierungsverwaltung als ein trotziges und verzag-
tes Ding kennen, worein sich aber zumahl die dorti-
gen Engländer gar gut zu finden wissen. Um z.B.
eine Forderung von 80,000 Pf.Sterl. vom Vicekö-
nig zuCanton einzutreiben, war eine Engl. Brigg,
trotz des strengen Verbotes in den Schinesischen Ge-
setzen, dieBocca
Tigris zu passiren, mir nichts dir
nichts und ohne Lootsen, durch die Titularbatterien
derselben durchgedrungen, und der Capitain zeigte
den Mandarinen, die sich zu ihm an Bord begaben,
auf ihre Frage, worin die Ladung seines Schiffs be-
stehe, statt aller Antwort eine Kanonenkugel; –
eine Pantomime, welche die Herren so expressiv und
bedeutungsvoll fanden, daß sie sich Hals über Kopf
wieder von dannen verfügten. – Viel neue und in-
teressante Notizen über die Statistik vonSchina ,
Schifffahrt und Handel der Europäischen Nationen
und desAmericanischen Freystaats
dahin, müssen wir
hier übergehen. Nahmentlich viel Merkwürdiges
über den Theehandel und die mächtige Consumtion
dieser auch statistisch so wichtig gewordenen Blätter. –
Auch über den Aufenthalt aufSt. Helena , wo Hr. von
Kr., wie obgedacht, auf der Heimreise einlief.
obgedachten, bedient er sich des Gleichnisses von ei-
nem tollen Hunde. – Aus gar manchen characteri-
stischen Zügen lernt man auch hier die Schinesische
Regierungsverwaltung als ein trotziges und verzag-
tes Ding kennen, worein sich aber zumahl die dorti-
gen Engländer gar gut zu finden wissen. Um z.B.
eine Forderung von 80,000 Pf.Sterl. vom Vicekö-
nig zu
trotz des strengen Verbotes in den Schinesischen Ge-
setzen, die
nichts und ohne Lootsen, durch die Titularbatterien
derselben durchgedrungen, und der Capitain zeigte
den Mandarinen, die sich zu ihm an Bord begaben,
auf ihre Frage, worin die Ladung seines Schiffs be-
stehe, statt aller Antwort eine Kanonenkugel; –
eine Pantomime, welche die Herren so expressiv und
bedeutungsvoll fanden, daß sie sich Hals über Kopf
wieder von dannen verfügten. – Viel neue und in-
teressante Notizen über die Statistik von
Schifffahrt und Handel der Europäischen Nationen
und des
hier übergehen. Nahmentlich viel Merkwürdiges
über den Theehandel und die mächtige Consumtion
dieser auch statistisch so wichtig gewordenen Blätter. –
Auch über den Aufenthalt auf
Kr., wie obgedacht, auf der Heimreise einlief.
So kam der um sein Vaterland und um die Wis-
senschaften hochverdiente Mann nach einer Abwesen-
heit von drey Jahren und 12 Tagen den19. August
1806 in den Hafen
von Cronstadt zurück, unter
an-
dern auch mit der großen Satisfaction, auf dieser so
wichtigen, lehrreichen, aber auch theils sehr gefahr-
vollen, Weltreise nicht Einen Mann, nicht Einen
Mast, nicht Einen Anker, verloren zu haben.
senschaften hochverdiente Mann nach einer Abwesen-
heit von drey Jahren und 12 Tagen den
1806
dern auch mit der großen Satisfaction, auf dieser so
wichtigen, lehrreichen, aber auch theils sehr gefahr-
vollen, Weltreise nicht Einen Mann, nicht Einen
Mast, nicht Einen Anker, verloren zu haben.

Digitalisat/18