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Allgemeine
Verfasset
Weimar ,
im Verlage des Industrie-Comptoirs
1798 .

1.
Beschluss der fernern Nachrichten von Park’s Reisen
Göttingen den 5.
Jul. 1798 .









[titlePage_recto]
Allgemeine
Geographische
EPHEMERIDEN.
Verfasset
von
einer Gesellschaft Gelehrten
und
herausgegeben
von
F. von Zach,
H.S.G. Obristwachtmeister und Director der herzoglichen
Sternwarte Seeberg bey Gotha .
Zweyter Band.
im Verlage des Industrie-Comptoirs

[titlePage_recto]

[158]
1.
Aus einem Schreiben des
Hofr. Blumenbach.
Beschluss der fernern Nachrichten von Park’s Reisen
nach dem Innern von Afrika .
Zwey Tage musste Park in
dem Dorfe bey Sego auf Bescheid
vom Könige vonBambara warten,
weil, wie er indess erfuhr,
die dasigen Mauren über seine Ankunft sehr argwöhnisch wa-
ren, und desshalb häufige Berathschlagungen mit dem Kö-
nige hielten. Am dritten Tage endlich kam der Bothe wieder,
mit dem Bedeuten, dass er sich aus der Gegend vonSego
entfernen müsse. Zugleich aber gab er ihm, im Namen des
Königs, ein Geschenk von 5000 Otterköpfchen*)
ris, um damit seine Bedürfnisse auf der Reise bestreiten zu
können. Auch erbot er sich, auf Befehl des Königs, ihn,
wenn er anders darauf bestehe, nachJenné zu
gehen, bis
Sansanding als Wegweiser zu
begleiten.
vom Könige von
die dasigen Mauren über seine Ankunft sehr argwöhnisch wa-
ren, und desshalb häufige Berathschlagungen mit dem Kö-
nige hielten. Am dritten Tage endlich kam der Bothe wieder,
mit dem Bedeuten, dass er sich aus der Gegend von
entfernen müsse. Zugleich aber gab er ihm, im Namen des
Königs, ein Geschenk von 5000 Otterköpfchen*)
*)
oder Kau-Otterköpfchen oder Schlangenköpfchen,
die allgemein bekannten
kleinen gelblichweissen Schneckenhäuser der Cypraea moneta , die
in manchen Gegenden vonIndien so wie im Innern
von Afrika
als
Scheidemünze cursiren, auch von den Brahmanen als Rechenpfen-
nige gebraucht werden.
kleinen gelblichweissen Schneckenhäuser der Cypraea moneta , die
in manchen Gegenden von
Scheidemünze cursiren, auch von den Brahmanen als Rechenpfen-
nige gebraucht werden.
Ausführliche Nachricht
über die Fischerey und den Preis derselben
etc. gibtHofr.
Beckmann in seiner Vorbereitung zur
Waarenkunde
1. B. 3. St. S. 350 u. f. Park konnte mit 100 Stück derselben täg-
lich die Kosten des Unterhalts für sich und sein Pferd bestreiten.
etc. gibt
1. B. 3. St. S. 350 u. f.
lich die Kosten des Unterhalts für sich und sein Pferd bestreiten.
ris, um damit seine Bedürfnisse auf der Reise bestreiten zu
können. Auch erbot er sich, auf Befehl des Königs, ihn,
wenn er anders darauf bestehe, nach
Sie brachen also zusammen auf, und kamen zunächst
nachKabba , einer ansehnlichen Stadt in einer so
reizenden
und höchstcultivirten Gegend, dass P., wie er sich ausdrückt,
nach
und höchstcultivirten Gegend, dass P., wie er sich ausdrückt,

[159]
eher mitten nach England als ins Herz von Afrika versetzt zu
seyn glaubte. Er kam hier gerade zur Butter-Erndte, da ei-
ne unsägliche Menge Früchte vom Butterbaume eingesammelt
wurden. Der Baum selbst ähnelt einer Amerikanischen Eiche;
und die Frucht, aus deren Kern die Butter gesotten wird,
einer Olive. Die Butter selbst ist, ausserdem dass sie sich un-
gesalzen über Jahr und Tag hält, weisser, fester und schmack-
hafter, als die beste Kuhbutter, die P. je genossen hat. Sie
macht einen der wichtigsten Handelsartikel fürs Binnenland
jener Gegenden aus.
seyn glaubte. Er kam hier gerade zur Butter-Erndte, da ei-
ne unsägliche Menge Früchte vom Butterbaume eingesammelt
wurden. Der Baum selbst ähnelt einer Amerikanischen Eiche;
und die Frucht, aus deren Kern die Butter gesotten wird,
einer Olive. Die Butter selbst ist, ausserdem dass sie sich un-
gesalzen über Jahr und Tag hält, weisser, fester und schmack-
hafter, als die beste Kuhbutter, die P. je genossen hat. Sie
macht einen der wichtigsten Handelsartikel fürs Binnenland
jener Gegenden aus.
Am Abend des folgenden Tages erreichte P.Sansanding ,
einen grossen Handelsort amNiger , den vorzüglich die Mau-
ren besuchen, um Steinsalz gegen Baumbutter und Goldstaub
umzusetzen. Sobald diese unsern Reisenden gewahr wurden,
verfolgten sie ihn mit Geschrey ins Haus des Stadt-Schult-
heissen (Dooty ) eines freundlichen Negers, der ihn in
Schutz nahm, doch den argwöhnischen erbitterten Mauren
versprach, dass er morgenden Tags wieder fort solle, und,
um nur die Zudringlichkeit der neugierigen Menge zu be-
friedigen, seinen Gast auf einen erhabenen Sitz am Eingang
einer Moschee sitzen liess, wo er eine geraume Zeit den
Schmähungen der aufgebrachten Mauren ausgesetzt war, nach-
her aber von dem schwarzen Schultheissen, der ihm zu Liebe
ein Schaf geschlachtet hatte, aufs gastfreundlichste bewirthet
ward.
einen grossen Handelsort am
ren besuchen, um Steinsalz gegen Baumbutter und Goldstaub
umzusetzen. Sobald diese unsern Reisenden gewahr wurden,
verfolgten sie ihn mit Geschrey ins Haus des Stadt-Schult-
heissen (Dooty ) eines freundlichen Negers, der ihn in
Schutz nahm, doch den argwöhnischen erbitterten Mauren
versprach, dass er morgenden Tags wieder fort solle, und,
um nur die Zudringlichkeit der neugierigen Menge zu be-
friedigen, seinen Gast auf einen erhabenen Sitz am Eingang
einer Moschee sitzen liess, wo er eine geraume Zeit den
Schmähungen der aufgebrachten Mauren ausgesetzt war, nach-
her aber von dem schwarzen Schultheissen, der ihm zu Liebe
ein Schaf geschlachtet hatte, aufs gastfreundlichste bewirthet
ward.
Auf der nächsten Tagereise musste P. seinen Gaul, der ge-
stürzt, und ohnehin nur noch wie Haut und Knochen war,
unterwegs liegen lassen. Endlich kam er nachSilla , einer
grossen Stadt am südlichen Ufer desNiger , fand aber da eine
so ungünstige Aufnahme, dass er nur mit Mühe ein Nachtla-
ger erhalten konnte, und sah überhaupt nun vollkommen be-
stätigt, was ihm schon seit seinem Aufbruche vonSego von
den biedern Negern war vorhergesagt worden, dass es für
ihn so gut wie unmöglich seyn würde, lebendig nachTom-
buctoo , das ganz in der
Herrschaft der Mauren sey, zu ge-
langen. – Die Ueberlegung, dass dann mit seinem Leben
stürzt, und ohnehin nur noch wie Haut und Knochen war,
unterwegs liegen lassen. Endlich kam er nach
grossen Stadt am südlichen Ufer des
so ungünstige Aufnahme, dass er nur mit Mühe ein Nachtla-
ger erhalten konnte, und sah überhaupt nun vollkommen be-
stätigt, was ihm schon seit seinem Aufbruche von
den biedern Negern war vorhergesagt worden, dass es für
ihn so gut wie unmöglich seyn würde, lebendig nach
buctoo
langen. – Die Ueberlegung, dass dann mit seinem Leben

[160]
auch alle Früchte seiner ganzen Sendung verloren gehen
wür-
den, mussten ihn also zum Rückzuge bestimmen. Doch nahm
er sich sogleich vor, dabey einen andern Weg einzuschlagen,
um dadurch desto mehr zur Aufklärung der Erdkunde jener
unbekannten Weltgegenden beyzutragen: er hat auch erst noch
folgende Nachrichten vom fernern östlichen Laufe desNiger’s
eingesammelt.
den, mussten ihn also zum Rückzuge bestimmen. Doch nahm
er sich sogleich vor, dabey einen andern Weg einzuschlagen,
um dadurch desto mehr zur Aufklärung der Erdkunde jener
unbekannten Weltgegenden beyzutragen: er hat auch erst noch
folgende Nachrichten vom fernern östlichen Laufe des
eingesammelt.
Vier Tagereisen von Silla ergiesst sich dieser
Strom in ei-
nen beträchtlichen Land-See, der doch so gross ist, dass die
Boote, die ihn von Westen nach Osten befahren, unterwegs
einen Tag lang die Ufer aus den Augen verlieren. Aus die-
sem See läuft er östlich in zwey Armen heraus, die sich bey
Kabra , eine Tagereise von Tombuctoo , wieder vereinigen,
und da den Hafen für diese mächtig grosse Stadt bilden. Am
nördlichen jener beyden Arme liegtDownie , ein Ort, wo
treffliche irdene Waare verfertigt wird; unglasurt, übrigens
aber von ausnehmender Güte. VonKabra läuft der Niger
eilf Tagereisen weit genHoussa zu, das aber selbst noch
zwey
Tagereisen weit von diesem Strome entfernt liegt. Sein übri-
ger Lauf ist noch nicht zuverlässig bekannt.
nen beträchtlichen Land-See, der doch so gross ist, dass die
Boote, die ihn von Westen nach Osten befahren, unterwegs
einen Tag lang die Ufer aus den Augen verlieren. Aus die-
sem See läuft er östlich in zwey Armen heraus, die sich bey
und da den Hafen für diese mächtig grosse Stadt bilden. Am
nördlichen jener beyden Arme liegt
treffliche irdene Waare verfertigt wird; unglasurt, übrigens
aber von ausnehmender Güte. Von
eilf Tagereisen weit gen
Tagereisen weit von diesem Strome entfernt liegt. Sein übri-
ger Lauf ist noch nicht zuverlässig bekannt.
Von den drey Hauptstädten, Jenné , Tombuctoo und Hous-
sa , die an
jenen Ufern oder doch in der Nähe derselben lie-
gen, soll letzte die grösste seyn. Sowol nachHoussa als nach
Tombuctoo kommen oft Karavanen von den
Ländern am Mit-
telländischen Meere , die mit Europäischen und andern Waa-
ren überFezzan durch die Wüste dahin gelangen.
Durch
eine derselben erfuhr man in diesem fernen Afrikanischen
Binnenlande die Nachricht, dass die Franzosen imOct. 95
den Englischen Convoy auf demMittelländischen Meere ge-
nommen hatten.
sa
gen, soll letzte die grösste seyn. Sowol nach
telländischen Meere
ren über
eine derselben erfuhr man in diesem fernen Afrikanischen
Binnenlande die Nachricht, dass die Franzosen im
den Englischen Convoy auf dem
nommen hatten.
Am 3. Aug. 96 machte sich also P. von Silla auf
den
Rückweg, und hatte das seltene Glück, seinen Gaul wieder
zu finden, der sich in der Zwischenzeit merklich erholt hatte.
BisSego hielt er sich
an denselben Weg, den er hinwärts
genommen hatte, dann aber verliess er ihn und verfolgte da-
gegen denNiger stromaufwärts
durchs Königreich Bambara
Rückweg, und hatte das seltene Glück, seinen Gaul wieder
zu finden, der sich in der Zwischenzeit merklich erholt hatte.
Bis
genommen hatte, dann aber verliess er ihn und verfolgte da-
gegen den

[161]
bis zur Gränzstadt Bammakoo . Die Reise ward
ihm, zumahl
durch die heftigen tropischen Regengüsse sehr erschwert. Sei-
nen täglichen Unterhalt bekam er meist von dem Schultheiss
jedes Orts, durch welchen ihn sein Weg führte; denn es
scheint in jenen Gegenden die Amtspflicht dieser Magistrats-
person zu seyn, bedürftigen Reisenden zu essen zu schaffen;
und es wird bey diesen gastfreundlichen Negervölkern für
schändlich gehalten, des Königs Fremdling – wie es heisst –
ungegessen von dannen zu lassen. Viele nahmen gar nichts
für ihre Bewirthung. Andern bezahlte P. seine Zeche mit
den vom König vonBambara erhaltenen Otterköpfchen.
Man-
chen aber vergalt er ihre Gastfreundschaft auf eine andere sehr
sonderbare Weise. Bekanntlich halten doch die Neger gar viel
auf ihre sogenannten Saphies , nämlich vermeinte Amulete,
die ihnen von den Mauren verkauft werden, und hauptsäch-
lich aus einem Zettel mit einer Stelle des Korans bestehen.
Der gutherzige Stadt-Schultheiss zuSansanding
äusserte
tungsvollste, das er zu geben wusste, – das Vaterunser. Er
schriebs mittelst eines Schilfrohrs mit Kohlenstaub, den er mit
Gummiwasser anmachte, auf ein dünnes Bretchen; und fand
bald auf seiner weitern Reise, dass das für die gutmüthigen
Neger die allerwillkommenste Vergeltung war, die er ihnen
nur hätte bieten können.
durch die heftigen tropischen Regengüsse sehr erschwert. Sei-
nen täglichen Unterhalt bekam er meist von dem Schultheiss
jedes Orts, durch welchen ihn sein Weg führte; denn es
scheint in jenen Gegenden die Amtspflicht dieser Magistrats-
person zu seyn, bedürftigen Reisenden zu essen zu schaffen;
und es wird bey diesen gastfreundlichen Negervölkern für
schändlich gehalten, des Königs Fremdling – wie es heisst –
ungegessen von dannen zu lassen. Viele nahmen gar nichts
für ihre Bewirthung. Andern bezahlte P. seine Zeche mit
den vom König von
chen aber vergalt er ihre Gastfreundschaft auf eine andere sehr
sonderbare Weise. Bekanntlich halten doch die Neger gar viel
auf ihre sogenannten Saphies , nämlich vermeinte Amulete,
die ihnen von den Mauren verkauft werden, und hauptsäch-
lich aus einem Zettel mit einer Stelle des Korans bestehen.
Der gutherzige Stadt-Schultheiss zu
“dass, wenn ein Saphie von einem Mauren schon kräftig sey,; und P. gab ihm daher auf sein Ersuchen das bedeu-
eins von einem Blanken gewiss noch weit kräftiger seyn
müsse”
tungsvollste, das er zu geben wusste, – das Vaterunser. Er
schriebs mittelst eines Schilfrohrs mit Kohlenstaub, den er mit
Gummiwasser anmachte, auf ein dünnes Bretchen; und fand
bald auf seiner weitern Reise, dass das für die gutmüthigen
Neger die allerwillkommenste Vergeltung war, die er ihnen
nur hätte bieten können.
Der Niger , der bey Bammakoo aufhört schiffbar zu
seyn,
entspringt sechs Tagereisen davon bey dem DorfeSankari in
den Hochländern vonJallonkondoo ungefähr unter der gleichen
Breite (von 11°) mit den Quellen desSenegal’s und des Gam-
bia : und zwar der Niger unter 7° westl. Länge von Green-
wich ; der Senegal unter 8°,
und der Gambia unter 10°. Der
letzte ist unter dem 12° dieser Länge nur vier Tagereisen weit
vomRio Grande
entfernt.
entspringt sechs Tagereisen davon bey dem Dorfe
den Hochländern von
Breite (von 11°) mit den Quellen des
bia
wich
letzte ist unter dem 12° dieser Länge nur vier Tagereisen weit
vom
Aus dem Königreich Bambara kam P. nun in die Republik
Manding . – Schon
im Dorfe Wonda ward er unpass
und

[162]
musste
einige Tage bey einem freundlichen Neger liegen blei-
ben, dem er zum Dank für seine Wartung seinen Gaul schenk-
te, der freylich ohnehin kaum mehr von der Stelle konnte.
ben, dem er zum Dank für seine Wartung seinen Gaul schenk-
te, der freylich ohnehin kaum mehr von der Stelle konnte.
Weiter hin in Kamalia , (das doch noch über
hundert
Deutsche Meilen weit vonPisania ,
dem Wohnort des Dr.
Laidley, von wannen P. abgereist war, entlegen ist) befiel
ihn ein gefährliches Fieber, woran er einen Monat lang dar-
nieder lag. Zum Glück befand er sich wieder im Hause eines
wackern Negers, der seiner mit der theilnehmendsten Sorg-
falt pflegte; und da man in einigen Monaten eine Karavane
daselbst erwartete, die unter eben dieses braven Schwarzen
Anführung nachPisania
gehen sollte, so entschloss er sich,
diese abzuwarten: musste aber darüber ein volles halbes
Jahr inKamalia
verweilen. Er hatte seinem treuen Neger-
wirth versprochen, ihm, wenn er ihn mit der Karavane bis
Pisania
brächte, daselbst den Werth eines Sclaven zur Beloh-
nung zu zahlen; und bedauert nur, dass er nachher diesem
würdigen Mann, dem er sein Leben und den erwünschten
Ausgang seiner Sendung zu verdanken hat, bey seiner glück-
lichen Ankunft daselbst, nicht mehr als nur noch einmahl so
viel, als er ihm verheissen hatte, zur Erkenntlichkeit zu geben
im Stande war.
Deutsche Meilen weit von
Laidley, von wannen P. abgereist war, entlegen ist) befiel
ihn ein gefährliches Fieber, woran er einen Monat lang dar-
nieder lag. Zum Glück befand er sich wieder im Hause eines
wackern Negers, der seiner mit der theilnehmendsten Sorg-
falt pflegte; und da man in einigen Monaten eine Karavane
daselbst erwartete, die unter eben dieses braven Schwarzen
Anführung nach
diese abzuwarten: musste aber darüber ein volles halbes
Jahr in
wirth versprochen, ihm, wenn er ihn mit der Karavane bis
nung zu zahlen; und bedauert nur, dass er nachher diesem
würdigen Mann, dem er sein Leben und den erwünschten
Ausgang seiner Sendung zu verdanken hat, bey seiner glück-
lichen Ankunft daselbst, nicht mehr als nur noch einmahl so
viel, als er ihm verheissen hatte, zur Erkenntlichkeit zu geben
im Stande war.
Die Karavane, die aus 70 Personen bestand, wovon un-
gefähr die Hälfte Sclaven waren, brach zu EndeApril 97 un-
ter des trefflichen Negers Anführung vonKamalia auf, und
den10.
Jul. kam endlich P. mit Gefühlen, die freylich allen
Ausdruck übersteigen, in der Wohnung seines Freundes Laid-
ley zuPisania
an. Schon den 15. ging er von da mit
einem
Sclavenschiff nachWest-Indien , und kam von Antigua den
25. Dec. glücklich nach London zurück!
gefähr die Hälfte Sclaven waren, brach zu Ende
ter des trefflichen Negers Anführung von
den
Ausdruck übersteigen, in der Wohnung seines Freundes Laid-
ley zu
Sclavenschiff nach
Nun noch einige von den Bemerkungen, die Park auf
sei-
nen unterhörten Wanderungen in der Afrikanischen Terra in-
cognita , besonders während seines halbjährigen Aufenthalts in
Kamalia zu machen Gelegenheit gehabt.
nen unterhörten Wanderungen in der Afrikanischen Terra in-
cognita , besonders während seines halbjährigen Aufenthalts in
Kamalia zu machen Gelegenheit gehabt.
Die Hitze war in dem nördlichern Landstrich, den er
auf
der Hinreise nachSilla durchzogen
hat, da wo er an die Sand-
der Hinreise nach

[163]
wüsten anstösst, zumahl beym Ost- und Nordost-Wind
fast
unerträglich. Im Lager zuBenowm konnten
selbst die Neger-
Sclaven wegen des brennenden Bodens nicht barfuss und ohne
ihre Sandalien nur von einem Zelte zum andern gehen. Die
Mauren lagen am Tage in ihren Zelten ausgestreckt, und
wenn P. in seiner Hütte die Hand vor die Ritzen der Wände
hielt, so wars, als ob sie von der brennendheissen Zugluft ver-
sengt würde! – In den südlichern Strichen, die mit Wald
und Wasser versehen sind, wird das Clima schön. Besonders
sind die Morgen und Abende heiter, mild und angenehm.
unerträglich. Im Lager zu
Sclaven wegen des brennenden Bodens nicht barfuss und ohne
ihre Sandalien nur von einem Zelte zum andern gehen. Die
Mauren lagen am Tage in ihren Zelten ausgestreckt, und
wenn P. in seiner Hütte die Hand vor die Ritzen der Wände
hielt, so wars, als ob sie von der brennendheissen Zugluft ver-
sengt würde! – In den südlichern Strichen, die mit Wald
und Wasser versehen sind, wird das Clima schön. Besonders
sind die Morgen und Abende heiter, mild und angenehm.
Die Regenzeit dauert unter beständigem
Südwest-Wind
vier Sommer-Monate hindurch vom Ende des Junius bis in
den October. Während der Zeit ist das Land überschwemmt
und vor und nach den Regengüssen stürmen heftige Winde.
vier Sommer-Monate hindurch vom Ende des Junius bis in
den October. Während der Zeit ist das Land überschwemmt
und vor und nach den Regengüssen stürmen heftige Winde.
Ausser dem Butterbaum ist eins der wichtigsten Gewächse
für jene Negerländer der bey den Alten als die Nahrung der
Lotophagen so hochberühmte Lotus, ein dorniger Busch aus
dem Kreuzdorn-Geschlechte (Rhamnus ), der eine gelbe meh-
lige Beere von der Grösse einer Olive trägt, woraus die Ein-
wohner durchgehends eine ausnehmende Art von Pfefferku-
chen backen, und theils auch ein sehr schmackhaftes Getränk
bereiten.
für jene Negerländer der bey den Alten als die Nahrung der
Lotophagen so hochberühmte Lotus, ein dorniger Busch aus
dem Kreuzdorn-Geschlechte (Rhamnus ), der eine gelbe meh-
lige Beere von der Grösse einer Olive trägt, woraus die Ein-
wohner durchgehends eine ausnehmende Art von Pfefferku-
chen backen, und theils auch ein sehr schmackhaftes Getränk
bereiten.
Aus einer Art ihres Wälschen Korns, das ordentlich ge-
mälzt wird, verfertigen die Neger ein ganz vortreffliches
Bier, das P. dem besten Englischen Doppelbier (strong beer )
an Güte vollkommen gleich fand.
mälzt wird, verfertigen die Neger ein ganz vortreffliches
Bier, das P. dem besten Englischen Doppelbier (strong beer )
an Güte vollkommen gleich fand.
Ihre schöne und dauerhafte Indigfarbe bereiten sie auf
eine
sehr einfache Weise, indem sie nur die Blätter der Indig-
pflanzen zerstampfen und mit Aschenlauge mischen, der sie
zuweilen auch Harn zusetzen.
sehr einfache Weise, indem sie nur die Blätter der Indig-
pflanzen zerstampfen und mit Aschenlauge mischen, der sie
zuweilen auch Harn zusetzen.
Die Schaf- und Ziegen-Felle
gerben sie, und färben die-
selben sehr dauerhaft gelb und roth.
selben sehr dauerhaft gelb und roth.
Im Binnenlande schmelzen sie einen reichhaltigen Eisen-
stein, der sich sehr häufig daselbst findet, in einem sehr ein-
fachen und doch zweckmässigen Ofen, und schmieden ihre
stein, der sich sehr häufig daselbst findet, in einem sehr ein-
fachen und doch zweckmässigen Ofen, und schmieden ihre

[164]
Lanzenschäfte, Messer, Säbel, Hacken, Beile etc. daraus. –
Nur Schiessgewehr verstehen sie noch nicht zu verfertigen.
Nur Schiessgewehr verstehen sie noch nicht zu verfertigen.
Am auffallendsten aber ist ihre ausnehmende Kunstfertig-
keit in feiner Goldschmied-Arbeit. Sie verfertigen ihre Arm-
bänder, Ohrgehänge, Halsschmuck etc. mit einem solchen
Geschmack und Mannigfaltigkeit eleganter Formen, dass sie
die Bewunderung der besten Künstler in Europa erregen müss-
ten.
keit in feiner Goldschmied-Arbeit. Sie verfertigen ihre Arm-
bänder, Ohrgehänge, Halsschmuck etc. mit einem solchen
Geschmack und Mannigfaltigkeit eleganter Formen, dass sie
die Bewunderung der besten Künstler in Europa erregen müss-
ten.
Das ganze innere Afrika ist, wie
es scheint, in kleine
Reiche und Staaten zertheilt, die häufig mit einander in
Krieg verwickelt sind. Diese Kriege werden zwar oft, aber
doch nicht ausschliesslich, durch das Interesse für den Scla-
venhandel der Europäer veranlasst. Und manchem schwarzen
Kriegsgefangnen rettet doch auch dieser an sich so scheussliche
und so schändliche Menschenhandel in so fern das Leben,
dass er ausserdem von der siegenden Partey wäre niederge-
hauen worden. So erzählt z. B. P. dass in einem Kriege des
Königs vonKaarta mit dem von Kasson dieser letzte die Ge-
fangenen, die er machte, mit der Karavane nachFort Louis
schickte, um sie an die Franzosen zu verkaufen, da jener hin-
gegen, der das für knickerhaft und niedrig hielt, alle Kasso-
ner, die ihm in die Hände fielen, sogleich umbringen liess.
Reiche und Staaten zertheilt, die häufig mit einander in
Krieg verwickelt sind. Diese Kriege werden zwar oft, aber
doch nicht ausschliesslich, durch das Interesse für den Scla-
venhandel der Europäer veranlasst. Und manchem schwarzen
Kriegsgefangnen rettet doch auch dieser an sich so scheussliche
und so schändliche Menschenhandel in so fern das Leben,
dass er ausserdem von der siegenden Partey wäre niederge-
hauen worden. So erzählt z. B. P. dass in einem Kriege des
Königs von
fangenen, die er machte, mit der Karavane nach
schickte, um sie an die Franzosen zu verkaufen, da jener hin-
gegen, der das für knickerhaft und niedrig hielt, alle Kasso-
ner, die ihm in die Hände fielen, sogleich umbringen liess.
Zu den Mitteln, wodurch die Mauren ihre Religion im-
mer mehr unter die heidnischen Neger zu verbreiten suchen,
gehören namentlich auch ihre Schulen, die sie häufig unter
denselben anlegen, und worin sie den Kindern der Schwar-
zen mit dem Lesen zugleich auch die Satzungen des Korans
beybringen.
mer mehr unter die heidnischen Neger zu verbreiten suchen,
gehören namentlich auch ihre Schulen, die sie häufig unter
denselben anlegen, und worin sie den Kindern der Schwar-
zen mit dem Lesen zugleich auch die Satzungen des Korans
beybringen.
Die Beschneidung ist übrigens, wie bekannt, auch
unter
vielen heidnischen Negervölkern üblich. Bey manchen,
wie z. B. den Joloffs ist sie nur aufs männliche Geschlecht
eingeschränkt; bey andern aber, wie bey den Mandingos
werden auch die Mädchen, wenn sie in die Jahre der Reife
treten, beschnitten*)
vielen heidnischen Negervölkern üblich. Bey manchen,
wie z. B. den Joloffs ist sie nur aufs männliche Geschlecht
eingeschränkt; bey andern aber, wie bey den Mandingos
werden auch die Mädchen, wenn sie in die Jahre der Reife
treten, beschnitten*)
*)
. So viel P. erfahren konnte, sehen sieDie deutlichste
Vorstellung davon gibt die merkwürdige Abbildung
der beschnittenen Geschlechtstheile eines achtzehnjährigen Mädchens,
die der Maler Baurenfeind, Niebuhr’s Reisegefährte, beyKahira
nach der Natur, aber, wie letzter hinzusetzt, mit zitternder Hand,
zu verfertigen, die in ihrer Art einzige Gelegenheit gehabt hat,
und die ich mit Niebuhr’s Erlaubniss in den beyden ersten Ausga-
ben der Schrift de generis humani varietate nativa Tab. II. Fig. 4.
bekannt gemacht habe.
der beschnittenen Geschlechtstheile eines achtzehnjährigen Mädchens,
die der Maler Baurenfeind, Niebuhr’s Reisegefährte, bey
nach der Natur, aber, wie letzter hinzusetzt, mit zitternder Hand,
zu verfertigen, die in ihrer Art einzige Gelegenheit gehabt hat,
und die ich mit Niebuhr’s Erlaubniss in den beyden ersten Ausga-
ben der Schrift de generis humani varietate nativa Tab. II. Fig. 4.
bekannt gemacht habe.

[165]
diese Handlung nicht als einen
religiösen Gebrauch, sondern
als ein physisches Hülfsmittel zur Fruchtbarkeit im Ehestande
an.
als ein physisches Hülfsmittel zur Fruchtbarkeit im Ehestande
an.
***

[[I]]

[[II]]
Digitalisat/12