link
Magazin
herausgegeben
Jena ,
in der akademischen Buchhandlung
1798 .






2.







Försch’s
abentheuerliche Erzählung vom vorgebli-
chen Giftbaum (Boa-upas) auf Java wird daselbst
mit denen inMünchhausens Reisen verglichen,
(– so weit hat sich also die Celebrität dieser, freylich
sehr originellen, Fictionen verbreitet –).










Peckin allein soll ihrer drey Millionen haben.



Kupferstich von Seite 29

[titlePage_recto]
Magazin
für den neuesten Zustand
der
Naturkunde
mit Rücksicht auf die dazu
gehörigen
Hülfswissenschaften
herausgegeben
von
Johann Heinrich
Voigt,
Professor der Mathematik zu Jena und verschiedener
gel.Ges. Mitglied.
Ersten Bandes zweites Stück.
Mit drey Kupfertafeln und einer gedruckten Tafel.
in der akademischen Buchhandlung

[[I]]

[[II]]

[[III]]

[[IV]]

[[V]]

[[VI]]

[17]
2.
Naturhistorische Bemerkungen aus des Baro-
net Staunton Beschreibung der
Gesand-
schaftsreise des Grafen von Macart-
ney nach
Schina *)*)
Sie ist mit großer
typographischer Pracht unter
folgendem Titel erschienen: An authentic Account
of an Embassy from
the King of Great Britain
to the Emperor of China –
Taken chiefly from
the papers of the Earl of Macartney and of other
Gentlemen
of the Embassy. by Sir George Staun-
ton, Secretary of Embassy and
Minister Plenipo-
tentiary. Lond. 1797. Zwey Bände in gr. 4.
mit Kupf. und
außerdem noch ein Band mit Kar-
ten und
Kupfern in Landkarten-Format. .
Sie ist mit großer
typographischer Pracht unter
folgendem Titel erschienen:An authentic Account
of an Embassy from the King of Great Britain
to the Emperor of China – Taken chiefly from
the papers of the Earl of Macartney and of other
Gentlemen of the Embassy. by Sir George Staun-
ton, Secretary of Embassy and Minister Plenipo-
tentiary. Lond. 1797. Zwey Bände in gr. 4.
mit Kupf. und außerdem noch ein Band mit Kar-
ten und Kupfern in Landkarten-Format.
folgendem Titel erschienen:
of an Embassy from the King of Great Britain
to the Emperor of China – Taken chiefly from
the papers of the Earl of Macartney and of other
Gentlemen of the Embassy. by Sir George Staun-
ton, Secretary of Embassy and Minister Plenipo-
tentiary. Lond. 1797. Zwey Bände in gr. 4.
mit Kupf. und außerdem noch ein Band mit Kar-
ten und Kupfern in Landkarten-Format.
Erster Band.
Eine halbwilde Schweinezucht auf Madera .
Die jungen Hausschweine werden nemlich markirt
und dann ins Holz gejagt, wo sie, sich selbst über-
lassen, ihrem Fraß nachgehen, der vorzüglich in Far-
renkraut-Wurzeln besteht. Mit der Zeit werden sie
dann von ihren Eigenthümern wieder aufgetrieben
und eingefangen.
Die jungen Hausschweine werden nemlich markirt
und dann ins Holz gejagt, wo sie, sich selbst über-
lassen, ihrem Fraß nachgehen, der vorzüglich in Far-
renkraut-Wurzeln besteht. Mit der Zeit werden sie
dann von ihren Eigenthümern wieder aufgetrieben
und eingefangen.

[18]
Das Primordialfoßil eines der dasigen Vulkane,
worauf die älteste Lavaschicht ruhte, war Thon-Ei-
senstein. – Glasartige Laven und ächter Bims-
stein fanden sich nicht daselbst. Beyde aber auf dem
Pic von
Teneriffa . Die ganze Bay
von Funchal
scheint offenbar ein Segment eines großen Craters,
dessen übriger Rand in die See versunken war.
worauf die älteste Lavaschicht ruhte, war Thon-Ei-
senstein. – Glasartige Laven und ächter Bims-
stein fanden sich nicht daselbst. Beyde aber auf dem
scheint offenbar ein Segment eines großen Craters,
dessen übriger Rand in die See versunken war.
Auf Teneriffa finden sich jetzt nur noch
wenige
Nachkommen der alten Guanchen, der Ureinwoh-
ner dieser Insel. Einer von ihnen, der einigen der
englischen Reisenden zum Wegweiser auf demPico
diente, war ein großer robuster Mann von festem
Knochenbau, mit stark ausgewirkten Gesichtszügen,
hochgewölbten Augenbraunen, prominirenden Backen-
Knochen, etwas flacher Nase und Lippen fast so stark
als bey den Negern. (– Ihre Haut-Farbe, die
ich hier nicht angegeben finde, ist, wie Glas in der
History
of the Canary Islands versichert,
weißer,
als bey den Spaniern inAndalusien –). Die
wilden Canarienvögel sind graulich mit einigen
gelben Brustfedern, die mit dem Alter zunehmen. –
Ihre Stimme soll noch anmuthiger seyn, als die
von unsern domesticirten.
Nachkommen der alten Guanchen, der Ureinwoh-
ner dieser Insel. Einer von ihnen, der einigen der
englischen Reisenden zum Wegweiser auf dem
diente, war ein großer robuster Mann von festem
Knochenbau, mit stark ausgewirkten Gesichtszügen,
hochgewölbten Augenbraunen, prominirenden Backen-
Knochen, etwas flacher Nase und Lippen fast so stark
als bey den Negern. (– Ihre Haut-Farbe, die
ich hier nicht angegeben finde, ist, wie Glas in der
als bey den Spaniern in
wilden Canarienvögel sind graulich mit einigen
gelben Brustfedern, die mit dem Alter zunehmen. –
Ihre Stimme soll noch anmuthiger seyn, als die
von unsern domesticirten.
Ein Herr Johnstone, der den Pic bestiegen, be-
stimmt die Höhe desselben nach einer geometrischen
Messung auf 2023 Faden (= 12138 engl. Fuß).
stimmt die Höhe desselben nach einer geometrischen
Messung auf 2023 Faden (= 12138 engl. Fuß).

[19]
Die Spitze des Pico ist durch
einen 80 Fuß tie-
fen Kessel ausgehölt, der meist mit Schwefel bedeckt
ist (der mannichfaltigen Schattirungen dieses Schwe-
fels in meiner Sammlung habe ich in derfünften
Ausg. des Handb. der N.G. S. 630 gedacht. –)
An vielen Stellen kann man nicht eine Minute stille
stehn, so schnell dringt die Hitze durch die Schuhso-
len.
fen Kessel ausgehölt, der meist mit Schwefel bedeckt
ist (der mannichfaltigen Schattirungen dieses Schwe-
fels in meiner Sammlung habe ich in der
Ausg. des Handb. der N.G. S. 630
An vielen Stellen kann man nicht eine Minute stille
stehn, so schnell dringt die Hitze durch die Schuhso-
len.
Durch den letzten Ausbruch dieses coloßalischen
Vulcans im J.1704 ist der vormalige schöne Hafen
zuGarrachica so mit vulcanischen
Producten ausge-
füllt worden, daß nun Häuser da stehn, wo vorher
Schiffe vor Anker lagen.
Vulcans im J.
zu
füllt worden, daß nun Häuser da stehn, wo vorher
Schiffe vor Anker lagen.
So fanden unsre Reisende nachher in Ostindien
den ehemaligen Hafen vonBantam nun großen-
theils von Polypen mit ihren Corallen verbaut!
den ehemaligen Hafen von
theils von Polypen mit ihren Corallen verbaut!
Das paradiesische Clima von Teneriffa soll dem
insgemein so gepriesenen vonMadera bey
weitem
vorzuziehen seyn.
insgemein so gepriesenen von
vorzuziehen seyn.
Auf der Capoverd-Insel St.Jago, die ihre
ersten Erfinder, des vielen Regens wegen, pluvialis
genannt hatten, war nun seit drey Jahren fast kein
Tropfen gefallen. (– Gerade an einer eben so lan-
gen schrecklichen Dürre hatte diese Insel gelitten, da
ersten Erfinder, des vielen Regens wegen, pluvialis
genannt hatten, war nun seit drey Jahren fast kein
Tropfen gefallen. (– Gerade an einer eben so lan-
gen schrecklichen Dürre hatte diese Insel gelitten, da

[20]
unser
Hr. von Wurmb im J.1774 . daselbst an-
kam. –) Das Elend und der Mangel, die daraus
entstanden, waren unsäglich. Und doch vegetirten
in diesem ausgedorrten Boden manche dort einheimi-
sche Gewächse aufs üppigste. Unter andern ein Bao-
bab-Baum (Adansonia digitata ) dessen Stamm
56 Fuß im Umfang maß.
kam. –) Das Elend und der Mangel, die daraus
entstanden, waren unsäglich. Und doch vegetirten
in diesem ausgedorrten Boden manche dort einheimi-
sche Gewächse aufs üppigste. Unter andern ein Bao-
bab-Baum (Adansonia digitata ) dessen Stamm
56 Fuß im Umfang maß.
Zu Rio de
Janeiro wird eine Cochenille gezo-
gen, die doch vom Coccus Cacti verschieden seyn
soll. Man wendet aber bey weitem nicht die Sorg-
falt darauf, wie inMexico , folglich ist auch der
Er-
trag ohne Vergleich geringer.
gen, die doch vom Coccus Cacti verschieden seyn
soll. Man wendet aber bey weitem nicht die Sorg-
falt darauf, wie in
trag ohne Vergleich geringer.
An dieser Küste von Brasilien treibt eine pri-
vilegirte Handelsgesellschaft starken Wallfischfang der
wahren Balänen mit Fischbein-Barden.
vilegirte Handelsgesellschaft starken Wallfischfang der
wahren Balänen mit Fischbein-Barden.
Caschelotte hingegen werden mehr auf der Süd-
See gefangen. Ein
englisches Schiff, was von die-
sem Fang von daher zurück kam und inRio de J.
einsprach, hatte 69 dieser köstlichen Ungeheuer auf-
getrieben, die 82800 Thaler werth waren. Im
Durchschnitt nemlich eins auf 1200 Th. gerechnet:
es giebt aber auch mit unter so große, daß eins der-
selben zu sechs tausend Thaler geschätzt werden kann.
See
sem Fang von daher zurück kam und in
einsprach, hatte 69 dieser köstlichen Ungeheuer auf-
getrieben, die 82800 Thaler werth waren. Im
Durchschnitt nemlich eins auf 1200 Th. gerechnet:
es giebt aber auch mit unter so große, daß eins der-
selben zu sechs tausend Thaler geschätzt werden kann.
In den Brasilianischen Demantgruben sollen,
wie hier gesagt wird, auf 10,000 Neger-Sclaven
wie hier gesagt wird, auf 10,000 Neger-Sclaven

[21]
arbeiten. Auch soll neuerlich ein Demant gefunden
wor-
den seyn, größer als irgend einer der bisher bekannten.
den seyn, größer als irgend einer der bisher bekannten.
Da die Benedictiner in Rio bemerkt haben, daß
die Mulatten insgemein fähige offene Köpfe sind,
(endowed with much intelligence and inge-
nuity ) so lassen sie nun manche davon studiren:
und schon hat einer von dieser gemischten Rasse neuer-
lich inLissabon eine Professur erhalten.
die Mulatten insgemein fähige offene Köpfe sind,
(endowed with much intelligence and inge-
nuity ) so lassen sie nun manche davon studiren:
und schon hat einer von dieser gemischten Rasse neuer-
lich in
Die eingebohrnen Brasilianer sind unter Mit-
telstatur, fleischicht, untersetzt, aber dabey flink;
haben wenig Bart und lange (long ) schwarze Au-
gen, deren Blick sowohl, als die übrige Physiogno-
mie dieser Wilden durchaus nichts gemeines, oder
niedriges, oder blödsinniges anzeigt. Im Gegentheil
ist ihr ganzer Ausdruck verständig und bedeutend.
telstatur, fleischicht, untersetzt, aber dabey flink;
haben wenig Bart und lange (long ) schwarze Au-
gen, deren Blick sowohl, als die übrige Physiogno-
mie dieser Wilden durchaus nichts gemeines, oder
niedriges, oder blödsinniges anzeigt. Im Gegentheil
ist ihr ganzer Ausdruck verständig und bedeutend.
Auf der unbewohnten Amsterdam-Insel ,
(ohngefähr in der Mitte zwischen demCap
und der
S.W. Ecke vonNeu-Holland ) fanden die englischen
Reisenden fünf Abentheurer, die, um eine dort
häufige Robengattung zu schlagen, schon seit 5 Mo-
naten da gehaußt hatten, und noch 10 lange Mona-
te daselbst zu verweilen gedachten. Ein Handelsschiff,
das von Amerikanern zuBoston und von Franzosen
aufIsle de France in Compagnie
ausgerüstet worden
war, und wechselsweise bald nachNootka-Sund , und
(ohngefähr in der Mitte zwischen dem
S.W. Ecke von
Reisenden fünf Abentheurer, die, um eine dort
häufige Robengattung zu schlagen, schon seit 5 Mo-
naten da gehaußt hatten, und noch 10 lange Mona-
te daselbst zu verweilen gedachten. Ein Handelsschiff,
das von Amerikanern zu
auf
war, und wechselsweise bald nach

[22]
bald nach der Amsterdam Insel seegelte, um von
dort See-Otter-Felle, und von hier Robben-Häute
nachSchina zu bringen, hatte sie auf dieser
Insel
zurückgelassen, um in den gedachten 15 Monaten
25,000 Häute zusammen zu bringen. Die Englän-
der trafen jenes Schiff nachher beyCanton , und
er-
klärten es, da sie indeß Nachricht von dem zwischen
Frankreich
und England ausgebrochnen
Kriege erhal-
ten hatten, für Prise, so, daß jene fünf armen Ein-
siedler nun, wer weiß wie lange, auf ihre Ablösung
werden warten müssen!
dort See-Otter-Felle, und von hier Robben-Häute
nach
zurückgelassen, um in den gedachten 15 Monaten
25,000 Häute zusammen zu bringen. Die Englän-
der trafen jenes Schiff nachher bey
klärten es, da sie indeß Nachricht von dem zwischen
ten hatten, für Prise, so, daß jene fünf armen Ein-
siedler nun, wer weiß wie lange, auf ihre Ablösung
werden warten müssen!
Die Robben-Gattung, derentwegen sie dahin ge-
kommen waren, soll der Linneische See-Bär, und
doch ein Weibchen davon nur höchstens 120 Pfund
schwer und 5 Fuß lang seyn. (– Die von Stel-
ler auf derBeringsinsel bey Kamtschatka beobachtete
und so meisterhaft beschriebne wahre Phoca ursina
wiegt auf 800 Pfund und ist 16 Fuß lang –).
Die Schinesischen Kürschner verstehen diese Felle auf
eine vortrefliche Weise zu bereiten, so, daß sie ihnen
das äußere lange grobe Haar benehmen, und blos
die darunter steckende zarte dichte sammetartige Wolle
stehen lassen.
kommen waren, soll der Linneische See-Bär, und
doch ein Weibchen davon nur höchstens 120 Pfund
schwer und 5 Fuß lang seyn. (– Die von Stel-
ler auf der
und so meisterhaft beschriebne wahre Phoca ursina
wiegt auf 800 Pfund und ist 16 Fuß lang –).
Die Schinesischen Kürschner verstehen diese Felle auf
eine vortrefliche Weise zu bereiten, so, daß sie ihnen
das äußere lange grobe Haar benehmen, und blos
die darunter steckende zarte dichte sammetartige Wolle
stehen lassen.
Siedend heiße Quellen finden sich auf dieser vul-
canischen Insel. Und doch wucherten auf Schlamm,
der das Quecksilber zum Siedpunkt trieb, Marchan-
tien und Lycopodium.
canischen Insel. Und doch wucherten auf Schlamm,
der das Quecksilber zum Siedpunkt trieb, Marchan-
tien und Lycopodium.

[23]
Das benachbarte Gestein enthielt schönen Zeo-
lith.
lith.
Ueberall vulcanische Producte. In den Schich-
ten zu unterst glasartige Lava. Hierauf dichte;
dann schwammichte; hernach die vulcanische Asche,
und zu oberst eine Lage Pflanzen-Erde. Der große
Crater an der Ostseite der Insel übertrift den vom
Aetna oder Vesuv an Größe bey weitem.
ten zu unterst glasartige Lava. Hierauf dichte;
dann schwammichte; hernach die vulcanische Asche,
und zu oberst eine Lage Pflanzen-Erde. Der große
Crater an der Ostseite der Insel übertrift den vom
In Batavia erhielten die Reisenden eine, wie
es
scheint, noch nicht bekannte Gattung des Phasan-Ge-
schlechts. Schwarz, stahlblau schillernd, mit einem
braunrothen Streif um den Leib, der am Rücken ins
Feuerrothe spielt. Am nächsten kommt er dem pha-
sianus curvirostris .
scheint, noch nicht bekannte Gattung des Phasan-Ge-
schlechts. Schwarz, stahlblau schillernd, mit einem
braunrothen Streif um den Leib, der am Rücken ins
Feuerrothe spielt. Am nächsten kommt er dem pha-
sianus curvirostris .
Die Lava, die man dort statt Baustein brauch,
kommt aus dem Innern vonJava , wo sich ein noch
rauchender Crater findet.
kommt aus dem Innern von
rauchender Crater findet.
Auf Banda hat ein Vulcan vor einigen Jahren
große Verwüstung angerichtet, und hätte den Mus-
kat-Nuß-Baum aus der Schöpfung vertilgen können,
den die Holländer aus mercantilem Eigennutz in den
übrigenMolucken ausgerottet, und bloß auf dieser
einen Insel übrig gelaßen haben.
große Verwüstung angerichtet, und hätte den Mus-
kat-Nuß-Baum aus der Schöpfung vertilgen können,
den die Holländer aus mercantilem Eigennutz in den
übrigen
einen Insel übrig gelaßen haben.

[24]
chen Giftbaum (Boa-upas) auf Java
mit denen in
(– so weit hat sich also die Celebrität dieser, freylich
sehr originellen, Fictionen verbreitet –).
Die feinsten, weißen durchscheinenden Indiani-
schen Vogelnester werden von den Schinesen mit Sil-
ber aufgewogen. Die kleine Schwalbe (Hirundo
esculenta ) bringt wohl zwey Monate mit Verferti-
gung dieses Nestchens zu. Dreymal im Jahr wer-
den die Nester aus den Felsen-Klüften und Hölen
von den Javanern eingesammelt, die sich von Kindes-
beinen an in diesem halsbrechenden Geschäffte üben:
und doch büssen viele ihr Leben dabey ein. Ehe sie aufs
Sammlen dieser Nester ausziehen, opfern sie, laßen
sich von ihren Priestern einseegnen etc.
schen Vogelnester werden von den Schinesen mit Sil-
ber aufgewogen. Die kleine Schwalbe (Hirundo
esculenta ) bringt wohl zwey Monate mit Verferti-
gung dieses Nestchens zu. Dreymal im Jahr wer-
den die Nester aus den Felsen-Klüften und Hölen
von den Javanern eingesammelt, die sich von Kindes-
beinen an in diesem halsbrechenden Geschäffte üben:
und doch büssen viele ihr Leben dabey ein. Ehe sie aufs
Sammlen dieser Nester ausziehen, opfern sie, laßen
sich von ihren Priestern einseegnen etc.
In Cochinchina werden Elephanten geschlach-
tet. Doch nur für die Tafeln der Großen.
tet. Doch nur für die Tafeln der Großen.
Bey großer Hungersnoth soll auch dort zuwei-
len Menschenfleisch auf dem Markte feil gewesen seyn.
len Menschenfleisch auf dem Markte feil gewesen seyn.
Melkvieh kennt man gar nicht daselbst. Und auch
inSchina wird
fast keine Milch oder Butter und
Käse genossen.
in
Käse genossen.

[25]
Zur Regenzeit, die sich in Cochinchina in den Herbst-
monaten einstellt, und sich nach dem Mondwechsel zu
richten scheint, strömt das Wasser von den Gebirgen
und überschwemmt das Land, wie derNil Aegypten ,
und macht es dadurch zu einem der fruchtbarsten auf
der Erde.
monaten einstellt, und sich nach dem Mondwechsel zu
richten scheint, strömt das Wasser von den Gebirgen
und überschwemmt das Land, wie der
und macht es dadurch zu einem der fruchtbarsten auf
der Erde.
Nun von Schina selbst:
Genau und umständlich von der Weise, wie die
Schinesen ihren Mädchen in der ersten Kindheit die
Füße einzwängen, um sie so klein als möglich zu erhal-
ten. Die große Zehe bleibt frey, die übrigen viere
aber werden unterwärts geschlagen, und so der Fuß
aufs festeste eingebunden. Wir geben den Lesern hier
die genaue Abbildung eines schönen Schinesischen
Damen-Fußes nach einem vom Leben abgeformten
Gypsabguß zum besten. Taf. II. Solche Füsse sind bey
den Schinesen ein schlechterdings nothwendiges Erfoder-
niß zur weiblichen Schönheit. Ein in allen übrigen
Vorzügen noch so vollkommnes Frauenzimmer, die
aber das Unglück gehabt hätte, daß bey ihrer ersten
Erziehung dieser Fußzwang verabsäumt worden, wäre
eo ipso in ihrer eignen Familie so gut wie verbannt,
durchaus nicht producibel. Nur die ärmste Volks-
klaße ist von diesem Zwange befreyt, und die Man-
schurischen Weiber kennen ihn auch nicht.
Schinesen ihren Mädchen in der ersten Kindheit die
Füße einzwängen, um sie so klein als möglich zu erhal-
ten. Die große Zehe bleibt frey, die übrigen viere
aber werden unterwärts geschlagen, und so der Fuß
aufs festeste eingebunden. Wir geben den Lesern hier
die genaue Abbildung eines schönen Schinesischen
Damen-Fußes nach einem vom Leben abgeformten
Gypsabguß zum besten. Taf. II. Solche Füsse sind bey
den Schinesen ein schlechterdings nothwendiges Erfoder-
niß zur weiblichen Schönheit. Ein in allen übrigen
Vorzügen noch so vollkommnes Frauenzimmer, die
aber das Unglück gehabt hätte, daß bey ihrer ersten
Erziehung dieser Fußzwang verabsäumt worden, wäre
eo ipso in ihrer eignen Familie so gut wie verbannt,
durchaus nicht producibel. Nur die ärmste Volks-
klaße ist von diesem Zwange befreyt, und die Man-
schurischen Weiber kennen ihn auch nicht.
Durch eine, gewißermaaßen ähnliche, Künsteley ha-
ben es die Schinesen dahin gebracht, daß sie sich mit-
ben es die Schinesen dahin gebracht, daß sie sich mit-

[26]
telst einer in dem Werke
selbst genau beschriebnen
Procedur, Zwergbäume von Eichen, Fichten etc.
ziehen, die nicht über zwey Fuß hoch werden, und
doch das volle Ansehn, den ganzen Habitus von al-
ten bejahrten Baumstämmen in Mignatüre haben.
Dieß macht einen beträchtlichen Zweig ihrer Stuben-
gärtnerey aus, womit sie die Zimmer aufputzen.
Procedur, Zwergbäume von Eichen, Fichten etc.
ziehen, die nicht über zwey Fuß hoch werden, und
doch das volle Ansehn, den ganzen Habitus von al-
ten bejahrten Baumstämmen in Mignatüre haben.
Dieß macht einen beträchtlichen Zweig ihrer Stuben-
gärtnerey aus, womit sie die Zimmer aufputzen.
Nützlicher ist die ihnen übrigens eben so eigne Er-
findung, die Hörner von Ziegen und Schaafen (–
ich vermuthe zumal die mächtig großen des Argali ,
Capra Ammon –) durch Einweichen in heißem Was-
ser und andre Kunstgriffe in große dünne Blätter zu
spalten und diese dann selbst wieder an einander zu
fügen, zu krümmen u. s. w. und daraus ihre ausneh-
mend schönen hellen und dauerhaften Laternen von an-
sehnlicher Größe zu verfertigen.
findung, die Hörner von Ziegen und Schaafen (–
ich vermuthe zumal die mächtig großen des Argali ,
Capra Ammon –) durch Einweichen in heißem Was-
ser und andre Kunstgriffe in große dünne Blätter zu
spalten und diese dann selbst wieder an einander zu
fügen, zu krümmen u. s. w. und daraus ihre ausneh-
mend schönen hellen und dauerhaften Laternen von an-
sehnlicher Größe zu verfertigen.
Zweyter Band.
In der Nachbarschaft von Peckin wird, so wie
in manchen Gegenden vom innernHindostan , ein un-
reiner, natürlicher Salpeter statt des Kochsalzes an
die Speisen gethan.
in manchen Gegenden vom innern
reiner, natürlicher Salpeter statt des Kochsalzes an
die Speisen gethan.
Bekanntlich bringen Millionen Schinesen mit
Weib und Kind ihre Lebenszeit in kleinen Fahrzeu-
Weib und Kind ihre Lebenszeit in kleinen Fahrzeu-

[27]
gen (Junken ), auf Flüßen und Landseen zu.
Bloß
auf der Strecke desPei-ho Fl. zwischen Tong-tschu-
fu und Tien-sing rechneten die Reisenden auf
hun-
dert tausend solcher Wasserbewohner.
auf der Strecke des
fu
dert tausend solcher Wasserbewohner.
Die Mohrhirse (Holcus
sorghum ) scheint die
älteste Getraide-Art zu seyn, so im nördlichenSchina
gebaut worden.
älteste Getraide-Art zu seyn, so im nördlichen
gebaut worden.
Auffallende Wirkung der Sonne auf die Haut-
farbe bey denjenigen Schinesen, welche die kleinen
Schiffe ziehen, und dabey im Sommer meist bis an
den Gürtel nackt gehen. Da ist ihre Haut braun, wie
angelaufnes Kupfer (copper-coloured ); und hin-
gegen an den Beinen, die sie nur dann entblößen,
wenn sie durchs Wasser waden, ganz weiß.
farbe bey denjenigen Schinesen, welche die kleinen
Schiffe ziehen, und dabey im Sommer meist bis an
den Gürtel nackt gehen. Da ist ihre Haut braun, wie
angelaufnes Kupfer (copper-coloured ); und hin-
gegen an den Beinen, die sie nur dann entblößen,
wenn sie durchs Wasser waden, ganz weiß.
Auch die Schinesen wißen das trübe Wasser, so
mit dem aus den Flußbetten losgeschlemmten Thon
vermengt ist, gleich dadurch klar und trinkbar zu ma-
chen, daß sie ein Stück Alaun in ein mit Löchern
durchbohrtes Bambusrohr werfen, und mit diesem
Rohr das Wasser ein paar Minuten lang umrühren;
so verbindet sich der Alaun mit der Thon-Erde und
diese wird dadurch zu Boden gefällt.
mit dem aus den Flußbetten losgeschlemmten Thon
vermengt ist, gleich dadurch klar und trinkbar zu ma-
chen, daß sie ein Stück Alaun in ein mit Löchern
durchbohrtes Bambusrohr werfen, und mit diesem
Rohr das Wasser ein paar Minuten lang umrühren;
so verbindet sich der Alaun mit der Thon-Erde und
diese wird dadurch zu Boden gefällt.
Bey Peckin wird ein Polygonum gebaut,
dessen
Blätter eine dem Indig ähnliche Farbe geben. Denn
Blätter eine dem Indig ähnliche Farbe geben. Denn

[28]
die eigentlichen
Indig-Pflanzen gedeihen nur im süd-
lichernSchina .
lichern
Ueberhaupt ist es zum Bewundern, was sich die
Schinesen für eine Fülle von einheimischen succeda-
neis statt exotischer Bedürfniße, ausgefunden haben.
So bedienen sie sich z. B. der Körner von einer Gattung
des Fagara-Geschlechts statt Pfeffer. Sie schlagen
ein ganz vortrefliches Oel aus den Apricosen-Ker-
nen; und gemeinere Sorten aus den Saamen von
Hanf, Sesam, Baumwolle, Rüben, u.a.m. Sie
weben Zeuge aus den Saftgefäßen einer tauben Nes-
sel, und machen Pappier aus mancherley Baumrinden,
so wie aus Hanf, aus Reis-Stroh etc. etc. Die
Frucht von einer zahmen Gattung des Momordica -
Geschlechts dient ihnen statt Gurken. Eine Distel-
gattung essen sie mit Reis, so wie das Täschelkraut
im Salat. Aus dem Carthamus bereiten sie ihr
feinstes Roth, als wozu sie sich nur sehr selten des
Carmins bedienen. Die Eichelnäpfchen brauchen sie
zum schwarzfärben; die Blätter der Esche als Sur-
rogat für die vom weissen Maulbeerbaum zur Fütte-
rung der Seidenraupen, u.dergl.m.
Schinesen für eine Fülle von einheimischen succeda-
neis statt exotischer Bedürfniße, ausgefunden haben.
So bedienen sie sich z. B. der Körner von einer Gattung
des Fagara-Geschlechts statt Pfeffer. Sie schlagen
ein ganz vortrefliches Oel aus den Apricosen-Ker-
nen; und gemeinere Sorten aus den Saamen von
Hanf, Sesam, Baumwolle, Rüben, u.a.m. Sie
weben Zeuge aus den Saftgefäßen einer tauben Nes-
sel, und machen Pappier aus mancherley Baumrinden,
so wie aus Hanf, aus Reis-Stroh etc. etc. Die
Frucht von einer zahmen Gattung des Momordica -
Geschlechts dient ihnen statt Gurken. Eine Distel-
gattung essen sie mit Reis, so wie das Täschelkraut
im Salat. Aus dem Carthamus bereiten sie ihr
feinstes Roth, als wozu sie sich nur sehr selten des
Carmins bedienen. Die Eichelnäpfchen brauchen sie
zum schwarzfärben; die Blätter der Esche als Sur-
rogat für die vom weissen Maulbeerbaum zur Fütte-
rung der Seidenraupen, u.dergl.m.
Der Gebrauch des Rauch-Tobacks ist in Schina
unter allen Ständen und bey beyden Geschlechtern
allgemein. Zehnjährige und noch jüngere Mädchen
haben immer die Pfeife im Munde.
unter allen Ständen und bey beyden Geschlechtern
allgemein. Zehnjährige und noch jüngere Mädchen
haben immer die Pfeife im Munde.

[29]
Außer dem Schnupf-Toback wird auch gepülver-
ter Zinnober in die Nase gezogen.
ter Zinnober in die Nase gezogen.
In der Schinesischen
Tatarey giebt es häufige
Kröpfe, und theils von ungeheurer Größe. Die
mit diesem Uebel behafteten Personen sind zugleich
oft blödsinnig, werden aber (– so wie die Cretinen
in manchenalpinischen Gegenden von Europa , von
welchen sich imdritten Bande meiner medicinischen
Bibliothek
genaue Nachrichten finden, und mit wel-
chen jene in derTatarey
große Aehnlichkeit haben –)
mit einer eignen Art von Verehrung angesehn.
Kröpfe, und theils von ungeheurer Größe. Die
mit diesem Uebel behafteten Personen sind zugleich
oft blödsinnig, werden aber (– so wie die Cretinen
in manchen
welchen sich im
Bibliothek
chen jene in der
mit einer eignen Art von Verehrung angesehn.
In einem der kaiserlichen Gärten in der Tatarey
ein Achat vier Fuß lang, in Form einer Felsen-
Landschaft ausgearbeitet.
ein Achat vier Fuß lang, in Form einer Felsen-
Landschaft ausgearbeitet.
Natürliche Soda (foßiles Mineral-Alkali) in
Menge umPeckin .
Menge um
Für die Aussätzigen sind in China (– so wie in
den sogenannten mittlern Zeiten inDeutschland u. a.
Ländern vonEuropa –) eigne
Leprosen-Spitäler.
den sogenannten mittlern Zeiten in
Ländern von
Die Schinesischen Elephanten sind kleiner, als die
inCochinchina , und im eigentlichen Verstande
gra-
nivora , da sie mit Reis und Hirse gefüttert werden.
in
nivora , da sie mit Reis und Hirse gefüttert werden.
Unter den Schinesischen Frauenzimmern fanden
die Reisenden welche, die wegen ihres weißen Teint
die Reisenden welche, die wegen ihres weißen Teint

[30]
und ihrer zarten Haut, und der Schönheit und Re-
gelmäßigkeit ihrer Gesichtsbildung, Bewunderung
erregten.
gelmäßigkeit ihrer Gesichtsbildung, Bewunderung
erregten.
Bey einer Fahrt auf dem großen
Canal sahen sie
Tausende von kleinen Fischerbooten mit den zum
Fischfang so sonderbar abgerichteten Schinesischen
Seeraben (Pelecanus sinensis , Schines.Leu-tze ).
Dieser berühmte Vogel scheint allerdings eine eigne
Gattung des Pelecan-Geschlechts auszumachen. Er
ist braun mit weißer Kehle; weißlichtem braungefleck-
ten Bauch; abgerundetem Schwanz; blauen Augen-
sternen und gelben Schnabel. Daß ihm ein Hals-
ring übergeworfen werde, wenn er Fische fangen soll,
ist nicht nothwendig. – Man zieht und dreßirt
diese nutzbaren Vögel in gewißen Provinzen und von
da aus werden sie durchs ganze Reich verführt.
Tausende von kleinen Fischerbooten mit den zum
Fischfang so sonderbar abgerichteten Schinesischen
Seeraben (Pelecanus sinensis , Schines.Leu-tze ).
Dieser berühmte Vogel scheint allerdings eine eigne
Gattung des Pelecan-Geschlechts auszumachen. Er
ist braun mit weißer Kehle; weißlichtem braungefleck-
ten Bauch; abgerundetem Schwanz; blauen Augen-
sternen und gelben Schnabel. Daß ihm ein Hals-
ring übergeworfen werde, wenn er Fische fangen soll,
ist nicht nothwendig. – Man zieht und dreßirt
diese nutzbaren Vögel in gewißen Provinzen und von
da aus werden sie durchs ganze Reich verführt.
Die gemeinen Schinesen genießen kaum anderes
Fleisch, als Fische. Ausserdem höchstens das von
Schweinen und gemästeten Hunden.
Fleisch, als Fische. Ausserdem höchstens das von
Schweinen und gemästeten Hunden.
Mancherley Spielarten der famosen Nymphea
nelumbo (Schines.Lien-wha ) mit deren pracht-
vollen, balsamisch-duftenden Blüthen ganze Teiche
und Marschgegenden bedeckt sind. Ihre Kerne sind
schmackhafter, als Mandeln; und die Wurzel, in
Scheibchen geschnitten, wird im Sommer mit Eis,
nelumbo (Schines.Lien-wha ) mit deren pracht-
vollen, balsamisch-duftenden Blüthen ganze Teiche
und Marschgegenden bedeckt sind. Ihre Kerne sind
schmackhafter, als Mandeln; und die Wurzel, in
Scheibchen geschnitten, wird im Sommer mit Eis,

[31]
im Winter mit Salz und Eßig eingemacht ge-
geßen.
geßen.
Die überschwengliche Menge von Wasser und
Schlamm, so dergelbe Fluß unaufhörlich ins
gelbe
Meer ergießt!
– Jede Stunde wohl =
418′176,000 Cubik-Fuß Wasser (also 1100 mal
mehr, als derGanges
ins Meer strömt) und mit
diesem Wasser zwey Millionen Cubikfuß Erde.
Schlamm, so der
Meer
418′176,000 Cubik-Fuß Wasser (also 1100 mal
mehr, als der
diesem Wasser zwey Millionen Cubikfuß Erde.
Die Seidenwurm-Puppen werden, nachdem der
Coccon davon abgewunden, von den Schinesen ge-
gessen.
Coccon davon abgewunden, von den Schinesen ge-
gessen.
Ohne das Thermometer zu kennen, wißen sie doch
beym künstlichen Ausbrüten der Hünereyer sowohl,
als bey der Seidenwurm-Zucht genau die erfoderliche
Temperatur zu unterhalten.
beym künstlichen Ausbrüten der Hünereyer sowohl,
als bey der Seidenwurm-Zucht genau die erfoderliche
Temperatur zu unterhalten.
Die schöne gelbe Nankin-Baumwolle soll blos in
der ProvinzKiang-nan gezogen werden können,
und hingegen in fremdem Boden beydes an Farbe und
Feinheit verlieren.
der Provinz
und hingegen in fremdem Boden beydes an Farbe und
Feinheit verlieren.
Die besten Talglichter werden aus der Frucht des
Talgbaums, Croton sebiferum , gemacht. Schlech-
ter aus thierischem Unschlitt, das, wenn es dazu zu
weich ist, mit einer Rinde von jenem vegetabilischen
Talg, oder aber von einer sonderbaren Art Wachs’
überzogen wird.
Talgbaums, Croton sebiferum , gemacht. Schlech-
ter aus thierischem Unschlitt, das, wenn es dazu zu
weich ist, mit einer Rinde von jenem vegetabilischen
Talg, oder aber von einer sonderbaren Art Wachs’
überzogen wird.

[32]
Dieses Wachs, woraus man auch ganze Lichter
verfertigt, wird von den Eyernestern eines Coccus-
ähnlichen Insekts bereitet, die sich an einer Gattung
des Ligustergeschlechts finden.
verfertigt, wird von den Eyernestern eines Coccus-
ähnlichen Insekts bereitet, die sich an einer Gattung
des Ligustergeschlechts finden.
Noch jetzt bedient man sich in Schina der Lam-
pendochte aus Amianthfäden.
pendochte aus Amianthfäden.
Die Wichtigkeit des Campherbaums als Bau-
holz zu Häusern und Masten.
holz zu Häusern und Masten.
Die Schinesischen Zuckerplantagen werden doch
nicht so ins Große betrieben, als inWestindien .
nicht so ins Große betrieben, als in
Die vielfache Benutzung des Bambusrohrs, zum
Bauen, Meublement, zu Pappier, eingemacht zum
Dessert etc. etc. Daher es auch in großen Pflanzun-
gen gezogen wird. Die Schinesen unterscheiden auf
60 Spielarten von diesem wichtigen Rohr.
Bauen, Meublement, zu Pappier, eingemacht zum
Dessert etc. etc. Daher es auch in großen Pflanzun-
gen gezogen wird. Die Schinesen unterscheiden auf
60 Spielarten von diesem wichtigen Rohr.
Die Menge von Thee, die in Schina gezogen und
theils daselbst consummirt, theils aber ausgeführt
wird (namentlich nachEngland ), übersteigt alle
Vorstellung. – Schon in der Mitte des vorigen
Jahrhunderts ward inEngland in öffentlichen Häu-
sern Thee geschenkt, und die Consumtion davon auch
damals schon mit Taxe belegt. Und doch belief sich
das, was die Ostindische Compagnie davon noch im
Umfang des gegenwärtigen Jahrhunderts jährlich
absetzte, nicht viel über 50′000 Pfund am Ge-
theils daselbst consummirt, theils aber ausgeführt
wird (namentlich nach
Vorstellung. – Schon in der Mitte des vorigen
Jahrhunderts ward in
sern Thee geschenkt, und die Consumtion davon auch
damals schon mit Taxe belegt. Und doch belief sich
das, was die Ostindische Compagnie davon noch im
Umfang des gegenwärtigen Jahrhunderts jährlich
absetzte, nicht viel über 50′000 Pfund am Ge-

[33]
wicht. – Jetzt beträgt ihr jährlicher Absatz von
Thee nahe an zwanzig Millionen Pfund! also in Zeit
von kaum 100 Jahren 400 mal mehr, als damals.
Thee nahe an zwanzig Millionen Pfund! also in Zeit
von kaum 100 Jahren 400 mal mehr, als damals.
Wichtig ist die nähere Bestimmung der Ingre-
dienzen zum Schinesischen Porcellan:
dienzen zum Schinesischen Porcellan:
Pe-tun-tse ist ein
feiner Granit, worin der
Quarz den vorwaltenden Gemengstoff auszumachen
schien: auch kann daher reiner Quarz an dessen statt
genommen werden.
Quarz den vorwaltenden Gemengstoff auszumachen
schien: auch kann daher reiner Quarz an dessen statt
genommen werden.
Kaolin ,
Porcellanerde aus verwittertem Feld-
spath.
spath.
Wha-she , eine Art
Speckstein – oder was
Hr. Prof. Klaproth jetzt Bildstein nennt –)
Hr. Prof. Klaproth jetzt Bildstein nennt –)
She-kan , Gyps.
Ein Schinesischer Porcellan-Töpfer versicherte,
daß außer diesen vier Foßilien auch Asbest dazu ge-
nommen würde.
daß außer diesen vier Foßilien auch Asbest dazu ge-
nommen würde.
Die wenigen Demantschleifer in Canton bedienen
sich dazu des Demant Spaths. Aber eben deshalb
wird es zweifelhaft, ob es auch wahrer Demant ist,
den sie damit bearbeiten können.
sich dazu des Demant Spaths. Aber eben deshalb
wird es zweifelhaft, ob es auch wahrer Demant ist,
den sie damit bearbeiten können.
Das Schinesische weisse Kupfer, Pe-tung , ist
ein Gemische von Kupfer, Zink und etwas Silber.
ein Gemische von Kupfer, Zink und etwas Silber.

[34]
In
einigen Proben hat sich ausserdem auch etwas
Eisen und Nickel gefunden.
Eisen und Nickel gefunden.
Selbst der Staub von den Steinkohlen wird ge-
sammelt und mit eben so viel Moorerde in Backstein-
form (wie Turf) gedrückt, an der Sonne getrock-
net, und so in Gegenden verführt die keine Stein-
kohlen haben.
sammelt und mit eben so viel Moorerde in Backstein-
form (wie Turf) gedrückt, an der Sonne getrock-
net, und so in Gegenden verführt die keine Stein-
kohlen haben.
Das wären denn diejenigen Bemerkungen in dem
ansehnlichen Werke, die zum Gebiete der Naturge-
schichte und folglich auch hier in dieses Magazin ge-
hören.
ansehnlichen Werke, die zum Gebiete der Naturge-
schichte und folglich auch hier in dieses Magazin ge-
hören.
Hoffentlich ist es aber doch vielen Lesern ange-
nehm, wenn sie auch von dem übrigen einiges we-
nige hier finden, zumal von dem, wasSchina ,
dieses ungeheure Reich, und die Schinesen, dieses
äusserst intereßante Volk, betrift.
nehm, wenn sie auch von dem übrigen einiges we-
nige hier finden, zumal von dem, was
dieses ungeheure Reich, und die Schinesen, dieses
äusserst intereßante Volk, betrift.
Jenes ist nach seinen jetzigen, mächtig erweiter-
ten Grenzen, ohngefähr mit demRußischen von glei-
cher Größe; jedes umfaßt so viel Land, als zwey
Drittel vom ganzenEuropa oder fast 1/11 des festen
Landes unsrerErdkugel , betragen würden.
ten Grenzen, ohngefähr mit dem
cher Größe; jedes umfaßt so viel Land, als zwey
Drittel vom ganzen
Landes unsrer
Die Zahl der Einwohner in den 15 alten Provin-
zen vonSchina wird hier auf 333
Millionen gerechnet.
zen von

[35]
Die Wörter-Schrift der Schinesen (bekanntlich
eine Art von conventioneller Bilder-Schrift) besteht
aus nicht weniger, als 80000 zusammengesetzten Cha-
racteren.
eine Art von conventioneller Bilder-Schrift) besteht
aus nicht weniger, als 80000 zusammengesetzten Cha-
racteren.
Von der so ganz ausnehmenden Industrie dieses
bewundernswürdigen Volkes enthält das Werk zahl-
reiche auffallende Beweise. Hier nur zwey aus vielen:
bewundernswürdigen Volkes enthält das Werk zahl-
reiche auffallende Beweise. Hier nur zwey aus vielen:
In der Provinz Kiang-see sah
man einen Land-
mann, der mit einer Hand den Pflug regierte, den
seine Frau zog, und mit der andern den Saamen in
die gezognen Furchen legte.
mann, der mit einer Hand den Pflug regierte, den
seine Frau zog, und mit der andern den Saamen in
die gezognen Furchen legte.
Abgebildet ist die Weise, wie ein einziger Schiffer
auf einem Fracht-Fahrzeuge mit einem Fuße rudert,
mit der einen Hand steuert, mit der andern das
Seegel regiert, und dabey noch seine Pfeife raucht.
auf einem Fracht-Fahrzeuge mit einem Fuße rudert,
mit der einen Hand steuert, mit der andern das
Seegel regiert, und dabey noch seine Pfeife raucht.
Unter den übrigen zahlreichen und prächtigen Ku-
pfern, sind diejenigen vorzüglich merkwürdig, welche
die eigentliche Bauart und Einrichtung zweyer den
berühmtesten und prodigiösesten Denkmäler des über
alle Schwierigkeiten siegenden menschlichen Kunstflei-
ses vorstellen, des großen oder sogenannten Königs-
Canals nemlich, und vor allem der großen Schinesi-
pfern, sind diejenigen vorzüglich merkwürdig, welche
die eigentliche Bauart und Einrichtung zweyer den
berühmtesten und prodigiösesten Denkmäler des über
alle Schwierigkeiten siegenden menschlichen Kunstflei-
ses vorstellen, des großen oder sogenannten Königs-
Canals nemlich, und vor allem der großen Schinesi-

[36]
schen Mauer. Die letztre ist nach den
zuverläßigsten
Datis nun über zweytausend Jahr alt; 300 deutsche
Meilen lang; und einer der Bergrücken, über welche
sie geführt ist, 5225 Fuß hoch.
Datis nun über zweytausend Jahr alt; 300 deutsche
Meilen lang; und einer der Bergrücken, über welche
sie geführt ist, 5225 Fuß hoch.
Das dem 1ten B. vorgesetzte Bildniß des ehr-
würdigen Kaisers Kieng-long (oder wie er hier
geschrieben wird Tchien-lung) soll zwar, wie im
Buche selbst gesagt wird, nicht ganz sprechend getrof-
fen seyn, kommt doch aber, was die characteristische
Nationalbildung betrift, mit dem ehedem von Panzi
gezeichneten Portrait desselben überein, die vor dem
1ten B. der großenMémoires concernant les
Chinois
steht.
würdigen Kaisers Kieng-long (oder wie er hier
geschrieben wird Tchien-lung) soll zwar, wie im
Buche selbst gesagt wird, nicht ganz sprechend getrof-
fen seyn, kommt doch aber, was die characteristische
Nationalbildung betrift, mit dem ehedem von Panzi
gezeichneten Portrait desselben überein, die vor dem
1ten B. der großen
Chinois
Zum Schluß nur noch ein paar characteristische
Züge, der eine von der körperlichen Gewandheit,
der andre von der natürlichen Gutmüthigkeit soge-
nannter Wilden.
Züge, der eine von der körperlichen Gewandheit,
der andre von der natürlichen Gutmüthigkeit soge-
nannter Wilden.
Ein Sandwich-Insulaner sprang oft, wäh-
rend das Schiff über einer Tiefe von 20 Clafftern
vor Anker lag, über Bord in die See, um spani-
sche Thaler aufzufangen, die man zugleich mit ihm
hineinwarf, und die er haschte, ehe sie den Grund er-
reichten. Ja er konnte sogar zwey Thaler zugleich
fangen, die von beyden äussersten Enden des Schiffs
ins Meer geworfen wurden.
rend das Schiff über einer Tiefe von 20 Clafftern
vor Anker lag, über Bord in die See, um spani-
sche Thaler aufzufangen, die man zugleich mit ihm
hineinwarf, und die er haschte, ehe sie den Grund er-
reichten. Ja er konnte sogar zwey Thaler zugleich
fangen, die von beyden äussersten Enden des Schiffs
ins Meer geworfen wurden.

[37]
Er ließ von zweyen Europäern zugleich Lanzen
gegen sich werfen, die er allemal mit seinen Händen
entweder ausparirte, oder faßte.
gegen sich werfen, die er allemal mit seinen Händen
entweder ausparirte, oder faßte.
Eins der zur Gesandschaft gehörigen englischen
Schiffe hatte auf der Süd-Küste vonSumatra
an
einem Pfosten ein Bret mit einer Notiz für ein nach-
kommendes Schiff befestigt. Da jenes nach einiger
Zeit wieder dort landete, fand sich, daß die dorti-
gen Malayen zwar der Versuchung nicht hatten
widerstehen können, es, der ihnen unschätzbaren Nä-
gel wegen, abzubrechen; daß sie aber dagegen –
statt es nun liegen zu lassen – es zwar verkehrt,
übrigens aber sorgfältig mit hölzernen Pflöcken wie-
der angeschlagen hatten.
Schiffe hatte auf der Süd-Küste von
einem Pfosten ein Bret mit einer Notiz für ein nach-
kommendes Schiff befestigt. Da jenes nach einiger
Zeit wieder dort landete, fand sich, daß die dorti-
gen Malayen zwar der Versuchung nicht hatten
widerstehen können, es, der ihnen unschätzbaren Nä-
gel wegen, abzubrechen; daß sie aber dagegen –
statt es nun liegen zu lassen – es zwar verkehrt,
übrigens aber sorgfältig mit hölzernen Pflöcken wie-
der angeschlagen hatten.
J.F. Blumenbach.

[Taf. 2]
[Abbildung: ]

Abbildung
Kupferstich von Seite 29
Digitalisat/30