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Allgemeine
Verfasset
Weimar ,
im Verlage des Industrie-Comptoirs.
1798 .

11.






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Allgemeine
Geographische
EPHEMERIDEN.
Verfasset
von
einer Gesellschaft Gelehrten
und
herausgegeben
von
F. von Zach,
H.S.G. Obristwachtmeister und Director der herzoglichen
Sternwarte Seeberg bey Gotha .
Erster Band.
im Verlage des Industrie-Comptoirs.

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[368]
11.
Auszug aus einem Briefe des
Herrn
Hofr. Blumen-
bach an den Herausgeber. Fernere Nachricht
über
Hornemann’s und Park’s
Reisen nach
dem Innern von Afrika .
Herr Hornemann ist glücklich in Cairo ,
dem ersten Haupt-
Orte seiner Bestimmung angekommen, und hat mich von da-
her mit einem mir sehr interessanten Briefe vom14ten Oct.
vorigen Jahres erfreut.
Orte seiner Bestimmung angekommen, und hat mich von da-
her mit einem mir sehr interessanten Briefe vom
vorigen Jahres
Da er in Marseille kein Schiff fand, das geradezu nach
Alexandrien gehen wollte, aber eins, das für Cypern
segelfer-
tig lag, von wannen, zumahl um die Zeit, häufig Fahrzeuge
dorthin abgehen, so bedung er sich auf dasselbe, das dann den
11ten
August seine Anker lichtete.
tig lag, von wannen, zumahl um die Zeit, häufig Fahrzeuge
dorthin abgehen, so bedung er sich auf dasselbe, das dann den
Die Fahrt ging an der westl. Küste von Sardinien
hinun-
ter, zwischen ihr und der an ihrer süd-westl. Ecke liegen-
den InselSt. Pietro hindurch, dann
gegen das Cap
Bona an der
afrikanischen Küste, wo also unser Reisender zuerst den Welt-
theil erblickte, dessen Inneres er bald zu besuchen gedenkt. –
SoMalta und Candia vorbey, bis er
nach einer zwanzigtägi-
gen Fahrt am letzten August auf der Rhede vonLernica in
Cypern landete. Hier erfuhr er, dass
bald aus einer andern
Bay der Insel, nämlich beyCap Caroubé , ein venetianisches
Schiff nachAlexandrien abgehen werde; er nahm daher am
dritten Tage ein Boot, womit er nach zwey Tagen an dieses
Cap gelangte, das zwar einen guten Anker-Platz,
ausserdem
aber weder Stadt noch Dorf, und seinen Namen von der Menge
Johannisbrod hat (– arabisch Charoub , ceratonia filiqua
Linn. Siliqua dulcis officin. –) das daselbst wächst, und
womit viele Schiffe befrachtet werden. Wie sehr aber diese
berufene Insel auch an bessern Lebensmitteln Überfluss hat,
ergibt sich aus den Preisen derselben: Das Pfund Trauben,
Pfirschen, Abrikosen oder Feigen kostete einen Pfennig (näm-
lich drey Pfund einen Para ) das Pfund Fleisch 6 Pfennige.
ter, zwischen ihr und der an ihrer süd-westl. Ecke liegen-
den Insel
afrikanischen Küste, wo also unser Reisender zuerst den Welt-
theil erblickte, dessen Inneres er bald zu besuchen gedenkt. –
So
gen Fahrt am letzten August auf der Rhede von
Bay der Insel, nämlich bey
Schiff nach
dritten Tage ein Boot, womit er nach zwey Tagen an dieses
aber weder Stadt noch Dorf, und seinen Namen von der Menge
Johannisbrod hat (– arabisch Charoub , ceratonia filiqua
Linn. Siliqua dulcis officin. –) das daselbst wächst, und
womit viele Schiffe befrachtet werden. Wie sehr aber diese
berufene Insel auch an bessern Lebensmitteln Überfluss hat,
ergibt sich aus den Preisen derselben: Das Pfund Trauben,
Pfirschen, Abrikosen oder Feigen kostete einen Pfennig (näm-
lich drey Pfund einen Para ) das Pfund Fleisch 6 Pfennige.

[369]
Nur
Geflügel war theuer. Ein Huhn 6 bis 8 ggr. – Mehr
aber als aller jener Segen musste Herrn Hornemann die frühe
Pubertät und die ganz ausnehmende Wohlbeleibtheit der dasi-
gen Frauenzimmer auffallen.
aber als aller jener Segen musste Herrn Hornemann die frühe
Pubertät und die ganz ausnehmende Wohlbeleibtheit der dasi-
gen Frauenzimmer auffallen.
Nach einigen Tagen gings erst noch nach Limosol und von
da endlich den10ten Sept. gerade nach Alexandrien , wo
er
beym englischen Consul logirte, und, ohngeachtet man um
diese Jahrszeit wegen der Araber aus den Wüsten, die nahe
um die Stadt schwärmen, sich nicht zu weit aus derselben wa-
gen darf, doch seinen zehntägigen Aufenthalt zu mineralogi-
schen Untersuchungen der dortigen Gegend benutzte.
da endlich den
beym englischen Consul logirte, und, ohngeachtet man um
diese Jahrszeit wegen der Araber aus den Wüsten, die nahe
um die Stadt schwärmen, sich nicht zu weit aus derselben wa-
gen darf, doch seinen zehntägigen Aufenthalt zu mineralogi-
schen Untersuchungen der dortigen Gegend benutzte.
Durch den sonderbarsten Glückszufall traf er in einem
dasigen Kloster einen alten freundlichen Mönch, Pater Christia-
nus, von Geburt einen Deutschen, der aber jetzt besser ara-
bisch als deutsch spricht, und der auch nachCairo reist
und
einige Monate daselbst bleiben wird.
dasigen Kloster einen alten freundlichen Mönch, Pater Christia-
nus, von Geburt einen Deutschen, der aber jetzt besser ara-
bisch als deutsch spricht, und der auch nach
einige Monate daselbst bleiben wird.
Herr Hornemann verliess Alexandrien den 21ten Sept. und
kam den27ten über Rosette auf dem Nil (gerade also um
die Jahrszeit, da dieser berühmteste aller Ströme der Erde am
höchsten steht) inCairo
an.
kam den
die Jahrszeit, da dieser berühmteste aller Ströme der Erde am
höchsten steht) in
Hier fand er einen Bekannten von mir, Herrn Major
Schwarz, der mit Hrn. Hope dieLevante bereist hat, und
machte gleich mit diesen einen Abstecher nach den Pyramiden
beyGize (Dsjîse ).
Schwarz, der mit Hrn. Hope die
machte gleich mit diesen einen Abstecher nach den Pyramiden
bey
Ich hoffe den Herrn
Major bald hier zu sehen, der mir
Proben von den Steinarten der Pyramiden selbst und der dasi-
gen Gegend für meine Sammlung mitbringen wird.
Proben von den Steinarten der Pyramiden selbst und der dasi-
gen Gegend für meine Sammlung mitbringen wird.
Während nun Herr Hornemann in Cairo seiner
Instruction
gemäss erst vorläufig so viel Nachrichten als möglich vom in-
nernAfrika
sammelt, bis er sichere Gelegenheit gefunden hat,
mit einer Negergesellschaft nachCashna abzugehen, ist indess
der andere Reisende, den die African Association zur Untersu-
chung des westlichen Theils jener unbekannten Weltgegend
vomGambia aus gen Tombuctu gesandt hatte, Hr. Mungo
Park, von seiner wichtigen Sendung glücklich nachEngland
zurückgekommen!
gemäss erst vorläufig so viel Nachrichten als möglich vom in-
nern
mit einer Negergesellschaft nach
der andere Reisende, den die African Association zur Untersu-
chung des westlichen Theils jener unbekannten Weltgegend
vom
Park, von seiner wichtigen Sendung glücklich nach
zurückgekommen!

[370]
Er hatte, wie mir Herr
Baronet Banks unterm 8ten Jan.
meldet, sich über zwey Jahre lang ohne einen europäischen
Gefährten, und den grössten Theil dieser Zeit hindurch sogar
ohne allen Begleiter, aufgehalten, da ihn seine schwarzen
Dolmetscher und Bedienten aus Furcht verlassen hatten.
meldet, sich über zwey Jahre lang ohne einen europäischen
Gefährten, und den grössten Theil dieser Zeit hindurch sogar
ohne allen Begleiter, aufgehalten, da ihn seine schwarzen
Dolmetscher und Bedienten aus Furcht verlassen hatten.
Es ist nun durch seine Untersuchungen ausgemacht, dass
derJoliba (der Niger
der Alten) allerdings seinen Lauf nach
Osten nimmt. Er hat ihn als einen schiffbaren Strom 200 engl.
Meilen weit, nämlich bis zwey Tagereisen vorGenné
(oder
Jeenie ) und vierzehn Tagereisen von Tombuctu ,
verfolgt;
hat aber nicht wagen dürfen, diese beyden Städte selbst zu
besuchen, weil man ihn versicherte, dass sie unter der Herr-
schaft von Muhamedanern stehen, die sicherlich jeden einzelnen
Christen ermorden würden, der ihnen in die Hände fiele.
der
Osten nimmt. Er hat ihn als einen schiffbaren Strom 200 engl.
Meilen weit, nämlich bis zwey Tagereisen vor
hat aber nicht wagen dürfen, diese beyden Städte selbst zu
besuchen, weil man ihn versicherte, dass sie unter der Herr-
schaft von Muhamedanern stehen, die sicherlich jeden einzelnen
Christen ermorden würden, der ihnen in die Hände fiele.
Er hat gefunden, dass der schiffbare Theil des Joliba nicht
weiter als etwa 28 Tagereisen (one month’s journey ) von dem
schiffbaren Theil desGambia
entfernt, und das dazwischen
liegende Land in hohem Grade cultivirt ist. Denn da die nörd-
lichern Gegenden, die von Arabern bewohnt werden, zum
Getreidebau zu sandig sind, so müssen diese ihre Frucht von
den Schwarzen kaufen, die in der fruchtbaren Nachbarschaft
jener Ströme wohnen, wo die Erndte weit ergiebiger ist, als
dass sie von den Einwohnern consumirt werden könnte.
weiter als etwa 28 Tagereisen (one month’s journey ) von dem
schiffbaren Theil des
liegende Land in hohem Grade cultivirt ist. Denn da die nörd-
lichern Gegenden, die von Arabern bewohnt werden, zum
Getreidebau zu sandig sind, so müssen diese ihre Frucht von
den Schwarzen kaufen, die in der fruchtbaren Nachbarschaft
jener Ströme wohnen, wo die Erndte weit ergiebiger ist, als
dass sie von den Einwohnern consumirt werden könnte.
So hat folglich die Association nun schon einen Weg
ins
innereAfrika geöffnet,
der zwar nicht von einem einzelnen
Reisenden verfolgt werden kann (– denn was Herr P. auf
dieser Versuchsreise ausgestanden, lässt sich daraus ermessen,
dass mir der Herr Baronet schreibt, es übersteige alles, was er
von Abentheuern der Art je gelesen –) aber wol durch ei-
nige bewaffnete Mannschaft. Denn aus allem ergibt sich,
dass einige wenige rüstige und beherzte Soldaten mit Boot-
Zimmerleuten, damit sie sich gehörigen Orts einschiffen kön-
nen, gar leicht im Stande seyn werden, ins Herz dieses bis
jetzt so unzugänglich gebliebenen Welttheils zu dringen.
innere
Reisenden verfolgt werden kann (– denn was Herr P. auf
dieser Versuchsreise ausgestanden, lässt sich daraus ermessen,
dass mir der Herr Baronet schreibt, es übersteige alles, was er
von Abentheuern der Art je gelesen –) aber wol durch ei-
nige bewaffnete Mannschaft. Denn aus allem ergibt sich,
dass einige wenige rüstige und beherzte Soldaten mit Boot-
Zimmerleuten, damit sie sich gehörigen Orts einschiffen kön-
nen, gar leicht im Stande seyn werden, ins Herz dieses bis
jetzt so unzugänglich gebliebenen Welttheils zu dringen.
Zuförderst wird eine vorläufige Nachricht von dieser äu-
sserst merkwürdigen Reise für die Mitglieder der Association
sserst merkwürdigen Reise für die Mitglieder der Association

[371]
gedruckt werden, wovon ich durch die Güte des Hrn.
Baronets,
sobald sie erscheint, einen Abdruck zu erhalten Hoffnung habe.
sobald sie erscheint, einen Abdruck zu erhalten Hoffnung habe.
Aber auch die ausführliche Reisebeschreibung wird schon
zum Druck bereitet. Herr Major Rennell ist mit den geogra-
phischen Resultaten beschäftigt, die sich hoffentlich ganz ge-
nau sollen ziehen lassen, da Herr P. Breiten zu bestimmen
im Stande war, und seine Instrumente sämtlich bisYarra ,
einige aber auch die ganze Reise hindurch benutzen konnte.
zum Druck bereitet. Herr Major Rennell ist mit den geogra-
phischen Resultaten beschäftigt, die sich hoffentlich ganz ge-
nau sollen ziehen lassen, da Herr P. Breiten zu bestimmen
im Stande war, und seine Instrumente sämtlich bis
einige aber auch die ganze Reise hindurch benutzen konnte.

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Digitalisat/8