Zum Hauptinhalt
Hinweis: Um die korrekte Darstellung der Seite zu erhalten, müssen Sie beim Drucken die Hintergrundgrafiken erlauben.
link
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[titlePage_recto]

Medicinische
Bibliothek

herausgegeben
von

D.Joh.Friedr. Blumenbach,
der Medic.Prof.ord. zu Göttingen.

Ersten Bandes erstes Stück.

[Abbildung: ]
Prüfet alles, und das Gute behaltet.
Göttingen,
bey Johann Christian Dieterich
.
1783.
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[166]

I. Beyträge zur materia medica  aus
dem academischen Museum in Göt-
tingen
.

Es ist hoffentlich nicht am unrechten Orte wenn
ich von Zeit zu Zeit in dieser Bibliothek einige
Nachricht von den zur materia medica  gehörigen
Merkwürdigkeiten gebe, die im academischen Mu-
seum
befindlich sind.
Zuerst also von einigen Artikeln aus der, ihrer
Vollständigkeit wegen so einzigen, grossen Samm-
lung von Südländischen Seltenheiten, die auf
den drey grossen Reisen des unvergeßlichen Cptn
Cook
gesammlet, und von Sr. Majestät dem Kö-
nig
ans Museum geschenkt worden sind.
1. AechterCortex Winteranus  aus der Ma-
gellanischen Strasse
, wovon ausser den Stücken
in der gedachten Südländischen Sammlung, auch
noch andere vom Hrn. Prof. Büttner hier sind,
der die seinigen noch von Alb. Seba erhalten hat.
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[167]
Ueber die Geschichte dieser vom Cptn Joh. Win-
ter
*)
*) 
s. the voyage of Mr.iohn winterinto the South-
Sea
etc. written byEdw. Cliffe, in haklvyt’scollect.
P. III. p.
748. u. f.
a.1578 entdeckten, von allen Schriftstellern
der mat.med. dem Nahmen nach angeführten und
doch von so wenigen gesehenen, sondern fast durch-
gehends mit dem weissen Zimmt verwechselten
Rinde; über ihre chymische Analyse; und über die bo-
tanische Bestimmung des nun vom ältern Hrn. Prof.
Forster
mit dem Namen Drimys Winteri  belegten
Baums, wovon sie genommen wird; verweise ich
an die unten genannten Schriftsteller.**)
**) 
clvsiiexot. p. 75. vergl. mit p. 78. und 324.Sloane
in den philos.Transact. No. 204. S. 922 u. f.
Fother-
gill, Solander
und Morris in den medical obs. by a
Soc. of Physic. in Lond.
vol. V.
S. 41 u. f. Taf. I.

i.r.forsternova gen.plantar. No. 42. Der jün-
gere Hr. Prof. Forster in den nov.act.Upsal. vol. III. S. 181.
und linnésupplem.syst.vegetab. p.43.
269 u. f.
Alle Stücke, die ich von der Rinde vor mir
habe, sind von dunkler rothbrauner Farbe, auf der
äussern Fläche theils graulicht und bemoost, auf
der innern aber, nach dem Splint zu, theils heller,
fast Zimmtfarben. Sie ist meist eben so hart
als der weisse Zimmt, aber nicht so dicht und nicht
so spröde, sondern weit zäher, läßt sich schwehrer
stossen u. s. w. Sie riecht auch dann nicht so Ge-
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[168]
würz-Nelkenhaft wie der weisse Zimmt sondern ver-
gleichungsweise ehr etwas harzicht. Sie brennt fer-
ner mit lichter Flamme und weit leichter und anhal-
tender als jener. Und endlich löst sich auch von ihr
weit mehr als von jenem im Weingeiste auf. Ihr Ge-
schmack ist bitter und scharf; für einige Minuten recht
brennend, und hinterläßt noch geraume Zeit nachher
die Empfindung einer merklichen Wärme im Munde.
Was ich vom verschiedentlichen Nutzen der Rinde
oder des Baums bey einigen Reisebeschreibern ge-
funden, ist folgendes:
Die wilden an beiden Küsten der Strasse brau-
chen die jungen Bäumgen zu Lanzen die sie mit ei-
ner Spitze von festern Holze schäfften.*)
*) 
clvsivs l. c. vergl. mit des Wundarztes barent
iansz
Verhael vansebald de weert etc. Amst.

1600. 4to transv. fol. D. 3. u. E. I.
Seb. de Weert, Oliv. van Noort etc.**)
**) 
Voyagie om den geheelen Werelt Cloot dooroliv. v.
noort
. Rotterd.
1602. 4 transv. p. 22.

brauchten den Baum zu Bauholz, davon sich nach
Ritter Narborough’s Versicherung Stämme von
40 Zoll im Durchmesser finden.
Von vielen Seefahrern die die Strasse besucht,
sind die Blätter und Rinde statt Würze***)
***) 
Voyages and Discoveries to the South and North.Lond.
1694. 8. p. 68.
ans
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[169]
Essen, besonders zu den Muscheln etc. gebraucht
worden. Vorzüglich die Kerne in den Beeren die
dem besten Pfeffer am Geschmacke äneln.*)
*) 
Sr. richard hawkinss voyage into the South Sea.
in pvrchashis pilgrimes vol. IV. p.
1390.
Eben so hat man die Rinde ins Trinkwasser
gelegt, das dadurch angenehme Farbe und Ge-
schmack erhält.**)
**) 
Sr. iohn narborovgh l. c.
Als Arzney ist sie bekantlich am häufigsten ge-
gen den Schaarbock gebraucht und allgemein würk-
sam befunden worden.***)
***) 
s. die in riegerintrod. vol. III. p. 1087. u. f. an-
gef. Stellen u. a. m.
G. Handisyd gab sie, ebenfalls mit besten Er-
folg, gegen die heftigen Folgen des Genusses von
Seelöwen-Fleisch, das den Kranken die Haut in
grossen Stücken vom Leibe fallen machte etc. und
brauchte auch die Blätter zu Fomentationen.****)
****) 
s. philos.Transact. l. c.
2. Eine neue Art Drachenblut, aus der
Botany Bay an der Ostküste von Neu-Holland,
wo es Cptn Cook mit Ritter Banks und Dr. Sol-
ander
im May 1770 gefunden.*****)
*****) 
s. hawkesworth’scollect. vol. III. p. 498. und
505.
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[170]
Ich habe es mit vier andern Sorten von Dra-
chenblut
*)
*) 
Bekantlich geben ausser dem Calam. rotang , Dracae-
na draco
 
u. Pterocarpus draco  noch mehrere Ge-
wächse der heissen Zonen, zumal Bäume mit rothen
Holz, Drachenblut. s. linnésupplem.system.vege-tabil. p. 317. und 319. und hawkesworth a. a. O.
S. 520 u. f.
die im Museum befindlich sind, vergli-
chen, und es ist dem äussern Anschein nach, un-
ter allen das feinste; schwarz, auf dem frischen
Bruche glänzend, und in den Rissen brennend gra-
natroth; aber gepülvert wird es Leber- oder Zimmt-
farben. Am Lichte schmilzt es wenig, sondern
brennt gleich zu einer bläserigen Kohle. Im Wein-
geist wird es gröstentheils aufgelöst und färbt ihn
ganz Granatroth. Im Wasser löst sich wenig da-
von auf, das davon trübe und Pechfarben wird.
Der Baum aus welchen es schwitzt hat die
Grösse und das Ansehen einer Eiche und ein schweh-
res hartes Holz von dunkler Farbe, wie Lign. vitae. 
In verschiednen dieser Bäume fanden die gedachten
berühmte Reisende Sprossen oder Tritte – etwa
3 Fuß hoch von einander eingeschnitten.
Dieß stimmt mit Abel Tasman’s**)
**) 
in dalrymple’scollect. vol. II. p. 68 u. f.
Erzählung
überein der im Dec. 1642 in der Friedrich Hein-
richs-Bucht
ebenfalls dergleichen Drachenblut an
Bäumen mit Einschnitten wie Staffeln fand, die
etwa 5 F. weit von einander geschnitten waren.
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[171]
Die Stämme dieser Bäume waren allein bis an die
Aeste über 60 F. hoch, und hielten wol 2½ Faden im
Umfang.
Und eben solche Drachenblut-Bäume mit Ein-
schnitten fand auch a.1696Wilh. de Vlaming*)
*) 
in nic. witsenNoord en Oost Tartarye vol. I.
p.
180. Der zweyten Ausg. von 1705.

in einer dritten Gegend von Neu-Holland, nem-
lich in der von ihm sogenannten Witsens-Bucht.
Die Absicht der eingeschnittnen Staffeln hat
keiner dieser Reisenden mit Zuverlässigkeit erfahren
können. Aber so viel scheint gewiß, daß die Neu-
Holländer das Drachenblut sammlen und benutzen,
wenigstens zu ihren Geräthen. Denn der Bür-gem.Witsen**)
**) 
a. a. O. S. 175.
beschreibt sehr genau eine stei-
nerne Axt mit einem hölzernen Stiel, die von den
Holländern a.1658. an der Westküste von Neu-
Holland
gefunden, und ganz damit überzogen und
gleichsam lackirt war.
3. Unter der grossen Menge von Südländi-
schen Waffen sind auch zwey überaus kunstreich ge-
arbeitete Pfeile***)
***) 
g.forster’s voyage round the world. vol. II. p. 213.
von Mallicolo, (einer von den
im Jul. 1774. vom Cptn Cook besuchten neuen He-
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0
[172]
briden), deren knöcherne Spitze mit einem rothbrau-
nen harzichten Anstrich überzogen ist, womit sie
nach allen Umständen zu schliessen, vergiftet wer-
den.*)
*) 
Cptn cook’svoyage towards the South Pole and
round the world
vol. II. p.
35 u. f.
Ich habe um die Würkung dieses Giftes zu
versuchen, zweyen Tauben, jeder mit einem der
beiden Pfeile die fleischichsten Theile der Flügel
(humerus ) und beide Schenkel durchstochen, und
die Pfeilspitzen eine Minute lang in der Wunde stecken
lassen. Und einer dritten Taube habe ich etwas von
dem Anstrich abgeschabtes, in eine tief in die gros-
sen Brustmuskeln eingeschnittne Wunde eingestreut
und sie verbunden. Allein alle drey Tauben haben aus-
ser wenigen Zuckungen etc. keinen weitern Nachtheil von
diesen Verwundungen erlitten, sondern waren nach
ohngefähr acht Tagen vollkommen wieder hergestellt,
munter und frisch. Freylich kan aber das Gift
auch binnen den acht Jahren viel von seiner furcht-
baren Kraft verlohren haben.
J.F.B.
Zum Vergrößern anklicken
CC BY-SA 4.0

Abbildung



Kupferstich von Seite 1
Digitalisat/9