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ANNALEN
DER
PHYSIK,
NEUE FOLGE.

JAHRGANG 1813, STÜCK 12.
ODER
FÜNFZEHNTEN BANDES VIERTES STÜCK.

HERAUSGEGEBEN
VON
LUDWIG WILHELM GILBERT
DR. D.PH.U.M., ORD. PROFESSOR D. PHYSIK ZU LEIPZIG,
MITGLIED D.KÖN.GESS.D.WISS. ZU HAARLEMU. ZU KOPENHAGEN,
DER GES.NATURF. FREUNDE IN BERLIN, DER BATAV.GES.D.NATURK. ZU
ROTTERDAM, D.ÖKON.U.D.STAATSW.GESS. ZU LEIPZ., U.D.GESS. ZU
ERLANG., GRÖNING., HALLE, JENA, MAINZ, POTSDAM UND ROSTOCK,
UND CORRESP. MITGLIED D.KAIS.AKAD. DER WISS. ZU PETERSBURG,
DER KÖNIGL. AKADEMIEN DER WISS. ZU BERLINU. ZU MÜNCHEN,
UND DER KÖN.GES.D.WISS. ZU GÖTTINGEN.

NEBST EINER KUPFERTAFEL.

LEIPZIG
BEI JOH. AMBROSIUS BARTH1813.
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[425]

V.
Ueber die fossilen Gebeine von Elephanten und
Mammutsthieren, und über andere präadamiti-
sche Thier- und Pflanzen-Reste, besonders aus
den Hannöverschen Landen
,
von dem
Hofrath Blumenbach in Göttingen.
(aus zwei Vorles.geh. in d.königl.Ges.d.Wiss. zu Gött.
im Mai 1808u. im Dec. 1813*)
*) 
Ausgezogen aus d.Götting.gel. Anzeigen von Gilbert.
.

Im Jahre 1751 wurden zwischen Osterode und Herz-
berg
am Vorharze
die fossilen Gebeine von nicht
weniger als 5 präadamitischen Rhinocern ausge-
graben; und einer der ersten Professoren der 17
Jahre vorher gestifteten Universität Göttingen, der
verdienstvolle Hollmann, hat davon eine Be-
schreibung gegeben, die als Muster von anatomisch
genauer vergleichender Untersuchung solcher wich-
tigen osteologischen Denkmahle der catastrophirten
Vorwelt, in der Literatur dieser Denkmahle eine
Epoche macht**)
**) 
Sie findet sich in dem 2ten Bande der Commentarien der
Gött. Societät.
. Was diesen Fund für die phy-
sische Geschichte unsers Planeten besonders lehr-
reich macht, war die Zahl dieser Ungeheuer, die da
ihre gemeinschaftliche Grabstätte gefunden hatten.
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Sie widerlegte sehr entscheidend die sonst gäng und
gebe Meinung, als ob diese weiland tropischen Ge-
schöpfe durch eine gewaltige Fluth aus Südindien
nach der nördlichen alten Welt getrieben seyn soll-
ten; denn alle andere Gegengründe abgerechnet,
so frägt man, durch welches Wunder, oder viel-
mehr durch welche undenkbare Concurrenz von
Wundern, solch eine Heerde von Rhinocern aus
dem Herzen von Indien nach dem Fusse des Har-
zes
, so ein 1500 Meilen weit, hätte ungetrennt ge-
fluthet werden können.
Nun an eben diesem Gebirgsfusse, kaum eine
Stunde von jener Lagerstätte entfernt, zwischen
Osterode und Dorste, ist so eben [d.h. im Frühjahre
1808] ein anderes ausnehmend ergiebiges Ablager
von fossilen Knochen
sehr verschiedenartiger tro-
pischer Geschöpfe, namentlich von Rhinocern,
Elephanten
und Hyänen, entdeckt worden, wo-
von Hr. Hofr. Blumenbach durch die Fürsorge
des Amtmanns Kern und des Apothekers Hinck zu
Osterode einen merkwürdigen Vorrath erhalten,
und der königl. Societät in einem zweiten Speci-
men archaeologiae telluris
*)
*) 
S. die Götting.gel. Anzeigen vom J. 1801. St. 199.
Nachricht davon er-
theilt hat.
Sie fanden sich zwischen den dasigen Gypsfel-
sen in einem Mergel-Lager, nur etwa 2 Fuss tief
unter der Oberfläche.
Die darunter befindlichen Elephantenknochen
sind ebenfalls von mehr als Einem Individuum.
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[427]
Denn vier trefflich erhaltene Backzähne, die Hr.
Blumenbach
vor sich hat, müssen, nach der Ver-
schiedenheit ihrer Grösse und der eben so verschie-
denen Art, wie die Mahlflächen ihrer Kronen, mehr
oder minder, durchs Kauen abgenutzt sind, we-
nigstens zweien Individuen zugehört haben. Auch
finden sich darunter zwei, ebenfalls nicht zusam-
menpassende, Elfenbein- oder Stosszähne
, beide
von jungen Thieren; der eine ist 2 Pariser Fuss
4 Zoll lang.
Man kennt die wundersame Weise des Zah-
nens und des Zahnwechsels der Elephanten, dass
nämlich ihre aus vertikal stehenden Platten beste-
henden Backzähne nicht, wie bei andern Thieren,
mit der ganzen Krone, sondern erst nur mit der
vordern Ecke derselben hervorbrechen, worauf
dann allgemach die dahinter gelegenen gleichfalls
aus dem Zahnfleische herausgeschoben, und nach
und nach durchs Kauen abgeschliffen werden; und
dass hinwiederum mit den Jahren die vordern ver-
tikalen Zahnplatten nach der Reihe durch Ab-
sorption schwinden, so dass von einem vorher in
seiner vollen Grösse bis 12 und mehr Pfund wiegen-
den Backzahn, nachher gleichsam nur noch ein ver-
kleinertes Modell von wenigen Lothen übrig ist.
Die gedachten vier fossilen Backzähne machen
zusammen eine seltene und lehrreiche Folge, um
dieses zu versinnlichen. An dem grössten, auf der
Bahn 7 Pariser Zoll langen, von 16 Platten, ist nur
die vordere Ecke wenig abgeschliffen; die übrige
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Krone hat noch so, wie sie im Zahnfleisch gelegen,
ihren convexen unversehrten Rücken. An dem
zweiten
, 5 Zoll langen, von 12 Platten, ist die Hälfte
der Krone durchs Kauen abgerieben. Der dritte,
4 Zoll lange, von 8 Platten, hat eine völlig ebne
Mahlfläche. Vom allerkleinsten, keine 2 Zoll lan-
gen, von 6 Platten, ist bei weitem der grösste Theil
der ganzen Krone abgeschliffen.
Das Seltenste in dem neuen Funde ist ein
aus seinen beiden zusammenpassenden Hälften be-
stehender, fast vollständiger Unterkiefer einer mäch-
tig grossen und (wie die durch vieljähriges Zerflei-
schen stark abgenutzten Zähne zeigen) hochbetag-
ten Hyäne; so viel bekannt, das completste Stück
dieser Art, das noch gefunden ist. Denn dass sonst
auch fossile Hyänengebeine neben denen von Ele-
phanten und Rhinocern in Deutschland und Frank-
reich
ausgegraben worden, wissen wir aus Herrn
Cuvier’s
classischen gehaltreichen Arbeiten über
alle diese fossilen Denkmahle der Vorwelt.
Aus der Nachbarschaft jenes ergiebigen Abla-
gers bey Osterode, doch mehr gen Herzberg zu,
war dem Verf. schon vorher ein mit seinen Backzäh-
nen versehenes Stück vom fossilen Kiefer eines lö-
wen-
oder tigerartigen Raubthiers
gebracht wor-
den; die gleiche Thierart, von der auch der schöne
Oberschedel aus der Scharzfelder Knochenhöhle
herrührt, welcher sich in der Leibnitzischen Samm-
lung im Göttingischen academischen Museum befin-
det, und den neuerlich der Hr. geh. Rath Söm-
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merring mit seiner meisterhaften Genauigkeit be-
schrieben hat. Nun dazu den colossalen Höhlenbär
selbst gerechnet, dessen zahllose Gebeine sowohl in
der Scharzfelder als in der Baumanns-Höhle gefun-
den worden, so giebt diess zusammen einen ganz
bedeutenden Beitrag zur präadamitischen Fauna der
nunmehrigen Harzgegend.
Hr. Blumenbach fügte seiner Nachricht ein
Verzeichniss der ihm bekannten Stellen des Harzes
bey, wo früher schon Reste vom fossilen Elephas
primigenius
 
ausgegraben worden. Zuerst schon in
der Mitte des 17. Jahrhunderts bey Herzberg*)
*) 
Dr. Scheffer’s Harzreise vom J. 1663, in Grundig’s
Sammlungen.
;
1724 bey Osterode**)
**) 
Der Ilfelder Ritter, in Handschriftl. Nachrichten.
; 1742 eben daselbst***)
***) 
Dr. König, in Kohl’sHamburg. Berichten.
;
1748 bey Mauderode im Hohnsteinischen****)
****) 
Ritter.
;
1803 bey Steigerthal in der gleichen Grafschaft†)
†) 
Hofr. Feder, im Hannöverschen Magazin.
;
und zu verschiedenen Zeiten selbst in der Bau-
mannshöhle
††)
††) 
Nach Lesser, Zückert, Silberschlag und Merk.
.
Zum Schluss noch ein Wort über den langsa-
men Gang, den die Anerkennung der fossilen Ele-
phanten für das, was sie sind, genommen hat, als
merkwürdiges Beispiel des Ganges so mancher Auf-
klärung in Erfahrungs-Wissenschaften überhaupt,
wenn er durch einmal verjährte Vorurtheile er-
schwert wird.
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[430]
Schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts hatte
der fürwahr grosse, nur leider zu überschwenglich
schreibselige Naturforscher Aldrovandi einen
unverkennbar fossilen Elephantenkiefer, als solchen
beschrieben; nicht in seinem mineralogischen Wer-
ke, sondern in der trefflichen Jugendarbeit von
den antiken Statüen in Rom*)
*) 
Wo auch er zuerst der mediceischen Venus, des so ge-
nannten Antinous, des Schleifers etc. gedacht hat.
. Und doch haben
erst noch zwei lange Jahrhunderte dazu gehört, ehe
endlich die Ueberzeugung von der Wirklichkeit
der zahllosen fossilen Elephantenknochen, selbst
bei den Herren von der gelehrten Bank, allgemein
geworden ist.
Wie 1695 das schöne Elephantengerippe bei
Tonna im Gothaischen ausgegraben ward, war es
kein Naturkundiger von Profession, sondern der
wackre Bibliothekar und Historiographus in Gotha,
Tenzel, der es sogleich für das, was es war, an-
erkannte. Da hingegen das ganze zeitige Colle-
gium medicum
dasigen Orts in derben, nun frei-
lich längst verschollenen, Druckschriften es für
„ein Minerale“ erklärte, „so in der marga arenosa ,
gleichsam in sua matrice , nach und nach gezeugt
worden.“
Und der sonst grundgelehrte Hiob Lu-
dolf
wollte, wenn das ja ein Elephant seyn sollte,
ihn lieber für Karl’s des Grossen seinen halten, als
zugeben, dass er fossil sey, und von einer Erd-
Catastrophe zeuge, weil er meinte: unico hoc
 
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exemplo contigisse, cum nullum aliud unquam da-
tum fuerit
 
*)
*) 
In J.D.Winkler’stheolog.Abhandl.
.
Als lange vorher, 1577, dergleichen Gebeine
unter einer vom Sturm ausgewurzelten Eiche im
Lucerner Gebiet aufgefunden waren, erklärte sie
der tüchtige Anatom Fel.Plater, Prof. zu Basel
und Lehrer von halb Europa, zwar für wahre Kno-
chen, aber nicht von Elephanten, sondern von
einem netto 19 Fuss langen Menschenkinde; auf
welches Wort eines solchen Meisters dann auch die
Lucerner diesen vermeinten Riesen von Stund an
zum Schildhalter ihres Stadtwappens erkohren, ihn
in Lebensgrösse am Rathhaus ausmahlen liessen,
und seine Gebeine bei dem heiligen Panner, das
der edle Petermann von Gundoldingen in der Sem-
pacher Schlacht getragen, und das mit seinem Hel-
denblute getränkt ist, im Stadt-Archiv aufbewahr-
ten. Ein neuerer verdienter Gelehrter, der Land-
voigt Engel
glaubte, dass unser Planet vor der
jetzigen Schöpfung von den gefallenen Engeln be-
wohnt gewesen, und dass manche vermeinte fossile
Elephantenknochen, und darunter namentlich
jene Lucerner
, den Gerippen solcher Engel zuge-
hört haben**)
**) 
Quand et comment l’Amérique a-t-elle été peuplée.
.
Der grosse Leibniz liess einen bei Tiede un-
weit Wolfenbüttel
gegrabenen Elephanten-Back-
zahn
mit der Beischrift stechen: Dens animalis ma-
 
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rini Tidae effossi.  Und ein sonst braver Oryktolo-
ge nimmt das in einer seiner nützlichen Schriften
für ein ihm unbekanntes Seethier, Namens Tiede.
Eine abgelösete einzelne Vertical-Platte eines
jungen Elephanten-Backzahns, hielt der verdiente
Kundmann für eine versteinte unschätzbare Pa-
vianspfote
, so wie ähnliche Stücken weiland für
gefingerte lusus naturae  gehalten wurden; ein
Wahn, den doch schon der wackre Regensburger
Apotheker Harrer vor 60 Jahren widerlegt hat*)
*) 
*) In Kohl’s gesammeltem Briefwechsel der Gelehrten.
.

ZUSATZ.

Als dieses schon abgedruckt war, fand ich in den Gött.
gel. Anzeigen
, dass Herr Hofrath Blumenbach diesen
seinen zweiten Versuch aus der Archäologie der Erde vor
kurzem noch bedeutend erweitert der königl.Ges.d.Wiss. zu
Göttingen
vorgelegt hat, und trage hier nach, was er selbst
davon sagt.
G.
Es war eine Haupttendenz des erstern früheren
Versuchs**)
**) 
Specimen archaeologiae telluris terrarumque inprimis
Hannoveranarum
, in den Commentat.recentior.Soc.
Sc.Reg.Gott.
A. 1801. Vol. 16.
, zu erweisen, dass so viele weiland tro-
pische Thiere, deren fossile Reste jetzt in unsern
nördlicheren Zonen ausgegraben werden, nicht,
(wie doch noch neuerlich berühmte Geologen an-
genommen haben,) durch eine Fluth aus Südindien
hierher getrieben seyn können, sondern einst hier
einheimisch gehaust haben müssen. Dieser Erweis
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erhält in gegenwärtigem zweiten Versuche ein neues
Gewicht durch den reichen Fund von fossilen Gebei-
nen einer kleinen Horde von Mammutsthieren, die
neuerlich, zugleich mit denen von Löwen und Hyä-
nen
, in einem Mergel-Lager zwischen Osterode und
Herzberg, am Vorharze gefunden worden sind, kaum
1 Stunde von dem Orte, wo man 50 J. vorher, ebenfalls
im aufgeschwemmten Lande, die fossilen Ueberreste
einer präadamitischen Rhinocer-Familie in ihrer
Lagerstätte entdeckt hatte, welche der um die phi-
losophische Petrefactenkunde sehr verdiente Holl-
mann
beschrieben hat. In der [vorstehenden]
vorläufigen Nachricht sind die einzelnen Stücke die-
ses neuen Fundes ausführlicher angegeben; daher
hier nur die Bemerkung, dass die fossile Hyäne an
mächtiger Grösse und an Form der Knochen der
südafrikanischen gefleckten Gattung dieses Ge-
schlechts (Canis crocuta ) am nächsten kömmt.
Zur Vergleichung legte Hr. Blumenbach den
frischen Schedel von dieser aus seiner Sammlung
vor, der selbst wieder dem von einer alten Löwin,
die er unlängst zergliedert hat, an Grösse nichts
nachgiebt, aber doch nicht an die der fossilen
Hyäne von Osterode reicht.
Auch zu den tropischen Geschöpfen, obschon
ganz anderer Art, die aber ebenfalls in den Zeiten
der präadamitischen Vorwelt in der Erdzone, die
wir jetzt bewohnen, einheimisch gewesen seyn müs-
sen, gehören so viele der fremdartigen Insecten in
Bernstein
, wovon der Verf. die sprechendsten Be-
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lege aus seiner Sammlung vorzeigte; namentlich
mancherlei exotische Gattungen des Schabenge-
schlechts
, nicht specifisch den jetzigen Indischen
gleichend, aber doch manchen derselben auffallend
ähnelnd; theils noch als Larven: die völlig ver-
wandelten zum Theil wie in der regsamsten Leben-
digkeit des Flugs etc.; eine sogar noch mit voller
Frischheit ihrer natürlichen Farben. – Die eben so
seltene als merkwürdige Frucht des Bernstein-
Baums
, wovon der Verf. ebenfalls mehrere Exem-
plare vorlegte, die er der Güte des verdienstvollen
Hrn. Medicinalraths Hagen zu Königsberg ver-
dankt, hat neuerlich ein berühmter Botaniker der
von Phyllanthus emblica  ähnlich finden wollen*)
*) 
In diesen Annal Jahrg. 1805, B. 19. S. 181.G.
,
mit welcher sie aber kaum nur eine entfernte Ver-
gleichung aushält. Weit mehr ähnelt sie der Frucht-
kapsel des ostindischen Baums, welcher das als köst-
liches Rauchwerck berühmte sogenante Aloëholz
(Aloexylum agallochum Loureir. ) liefert; und
hiermit stimmte auch die Vergleichung mehrerer
Stücke von jenem harzreichen Holze aus Cochin-
china
selbst, mit mehreren von dem des Bernstein-
Baumes, die noch mit diesem edlen Harze umflos-
sen waren, überein. Versteht sich, dass auch hier-
bey durchaus nicht etwa von identischer Gleichheit,
sondern bloss von unverkennbarer Analogie die
Rede war.
Eben so, nach Analogie, Vergleichung man-
cher ausgezeichnet schönen Deutschen versteinten
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Hölzer mit den Hölzern von tropischen Monoco-
tyledonen
, zumal von Palmen und Filicibus arbo-
reis;
ferner der Stämme und colossalen Blätterab-
drücke von solchen Riesen-Farrnkräutern in Koh-
lenschiefer
und Kohlensandstein, vorzüglichst aus
den Englischen und Schottischen Steinkohlenwer-
ken, ebenfalls verglichen mit analogen Urbildern,
welche der Verf. von St. Helena und aus Ostindien
besitzt. Hauptsächlich aber comparative Untersu-
chung der Fructificationen auf manchen jener
Farrnkrautschiefer, worunter sich die von Whitby
in Yorkshire
an Schärfe der Conservation auszeich-
nen. Und hierbey auch von einem der seltensten
und schönsten, aber von manchen Oryctographen
gar seltsam missgedeuteten, Petrefact, dem Ma-
denstein
in Hornsteingeschieben des Plauenschen
Grundes
.
Nun zu der neuerlich oft pro  und contra  ven-
tilirten Frage, ob die so genannten Deudr-Achate,
auch wohl mitunter wirkliche Vegetabilien, Moos,
oder auch Theile von andern Gewächsen enthal-
ten? Der Verf. glaubt, nach genauer Untersuchung,
sie allerdings bejahen zu müssen. Er besitzt einige
solche Moosachate aus Island und Jekaterinburg,
die wohl sicherlich wirkliche Conferven zu enthal-
ten scheinen; und hat von einem vormahligen wer-
then Zuhörer, dem Hrn. Dr. Liesching, aus
der Capstadt einen höchst merkwürdigen sehr erha-
ben (als goutte de Suif ) geschliffenen Chalcedon
erhalten, welchen einer der kleinen Javanischen
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Fürsten, von Bandong in den Priangerlanden, als
Amulet getragen, und der ganz unverkennbar ein
paar kleine, an deutlichen Stielen seitwärts ansiz-
zende, Fructificationen eines vor der Hand frey-
lich unbestimmbaren Gewächses enthält, die doch
in Form und Lage ungefähr denen am Schwertel
(Sparganium erectum ) ähneln.
Zu den besonders merkwürdigen, in diesem
neuen Specimen  näher untersuchten, Petrefacten
aus den Hannöverschen Churlanden gehören unter
andern mehrere Arten von Seelilien, Schrauben-
steinen, Seeigeln, Krebsen, Trilobiten etc., man-
cherley Corallen bey Hannover und Celle, die
fälschlich so genannten versteinten Muscatennüsse
im BremischenBremischen
u.a.m. Auch bey Gelegenheit der
einzelnen Ammonshörner, die sich in eisenschüssi-
gen Mergelnieren am Heinberge finden, überhaupt
einiges von diesem sonderbaren Vorkommen ein-
zelner Petrefacten aus beiden Reichen, Fische,
Conchylien, Farrnkräuter etc. in solchen Nieren
oder Schwulen.
Digitalisat/15