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ANNALEN
JAHRGANG
HERAUSGEGEBEN
LEIPZIG
BEI JOH. AMBROSIUS BARTH1813 .


V.












[titlePage_recto]
ANNALEN
DER
PHYSIK,
NEUE FOLGE.
JAHRGANG 1813 ,
STÜCK 12.
ODER
FÜNFZEHNTEN BANDES VIERTES STÜCK.
HERAUSGEGEBEN
VON
LUDWIG WILHELM
GILBERT
DR. D.PH.U.M., ORD. PROFESSOR D. PHYSIK ZU LEIPZIG ,
MITGLIED D.KÖN.GESS.D.WISS. ZU HAARLEMU. ZU KOPENHAGEN,
DER GES.NATURF. FREUNDE IN BERLIN, DER BATAV.GES.D.NATURK. ZU
ROTTERDAM , D.ÖKON.U.D.STAATSW.GESS. ZU LEIPZ. , U.D.GESS. ZU
ERLANG. , GRÖNING. , HALLE ,
JENA , MAINZ , POTSDAM UND ROSTOCK ,
UND CORRESP. MITGLIED D.KAIS.AKAD. DER WISS. ZU PETERSBURG,
DER KÖNIGL. AKADEMIEN DER WISS. ZU BERLINU. ZU MÜNCHEN,
UND DER KÖN.GES.D.WISS. ZU GÖTTINGEN.
NEBST EINER KUPFERTAFEL.
BEI JOH. AMBROSIUS BARTH

[[I]]

[[II]]

[425]
V.
Ueber die fossilen Gebeine von
Elephanten und
Mammutsthieren, und über andere präadamiti-
sche Thier- und Pflanzen-Reste, besonders aus
den
Hannöverschen
Landen ,
von dem
Hofrath Blumenbach
in Göttingen .
(aus zwei Vorles.geh. in d.königl.Ges.d.Wiss. zu Gött.
im Mai 1808 u. im Dec. 1813 *)*)
Ausgezogen aus d.Götting.gel. Anzeigen von Gilbert..
Ausgezogen aus d.Götting.gel. Anzeigen von Gilbert.
Im Jahre 1751 wurden zwischen
Osterode und Herz-
berg am Vorharze die fossilen Gebeine von
nicht
weniger als 5 präadamitischen Rhinocern ausge-
graben; und einer der ersten Professoren der 17
Jahre vorher gestifteten Universität Göttingen, der
verdienstvolle Hollmann, hat davon eine Be-
schreibung gegeben, die als Muster von anatomisch
genauer vergleichender Untersuchung solcher wich-
tigen osteologischen Denkmahle der catastrophirten
Vorwelt, in der Literatur dieser Denkmahle eine
Epoche macht**)
sische Geschichte unsers Planeten besonders lehr-
reich macht, war die Zahl dieser Ungeheuer, die da
ihre gemeinschaftliche Grabstätte gefunden hatten.
berg am Vorharze
weniger als 5 präadamitischen Rhinocern ausge-
graben; und einer der ersten Professoren der 17
Jahre vorher gestifteten Universität Göttingen, der
verdienstvolle Hollmann, hat davon eine Be-
schreibung gegeben, die als Muster von anatomisch
genauer vergleichender Untersuchung solcher wich-
tigen osteologischen Denkmahle der catastrophirten
Vorwelt, in der Literatur dieser Denkmahle eine
Epoche macht**)
**)
. Was diesen Fund für
die phy-Sie findet sich in dem 2ten Bande der
Commentarien der
Gött. Societät.
Gött. Societät.
sische Geschichte unsers Planeten besonders lehr-
reich macht, war die Zahl dieser Ungeheuer, die da
ihre gemeinschaftliche Grabstätte gefunden hatten.

[426]
Sie widerlegte sehr
entscheidend die sonst gäng und
gebe Meinung, als ob diese weiland tropischen Ge-
schöpfe durch eine gewaltige Fluth ausSüdindien
nach der nördlichen alten Welt getrieben seyn soll-
ten; denn alle andere Gegengründe abgerechnet,
so frägt man, durch welches Wunder, oder viel-
mehr durch welche undenkbare Concurrenz von
Wundern, solch eine Heerde von Rhinocern aus
dem Herzen vonIndien
nach dem Fusse des Har-
zes , so ein 1500 Meilen weit, hätte ungetrennt ge-
fluthet werden können.
gebe Meinung, als ob diese weiland tropischen Ge-
schöpfe durch eine gewaltige Fluth aus
nach der nördlichen alten Welt getrieben seyn soll-
ten; denn alle andere Gegengründe abgerechnet,
so frägt man, durch welches Wunder, oder viel-
mehr durch welche undenkbare Concurrenz von
Wundern, solch eine Heerde von Rhinocern aus
dem Herzen von
zes
fluthet werden können.
Nun an eben diesem Gebirgsfusse, kaum eine
Stunde von jener Lagerstätte entfernt, zwischen
Osterode und Dorste ,
ist so eben [d.h. im Frühjahre
1808 ] ein anderes
ausnehmend ergiebiges Ablager
von fossilen Knochen sehr verschiedenartiger tro-
pischer Geschöpfe, namentlich von Rhinocern,
Elephanten und Hyänen, entdeckt worden, wo-
von Hr. Hofr. Blumenbach durch die Fürsorge
des Amtmanns Kern und des Apothekers Hinck zu
Osterode einen
merkwürdigen Vorrath erhalten,
und der königl. Societät in einem zweiten Speci-
men archaeologiae telluris*)
theilt hat.
Stunde von jener Lagerstätte entfernt, zwischen
von fossilen Knochen sehr verschiedenartiger tro-
pischer Geschöpfe, namentlich von Rhinocern,
Elephanten und Hyänen, entdeckt worden, wo-
von Hr. Hofr. Blumenbach durch die Fürsorge
des Amtmanns Kern und des Apothekers Hinck zu
und der königl. Societät in einem zweiten Speci-
men archaeologiae telluris*)
*)
Nachricht davon er-theilt hat.
Sie fanden sich zwischen den dasigen Gypsfel-
sen in einem Mergel-Lager, nur etwa 2 Fuss tief
unter der Oberfläche.
sen in einem Mergel-Lager, nur etwa 2 Fuss tief
unter der Oberfläche.
Die darunter befindlichen Elephantenknochen
sind ebenfalls von mehr als Einem Individuum.
sind ebenfalls von mehr als Einem Individuum.

[427]
Denn vier trefflich erhaltene Backzähne, die Hr.
Blumenbach vor sich hat, müssen, nach der Ver-
schiedenheit ihrer Grösse und der eben so verschie-
denen Art, wie die Mahlflächen ihrer Kronen, mehr
oder minder, durchs Kauen abgenutzt sind, we-
nigstens zweien Individuen zugehört haben. Auch
finden sich darunter zwei, ebenfalls nicht zusam-
menpassende, Elfenbein- oder Stosszähne, beide
von jungen Thieren; der eine ist 2 Pariser Fuss
4 Zoll lang.
Blumenbach vor sich hat, müssen, nach der Ver-
schiedenheit ihrer Grösse und der eben so verschie-
denen Art, wie die Mahlflächen ihrer Kronen, mehr
oder minder, durchs Kauen abgenutzt sind, we-
nigstens zweien Individuen zugehört haben. Auch
finden sich darunter zwei, ebenfalls nicht zusam-
menpassende, Elfenbein- oder Stosszähne, beide
von jungen Thieren; der eine ist 2 Pariser Fuss
4 Zoll lang.
Man kennt die wundersame Weise des Zah-
nens und des Zahnwechsels der Elephanten, dass
nämlich ihre aus vertikal stehenden Platten beste-
henden Backzähne nicht, wie bei andern Thieren,
mit der ganzen Krone, sondern erst nur mit der
vordern Ecke derselben hervorbrechen, worauf
dann allgemach die dahinter gelegenen gleichfalls
aus dem Zahnfleische herausgeschoben, und nach
und nach durchs Kauen abgeschliffen werden; und
dass hinwiederum mit den Jahren die vordern ver-
tikalen Zahnplatten nach der Reihe durch Ab-
sorption schwinden, so dass von einem vorher in
seiner vollen Grösse bis 12 und mehr Pfund wiegen-
den Backzahn, nachher gleichsam nur noch ein ver-
kleinertes Modell von wenigen Lothen übrig ist.
nens und des Zahnwechsels der Elephanten, dass
nämlich ihre aus vertikal stehenden Platten beste-
henden Backzähne nicht, wie bei andern Thieren,
mit der ganzen Krone, sondern erst nur mit der
vordern Ecke derselben hervorbrechen, worauf
dann allgemach die dahinter gelegenen gleichfalls
aus dem Zahnfleische herausgeschoben, und nach
und nach durchs Kauen abgeschliffen werden; und
dass hinwiederum mit den Jahren die vordern ver-
tikalen Zahnplatten nach der Reihe durch Ab-
sorption schwinden, so dass von einem vorher in
seiner vollen Grösse bis 12 und mehr Pfund wiegen-
den Backzahn, nachher gleichsam nur noch ein ver-
kleinertes Modell von wenigen Lothen übrig ist.
Die gedachten vier fossilen Backzähne machen
zusammen eine seltene und lehrreiche Folge, um
dieses zu versinnlichen. An dem grössten, auf der
Bahn 7 Pariser Zoll langen, von 16 Platten, ist nur
die vordere Ecke wenig abgeschliffen; die übrige
zusammen eine seltene und lehrreiche Folge, um
dieses zu versinnlichen. An dem grössten, auf der
Bahn 7 Pariser Zoll langen, von 16 Platten, ist nur
die vordere Ecke wenig abgeschliffen; die übrige

[428]
Krone hat
noch so, wie sie im Zahnfleisch gelegen,
ihren convexen unversehrten Rücken. An dem
zweiten, 5 Zoll langen, von 12 Platten, ist die Hälfte
der Krone durchs Kauen abgerieben. Der dritte,
4 Zoll lange, von 8 Platten, hat eine völlig ebne
Mahlfläche. Vom allerkleinsten, keine 2 Zoll lan-
gen, von 6 Platten, ist bei weitem der grösste Theil
der ganzen Krone abgeschliffen.
ihren convexen unversehrten Rücken. An dem
zweiten, 5 Zoll langen, von 12 Platten, ist die Hälfte
der Krone durchs Kauen abgerieben. Der dritte,
4 Zoll lange, von 8 Platten, hat eine völlig ebne
Mahlfläche. Vom allerkleinsten, keine 2 Zoll lan-
gen, von 6 Platten, ist bei weitem der grösste Theil
der ganzen Krone abgeschliffen.
Das Seltenste in dem neuen Funde ist ein
aus seinen beiden zusammenpassenden Hälften be-
stehender, fast vollständiger Unterkiefer einer mäch-
tig grossen und (wie die durch vieljähriges Zerflei-
schen stark abgenutzten Zähne zeigen) hochbetag-
ten Hyäne; so viel bekannt, das completste Stück
dieser Art, das noch gefunden ist. Denn dass sonst
auch fossile Hyänengebeine neben denen von Ele-
phanten und Rhinocern inDeutschland und Frank-
reich ausgegraben worden, wissen wir aus Herrn
Cuvier’s classischen gehaltreichen Arbeiten über
alle diese fossilen Denkmahle der Vorwelt.
aus seinen beiden zusammenpassenden Hälften be-
stehender, fast vollständiger Unterkiefer einer mäch-
tig grossen und (wie die durch vieljähriges Zerflei-
schen stark abgenutzten Zähne zeigen) hochbetag-
ten Hyäne; so viel bekannt, das completste Stück
dieser Art, das noch gefunden ist. Denn dass sonst
auch fossile Hyänengebeine neben denen von Ele-
phanten und Rhinocern in
reich
Cuvier’s classischen gehaltreichen Arbeiten über
alle diese fossilen Denkmahle der Vorwelt.
Aus der Nachbarschaft jenes ergiebigen Abla-
gers beyOsterode , doch mehr gen Herzberg zu,
war dem Verf. schon vorher ein mit seinen Backzäh-
nen versehenes Stück vom fossilen Kiefer eines lö-
wen- oder tigerartigen Raubthiers gebracht wor-
den; die gleiche Thierart, von der auch der schöne
Oberschedel aus derScharzfelder Knochenhöhle
herrührt, welcher sich in der Leibnitzischen Samm-
lung im Göttingischen academischen Museum befin-
det, und den neuerlich der Hr. geh. Rath Söm-
gers bey
war dem Verf. schon vorher ein mit seinen Backzäh-
nen versehenes Stück vom fossilen Kiefer eines lö-
wen- oder tigerartigen Raubthiers gebracht wor-
den; die gleiche Thierart, von der auch der schöne
Oberschedel aus der
herrührt, welcher sich in der Leibnitzischen Samm-
lung im Göttingischen academischen Museum befin-
det, und den neuerlich der Hr. geh. Rath Söm-

[429]
merring mit seiner meisterhaften Genauigkeit be-
schrieben hat. Nun dazu den colossalen Höhlenbär
selbst gerechnet, dessen zahllose Gebeine sowohl in
derScharzfelder als in der Baumanns-Höhle gefun-
den worden, so giebt diess zusammen einen ganz
bedeutenden Beitrag zur präadamitischen Fauna der
nunmehrigenHarzgegend .
schrieben hat. Nun dazu den colossalen Höhlenbär
selbst gerechnet, dessen zahllose Gebeine sowohl in
der
den worden, so giebt diess zusammen einen ganz
bedeutenden Beitrag zur präadamitischen Fauna der
nunmehrigen
Hr. Blumenbach fügte seiner Nachricht
ein
Verzeichniss der ihm bekannten Stellen desHarzes
bey, wo früher schon Reste vom fossilen Elephas
primigenius ausgegraben worden. Zuerst schon in
der Mitte des17. Jahrhunderts bey
Herzberg *);
1724 bey Osterode **)1742 eben
daselbst***);
1748 bey Mauderode im
Hohnsteinischen ****)
1803 bey
Steigerthal
in der gleichen Grafschaft †);
und zu verschiedenen Zeiten selbst in derBau-
mannshöhle ††)
Verzeichniss der ihm bekannten Stellen des
bey, wo früher schon Reste vom fossilen Elephas
primigenius ausgegraben worden. Zuerst schon in
der Mitte des
**)
; Der Ilfelder Ritter, in Handschriftl. Nachrichten.
****)
;Ritter.
und zu verschiedenen Zeiten selbst in der
mannshöhle
††)
.Zum Schluss noch ein Wort über den langsa-
men Gang, den die Anerkennung der fossilen Ele-
phanten für das, was sie sind, genommen hat, als
merkwürdiges Beispiel des Ganges so mancher Auf-
klärung in Erfahrungs-Wissenschaften überhaupt,
wenn er durch einmal verjährte Vorurtheile er-
schwert wird.
men Gang, den die Anerkennung der fossilen Ele-
phanten für das, was sie sind, genommen hat, als
merkwürdiges Beispiel des Ganges so mancher Auf-
klärung in Erfahrungs-Wissenschaften überhaupt,
wenn er durch einmal verjährte Vorurtheile er-
schwert wird.

[430]
Schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts
hatte
der fürwahr grosse, nur leider zu überschwenglich
schreibselige Naturforscher Aldrovandi einen
unverkennbar fossilen Elephantenkiefer, als solchen
beschrieben; nicht in seinem mineralogischen Wer-
ke, sondern in der trefflichen Jugendarbeit von
den antiken Statüen inRom *)
erst noch zwei lange Jahrhunderte dazu gehört, ehe
endlich die Ueberzeugung von der Wirklichkeit
der zahllosen fossilen Elephantenknochen, selbst
bei den Herren von der gelehrten Bank, allgemein
geworden ist.
der fürwahr grosse, nur leider zu überschwenglich
schreibselige Naturforscher Aldrovandi einen
unverkennbar fossilen Elephantenkiefer, als solchen
beschrieben; nicht in seinem mineralogischen Wer-
ke, sondern in der trefflichen Jugendarbeit von
den antiken Statüen in
*)
. Und doch
habenWo auch er zuerst der
mediceischen Venus, des so ge-
nannten Antinous, des Schleifers etc. gedacht hat.
nannten Antinous, des Schleifers etc. gedacht hat.
erst noch zwei lange Jahrhunderte dazu gehört, ehe
endlich die Ueberzeugung von der Wirklichkeit
der zahllosen fossilen Elephantenknochen, selbst
bei den Herren von der gelehrten Bank, allgemein
geworden ist.
Wie 1695 das schöne Elephantengerippe bei
Tonna im
Gothaischen ausgegraben
ward, war es
kein Naturkundiger von Profession, sondern der
wackre Bibliothekar und Historiographus inGotha ,
Tenzel, der es sogleich für das, was es war, an-
erkannte. Da hingegen das ganze zeitige Colle-
gium medicum dasigen Orts in derben, nun frei-
lich längst verschollenen, Druckschriften es für
„ein Minerale“ erklärte, „so in der marga arenosa ,
gleichsam in sua matrice , nach und nach gezeugt
worden.“ Und der sonst grundgelehrte Hiob Lu-
dolf wollte, wenn das ja ein Elephant seyn sollte,
ihn lieber für Karl’s des Grossen seinen halten, als
zugeben, dass er fossil sey, und von einer Erd-
Catastrophe zeuge, weil er meinte: unico hoc
kein Naturkundiger von Profession, sondern der
wackre Bibliothekar und Historiographus in
Tenzel, der es sogleich für das, was es war, an-
erkannte. Da hingegen das ganze zeitige Colle-
gium medicum dasigen Orts in derben, nun frei-
lich längst verschollenen, Druckschriften es für
„ein Minerale“ erklärte, „so in der marga arenosa ,
gleichsam in sua matrice , nach und nach gezeugt
worden.“ Und der sonst grundgelehrte Hiob Lu-
dolf wollte, wenn das ja ein Elephant seyn sollte,
ihn lieber für Karl’s des Grossen seinen halten, als
zugeben, dass er fossil sey, und von einer Erd-
Catastrophe zeuge, weil er meinte: unico hoc

[431]
Als lange vorher, 1577 , dergleichen Gebeine
unter einer vom Sturm ausgewurzelten Eiche im
Lucerner Gebiet
aufgefunden waren, erklärte sie
der tüchtige Anatom Fel.Plater, Prof. zuBasel
und Lehrer von halbEuropa , zwar für wahre Kno-
chen, aber nicht von Elephanten, sondern von
einem netto 19 Fuss langen Menschenkinde; auf
welches Wort eines solchen Meisters dann auch die
Lucerner diesen vermeinten Riesen von Stund an
zum Schildhalter ihres Stadtwappens erkohren, ihn
in Lebensgrösse am Rathhaus ausmahlen liessen,
und seine Gebeine bei dem heiligen Panner, das
der edle Petermann von Gundoldingen in der Sem-
pacher Schlacht getragen, und das mit seinem Hel-
denblute getränkt ist, im Stadt-Archiv aufbewahr-
ten. Ein neuerer verdienter Gelehrter, der Land-
voigt Engel glaubte, dass unser Planet vor der
jetzigen Schöpfung von den gefallenen Engeln be-
wohnt gewesen, und dass manche vermeinte fossile
Elephantenknochen, und darunter namentlich
jene Lucerner, den Gerippen solcher Engel zuge-
hört haben**).
unter einer vom Sturm ausgewurzelten Eiche im
der tüchtige Anatom Fel.Plater, Prof. zu
und Lehrer von halb
chen, aber nicht von Elephanten, sondern von
einem netto 19 Fuss langen Menschenkinde; auf
welches Wort eines solchen Meisters dann auch die
Lucerner diesen vermeinten Riesen von Stund an
zum Schildhalter ihres Stadtwappens erkohren, ihn
in Lebensgrösse am Rathhaus ausmahlen liessen,
und seine Gebeine bei dem heiligen Panner, das
der edle Petermann von Gundoldingen in der Sem-
pacher Schlacht getragen, und das mit seinem Hel-
denblute getränkt ist, im Stadt-Archiv aufbewahr-
ten. Ein neuerer verdienter Gelehrter, der Land-
voigt Engel glaubte, dass unser Planet vor der
jetzigen Schöpfung von den gefallenen Engeln be-
wohnt gewesen, und dass manche vermeinte fossile
Elephantenknochen, und darunter namentlich
jene Lucerner, den Gerippen solcher Engel zuge-
hört haben**).
Der grosse Leibniz liess einen bei Tiede un-
weit Wolfenbüttel gegrabenen Elephanten-Back-
zahn mit der Beischrift stechen: Dens animalis ma-
weit Wolfenbüttel
zahn mit der Beischrift stechen: Dens animalis ma-

[432]
rini Tidae effossi.
Und ein sonst braver Oryktolo-
ge nimmt das in einer seiner nützlichen Schriften
für ein ihm unbekanntes Seethier, Namens Tiede.
ge nimmt das in einer seiner nützlichen Schriften
für ein ihm unbekanntes Seethier, Namens Tiede.
Eine abgelösete einzelne Vertical-Platte eines
jungen Elephanten-Backzahns, hielt der verdiente
Kundmann für eine versteinte unschätzbare Pa-
vianspfote, so wie ähnliche Stücken weiland für
gefingerte lusus naturae gehalten wurden; ein
Wahn, den doch schon der wackre Regensburger
Apotheker Harrer vor 60 Jahren widerlegt hat*).
jungen Elephanten-Backzahns, hielt der verdiente
Kundmann für eine versteinte unschätzbare Pa-
vianspfote, so wie ähnliche Stücken weiland für
gefingerte lusus naturae gehalten wurden; ein
Wahn, den doch schon der wackre Regensburger
Apotheker Harrer vor 60 Jahren widerlegt hat*).
ZUSATZ.
Als dieses schon abgedruckt war, fand ich in den
Gött.
gel. Anzeigen, dass Herr Hofrath Blumenbach diesen
seinenzweiten Versuch aus der Archäologie der
Erde vor
kurzem noch bedeutend erweitert der königl.Ges.d.Wiss. zu
Göttingen vorgelegt hat, und trage hier nach, was er selbst
davon sagt.
gel. Anzeigen, dass Herr Hofrath Blumenbach diesen
seinen
kurzem noch bedeutend erweitert der königl.Ges.d.Wiss. zu
Göttingen vorgelegt hat, und trage hier nach, was er selbst
davon sagt.
G.
Es war eine Haupttendenz des erstern
früheren
Versuchs**), zu erweisen, dass so viele weiland tro-
pische Thiere, deren fossile Reste jetzt in unsern
nördlicheren Zonen ausgegraben werden, nicht,
(wie doch noch neuerlich berühmte Geologen an-
genommen haben,) durch eine Fluth ausSüdindien
hierher getrieben seyn können, sondern einst hier
einheimisch gehaust haben müssen. Dieser Erweis
Versuchs**), zu erweisen, dass so viele weiland tro-
pische Thiere, deren fossile Reste jetzt in unsern
nördlicheren Zonen ausgegraben werden, nicht,
(wie doch noch neuerlich berühmte Geologen an-
genommen haben,) durch eine Fluth aus
hierher getrieben seyn können, sondern einst hier
einheimisch gehaust haben müssen. Dieser Erweis

[433]
erhält in gegenwärtigem zweiten Versuche
ein neues
Gewicht durch den reichen Fund von fossilen Gebei-
nen einer kleinen Horde von Mammutsthieren, die
neuerlich, zugleich mit denen von Löwen und Hyä-
nen, in einem Mergel-Lager zwischenOsterode und
Herzberg, am Vorharze gefunden worden sind, kaum
1 Stunde von dem Orte, wo man 50 J. vorher, ebenfalls
im aufgeschwemmten Lande, die fossilen Ueberreste
einer präadamitischen Rhinocer-Familie in ihrer
Lagerstätte entdeckt hatte, welche der um die phi-
losophische Petrefactenkunde sehr verdiente Holl-
mann beschrieben hat. In der [vorstehenden]
vorläufigen Nachricht sind die einzelnen Stücke die-
ses neuen Fundes ausführlicher angegeben; daher
hier nur die Bemerkung, dass die fossile Hyäne an
mächtiger Grösse und an Form der Knochen der
südafrikanischen gefleckten Gattung dieses Ge-
schlechts (Canis crocuta ) am nächsten kömmt.
Zur Vergleichung legte Hr. Blumenbach den
frischen Schedel von dieser aus seiner Sammlung
vor, der selbst wieder dem von einer alten Löwin,
die er unlängst zergliedert hat, an Grösse nichts
nachgiebt, aber doch nicht an die der fossilen
Hyäne vonOsterode reicht.
Gewicht durch den reichen Fund von fossilen Gebei-
nen einer kleinen Horde von Mammutsthieren, die
neuerlich, zugleich mit denen von Löwen und Hyä-
nen, in einem Mergel-Lager zwischen
1 Stunde von dem Orte, wo man 50 J. vorher, ebenfalls
im aufgeschwemmten Lande, die fossilen Ueberreste
einer präadamitischen Rhinocer-Familie in ihrer
Lagerstätte entdeckt hatte, welche der um die phi-
losophische Petrefactenkunde sehr verdiente Holl-
mann beschrieben hat. In der [vorstehenden]
vorläufigen Nachricht sind die einzelnen Stücke die-
ses neuen Fundes ausführlicher angegeben; daher
hier nur die Bemerkung, dass die fossile Hyäne an
mächtiger Grösse und an Form der Knochen der
südafrikanischen gefleckten Gattung dieses Ge-
schlechts (Canis crocuta ) am nächsten kömmt.
Zur Vergleichung legte Hr. Blumenbach den
frischen Schedel von dieser aus seiner Sammlung
vor, der selbst wieder dem von einer alten Löwin,
die er unlängst zergliedert hat, an Grösse nichts
nachgiebt, aber doch nicht an die der fossilen
Hyäne von
Auch zu den tropischen Geschöpfen, obschon
ganz anderer Art, die aber ebenfalls in den Zeiten
der präadamitischen Vorwelt in der Erdzone, die
wir jetzt bewohnen, einheimisch gewesen seyn müs-
sen, gehören so viele der fremdartigen Insecten in
Bernstein, wovon der Verf. die sprechendsten Be-
ganz anderer Art, die aber ebenfalls in den Zeiten
der präadamitischen Vorwelt in der Erdzone, die
wir jetzt bewohnen, einheimisch gewesen seyn müs-
sen, gehören so viele der fremdartigen Insecten in
Bernstein, wovon der Verf. die sprechendsten Be-

[434]
lege aus seiner Sammlung
vorzeigte;
namentlich
mancherlei exotische Gattungen des Schabenge-
schlechts, nicht specifisch den jetzigen Indischen
gleichend, aber doch manchen derselben auffallend
ähnelnd; theils noch als Larven: die völlig ver-
wandelten zum Theil wie in der regsamsten Leben-
digkeit des Flugs etc.; eine sogar noch mit voller
Frischheit ihrer natürlichen Farben. – Die eben so
seltene als merkwürdige Frucht des Bernstein-
Baums, wovon der Verf. ebenfalls mehrere Exem-
plare vorlegte, die er der Güte des verdienstvollen
Hrn. Medicinalraths Hagen zuKönigsberg ver-
dankt, hat neuerlich ein berühmter Botaniker der
von Phyllanthus emblica ähnlich finden wollen*),
mit welcher sie aber kaum nur eine entfernte Ver-
gleichung aushält. Weit mehr ähnelt sie der Frucht-
kapsel des ostindischen Baums, welcher das als köst-
liches Rauchwerck berühmte sogenante Aloëholz
(Aloexylum agallochum Loureir. ) liefert; und
hiermit stimmte auch die Vergleichung mehrerer
Stücke von jenem harzreichen Holze ausCochin-
china selbst, mit
mehreren von dem des Bernstein-
Baumes, die noch mit diesem edlen Harze umflos-
sen waren, überein. Versteht sich, dass auch hier-
bey durchaus nicht etwa von identischer Gleichheit,
sondern bloss von unverkennbarer Analogie die
Rede war.
mancherlei exotische Gattungen des Schabenge-
schlechts, nicht specifisch den jetzigen Indischen
gleichend, aber doch manchen derselben auffallend
ähnelnd; theils noch als Larven: die völlig ver-
wandelten zum Theil wie in der regsamsten Leben-
digkeit des Flugs etc.; eine sogar noch mit voller
Frischheit ihrer natürlichen Farben. – Die eben so
seltene als merkwürdige Frucht des Bernstein-
Baums, wovon der Verf. ebenfalls mehrere Exem-
plare vorlegte, die er der Güte des verdienstvollen
Hrn. Medicinalraths Hagen zu
dankt, hat neuerlich ein berühmter Botaniker der
von Phyllanthus emblica ähnlich finden wollen*),
mit welcher sie aber kaum nur eine entfernte Ver-
gleichung aushält. Weit mehr ähnelt sie der Frucht-
kapsel des ostindischen Baums, welcher das als köst-
liches Rauchwerck berühmte sogenante Aloëholz
(Aloexylum agallochum Loureir. ) liefert; und
hiermit stimmte auch die Vergleichung mehrerer
Stücke von jenem harzreichen Holze aus
china
Baumes, die noch mit diesem edlen Harze umflos-
sen waren, überein. Versteht sich, dass auch hier-
bey durchaus nicht etwa von identischer Gleichheit,
sondern bloss von unverkennbarer Analogie die
Rede war.
Eben so, nach Analogie, Vergleichung man-
cher ausgezeichnet schönen Deutschen versteinten
cher ausgezeichnet schönen Deutschen versteinten

[435]
Hölzer mit
den Hölzern von tropischen Monoco-
tyledonen, zumal von Palmen und Filicibus arbo-
reis; ferner der Stämme und colossalen Blätterab-
drücke von solchen Riesen-Farrnkräutern in Koh-
lenschiefer und Kohlensandstein, vorzüglichst aus
den Englischen und Schottischen Steinkohlenwer-
ken, ebenfalls verglichen mit analogen Urbildern,
welche der Verf. vonSt.
Helena und aus
Ostindien
besitzt. Hauptsächlich aber comparative Untersu-
chung der Fructificationen auf manchen jener
Farrnkrautschiefer, worunter sich die vonWhitby
in Yorkshire an Schärfe der
Conservation auszeich-
nen. Und hierbey auch von einem der seltensten
und schönsten, aber von manchen Oryctographen
gar seltsam missgedeuteten, Petrefact, dem Ma-
denstein in Hornsteingeschieben desPlauenschen
Grundes .
tyledonen, zumal von Palmen und Filicibus arbo-
reis; ferner der Stämme und colossalen Blätterab-
drücke von solchen Riesen-Farrnkräutern in Koh-
lenschiefer und Kohlensandstein, vorzüglichst aus
den Englischen und Schottischen Steinkohlenwer-
ken, ebenfalls verglichen mit analogen Urbildern,
welche der Verf. von
besitzt. Hauptsächlich aber comparative Untersu-
chung der Fructificationen auf manchen jener
Farrnkrautschiefer, worunter sich die von
in Yorkshire
nen. Und hierbey auch von einem der seltensten
und schönsten, aber von manchen Oryctographen
gar seltsam missgedeuteten, Petrefact, dem Ma-
denstein in Hornsteingeschieben des
Grundes
Nun zu der neuerlich oft pro und contra ven-
tilirten Frage, ob die so genannten Deudr-Achate,
auch wohl mitunter wirkliche Vegetabilien, Moos,
oder auch Theile von andern Gewächsen enthal-
ten? Der Verf. glaubt, nach genauer Untersuchung,
sie allerdings bejahen zu müssen. Er besitzt einige
solche Moosachate ausIsland und Jekaterinburg ,
die wohl sicherlich wirkliche Conferven zu enthal-
ten scheinen; und hat von einem vormahligen wer-
then Zuhörer, dem Hrn. Dr. Liesching, aus
derCapstadt einen höchst merkwürdigen sehr erha-
ben (als goutte de Suif ) geschliffenen Chalcedon
erhalten, welchen einer der kleinen Javanischen
tilirten Frage, ob die so genannten Deudr-Achate,
auch wohl mitunter wirkliche Vegetabilien, Moos,
oder auch Theile von andern Gewächsen enthal-
ten? Der Verf. glaubt, nach genauer Untersuchung,
sie allerdings bejahen zu müssen. Er besitzt einige
solche Moosachate aus
die wohl sicherlich wirkliche Conferven zu enthal-
ten scheinen; und hat von einem vormahligen wer-
then Zuhörer, dem Hrn. Dr. Liesching, aus
der
ben (als goutte de Suif ) geschliffenen Chalcedon
erhalten, welchen einer der kleinen Javanischen

[436]
Fürsten, von Bandong in den Priangerlanden ,
als
Amulet getragen, und der ganz unverkennbar ein
paar kleine, an deutlichen Stielen seitwärts ansiz-
zende, Fructificationen eines vor der Hand frey-
lich unbestimmbaren Gewächses enthält, die doch
in Form und Lage ungefähr denen am Schwertel
(Sparganium erectum ) ähneln.
Amulet getragen, und der ganz unverkennbar ein
paar kleine, an deutlichen Stielen seitwärts ansiz-
zende, Fructificationen eines vor der Hand frey-
lich unbestimmbaren Gewächses enthält, die doch
in Form und Lage ungefähr denen am Schwertel
(Sparganium erectum ) ähneln.
Zu den besonders merkwürdigen, in diesem
neuen Specimen näher untersuchten, Petrefacten
aus denHannöverschen Churlanden gehören unter
andern mehrere Arten von Seelilien, Schrauben-
steinen, Seeigeln, Krebsen, Trilobiten etc., man-
cherley Corallen beyHannover und Celle , die
fälschlich so genannten versteinten Muscatennüsse
imBremischen Bremischen
u.a.m. Auch bey Gelegenheit der
einzelnen Ammonshörner, die sich in eisenschüssi-
gen Mergelnieren amHeinberge
finden, überhaupt
einiges von diesem sonderbaren Vorkommen ein-
zelner Petrefacten aus beiden Reichen, Fische,
Conchylien, Farrnkräuter etc. in solchen Nieren
oder Schwulen.
neuen Specimen näher untersuchten, Petrefacten
aus den
andern mehrere Arten von Seelilien, Schrauben-
steinen, Seeigeln, Krebsen, Trilobiten etc., man-
cherley Corallen bey
fälschlich so genannten versteinten Muscatennüsse
im
u.a.m. Auch bey Gelegenheit der
einzelnen Ammonshörner, die sich in eisenschüssi-
gen Mergelnieren am
einiges von diesem sonderbaren Vorkommen ein-
zelner Petrefacten aus beiden Reichen, Fische,
Conchylien, Farrnkräuter etc. in solchen Nieren
oder Schwulen.
Digitalisat/15