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Briefwechsel
Dritter Theil, Heft XIII–XVIII,
Göttingen ,
im Verlage der Vandenhoekschen Buchhandlung.
1778 .
28.











[titlePage_recto]
August Ludwig
Schlözer ’s
Professors in Göttingen
der kaiserl. Rußischen Akademie der Wissenschaften in
St.
Petersburg, der königl. Schwedischen in Stockholm,
und der kurfürstl. Bayrischen in München,
Mitglieds
Briefwechsel
meist
historischen und
politischen
Inhalts
Dritter Theil, Heft XIII–XVIII,
1778 .
im Verlage der Vandenhoekschen Buchhandlung.

[229]
28.
Bemerkungen auf einigen Reisen ins Waldecksche
gesammlet [von Hrn. Prof.
Blumenbach].
Das Waldeckische ist allem
Anschein nach eins der
höchsten Länder inDeutschland . Ich habe zwar
weder
Zeit noch Werkzeuge gehabt, Messungen anstellen zu kön-
nen: allein alle andre Anzeigen machen diese Vermuthung
warscheinlich. Die Gegend umArolsen hat Wasserman-
gel; da hingegen zalreiche Flüsse, dieAar , Urbe , Twi-
ste u.s.w. in der
Nachbarschaft entspringen: ferner ist
die Luft kalt, und eben daher sind die Bäume in den vie-
len Holzungen, wenigstens in der nordlichen Helfte, für
ihr Alter und Stärke nur kurzstämmicht; da sie hinge-
gen, wie ich höre, in den südlichen Aemtern, imWil-
dungischen
etc. schon höher schiessen. Auch finden sich die
weissen und schwarzen Spielarten von Thieren, die sonst
nur Nordlichen oder sehr hoch liegenden Erdstrichen
eigen sind, hier häufiger als in andern GegendenDeutsch-
lands .
So z.B. die weißen Sangdrosseln (turdus mu-
sicus ), die grauen und schwarzen Eichhörnchen, schwarz-
braune Kreuzfüchse, wovon ich selbst Felle gesehen habe:
Hermeline oder Wiesel, die Jahr aus Jahr ein, und mit-
ten im Sommer, ihre weiße Farbe behalten u.s.w.
höchsten Länder in
Zeit noch Werkzeuge gehabt, Messungen anstellen zu kön-
nen: allein alle andre Anzeigen machen diese Vermuthung
warscheinlich. Die Gegend um
gel; da hingegen zalreiche Flüsse, die
ste
die Luft kalt, und eben daher sind die Bäume in den vie-
len Holzungen, wenigstens in der nordlichen Helfte, für
ihr Alter und Stärke nur kurzstämmicht; da sie hinge-
gen, wie ich höre, in den südlichen Aemtern, im
dungischen
weissen und schwarzen Spielarten von Thieren, die sonst
nur Nordlichen oder sehr hoch liegenden Erdstrichen
eigen sind, hier häufiger als in andern Gegenden
lands
sicus ), die grauen und schwarzen Eichhörnchen, schwarz-
braune Kreuzfüchse, wovon ich selbst Felle gesehen habe:
Hermeline oder Wiesel, die Jahr aus Jahr ein, und mit-
ten im Sommer, ihre weiße Farbe behalten u.s.w.
Die kalte Bergluft ist rein, trocken und
gesund.
Daher denn selten, oder doch mit weniger Gefar, Epi-
demien graßiren: auch die Inoculation hier treflich
gelingt, und man deshalb noch im vorjärigen Sommer
aus benachbarten Ländern Kinder dahin schickte, um sie
dort einimpfen zu lassen. Auser der Auszehrung ist hier
keine endemische Krankheit bekannt; und gegen diese
sind die Reisen nachHolland würksam,
wo die veränder-
te feuchte Luft Erleichterung schafft. Im ganzen sterben
Daher denn selten, oder doch mit weniger Gefar, Epi-
demien graßiren: auch die Inoculation hier treflich
gelingt, und man deshalb noch im vorjärigen Sommer
aus benachbarten Ländern Kinder dahin schickte, um sie
dort einimpfen zu lassen. Auser der Auszehrung ist hier
keine endemische Krankheit bekannt; und gegen diese
sind die Reisen nach
te feuchte Luft Erleichterung schafft. Im ganzen sterben

[230]
die
meisten Einwohner an natürlichen Folgen des Alters,
am Marasmus.
am Marasmus.
Eine eigne Krankheit, die die Waldecker ausser ih-
rem Vaterland leicht befällt, ist das Heimweh; das
zumal unter den Truppen in Holländischen Diensten ge-
mein ist, und sich mit allen den heftigen und plötzlichen
Anfällen, wie bey Schweizern oder Lappen, (und im
Grunde wie unter jedem Meridian) äusert; das aber
auch eben so schnell und zur Bewunderung gehoben wer-
den kan, so bald die Patienten selbst nur die Hoffnung
vor sich sehen, in ihre Heimath zurückkehren zu dürfen.
Der Herr Obristlieutenant von Nostiz hat die Güte ge-
habt, mir mehrere specielle Fälle hierüber mitzutheilen,
wovon ich einen anfüre. Ein Waldecker Soldat bekam
inHolland das Heimweh, und bewarb sich um
Urlaub,
der ihm aber aus sehr zureichenden Gründen versagt wer-
den mußte. Der Mensch verlohr von der Zeit an allen
Appetit, seine körperlichen Kräfte schwanden zusehends,
und er zehrte binnen wenig Wochen so weit ab, daß ihn
die Aerzte verlohren gaben. Sein Major besuchte ihn
eines Morgens, fand ihn als einen halbtodten Mann,
und versprach ihm sogleich seinen Urlaub, den er ihm zu
aller Versicherung noch am gleichen Nachmittag schickte,
und der bis zu seiner, dem Anschein nach freilich sehr
entfernten, Erholung gültig seyn sollte – Und am
Abend des gleichen Tages sah man den Menschen, der
am Morgen nicht aufrecht zu sitzen vermochte, mit dem
Ranzen auf dem Rücken zum Thor naus wandern. Er
kam zu gesetzter Zeit aus seinem Dorf zum Regimente
zurück, seine Sehnsucht war für immer gestillt, und er
lachte, wenn ihn nachher seine Cameraden an seine Hei-
mat und an seine vaterländischen Gebirge erinnerten.
Ueberhaupt hat man gefunden, daß solche Leute nur ein
für allemal mit dem Heimweh befallen werden, und sich,
rem Vaterland leicht befällt, ist das Heimweh; das
zumal unter den Truppen in Holländischen Diensten ge-
mein ist, und sich mit allen den heftigen und plötzlichen
Anfällen, wie bey Schweizern oder Lappen, (und im
Grunde wie unter jedem Meridian) äusert; das aber
auch eben so schnell und zur Bewunderung gehoben wer-
den kan, so bald die Patienten selbst nur die Hoffnung
vor sich sehen, in ihre Heimath zurückkehren zu dürfen.
Der Herr Obristlieutenant von Nostiz hat die Güte ge-
habt, mir mehrere specielle Fälle hierüber mitzutheilen,
wovon ich einen anfüre. Ein Waldecker Soldat bekam
in
der ihm aber aus sehr zureichenden Gründen versagt wer-
den mußte. Der Mensch verlohr von der Zeit an allen
Appetit, seine körperlichen Kräfte schwanden zusehends,
und er zehrte binnen wenig Wochen so weit ab, daß ihn
die Aerzte verlohren gaben. Sein Major besuchte ihn
eines Morgens, fand ihn als einen halbtodten Mann,
und versprach ihm sogleich seinen Urlaub, den er ihm zu
aller Versicherung noch am gleichen Nachmittag schickte,
und der bis zu seiner, dem Anschein nach freilich sehr
entfernten, Erholung gültig seyn sollte – Und am
Abend des gleichen Tages sah man den Menschen, der
am Morgen nicht aufrecht zu sitzen vermochte, mit dem
Ranzen auf dem Rücken zum Thor naus wandern. Er
kam zu gesetzter Zeit aus seinem Dorf zum Regimente
zurück, seine Sehnsucht war für immer gestillt, und er
lachte, wenn ihn nachher seine Cameraden an seine Hei-
mat und an seine vaterländischen Gebirge erinnerten.
Ueberhaupt hat man gefunden, daß solche Leute nur ein
für allemal mit dem Heimweh befallen werden, und sich,

[231]
wenn sie
nur einmal ihren großen Wunsch befriedigen,
und heimreisen können, nachher für immer geheilt finden,
und sodann auser Landes so frisch und froh als irgend im
Vaterlande leben. Eine Bemerkung, die beyläufig den
waren Grund des Heimwehs in den innern Sinnen be-
stätigt, und hingegen den vorgeblichen Einfluß der Luft u.
s.w. widerlegt. So hat der Kuhreihen keine andre Zau-
berkraft, als daß er bey Schweizern die alten Bilder von
ihren vaterländischen Alpweiden hervorruft; und aus
gleichem Grunde heimelts mir selbst, wenn ich Kühe mit
Schellen am Hals höre, wie ich sie in frühen Jahren so
oft auf den Bergen desThüringer Walds gehört habe –
und heimreisen können, nachher für immer geheilt finden,
und sodann auser Landes so frisch und froh als irgend im
Vaterlande leben. Eine Bemerkung, die beyläufig den
waren Grund des Heimwehs in den innern Sinnen be-
stätigt, und hingegen den vorgeblichen Einfluß der Luft u.
s.w. widerlegt. So hat der Kuhreihen keine andre Zau-
berkraft, als daß er bey Schweizern die alten Bilder von
ihren vaterländischen Alpweiden hervorruft; und aus
gleichem Grunde heimelts mir selbst, wenn ich Kühe mit
Schellen am Hals höre, wie ich sie in frühen Jahren so
oft auf den Bergen des
Der kalten Lage ohngeachtet sind doch die Sommer
imWaldeckischen , wie im
gebirgichten Wallis , oft au-
serordentlich heiß: und daher auch die tollen Hunde um
die Zeit nicht selten. Ich bin versichert worden, daß man
verschiedentlich tollen Hundsbiß durch den innern Ge-
brauch des Gauchheils, aber freylich in Verbindung mit
großen Blasenpflastern, geheilt habe: da hingegen die,
bey denen dieses Mittel nicht versucht worden, an der
Wasserscheu gestorben wären. So erzälte man mir un-
ter andern den jammervollen Tod eines jungen Bauern-
kerls ausHerbsen (*)
sich kein andrer Mensch ihm nahen durfte, doch immer
bey den Besuchen eines ihm verlobten Mädgens, die
durch nichts abzuhalten war, ihren furchtbaren Geliebten
im
serordentlich heiß: und daher auch die tollen Hunde um
die Zeit nicht selten. Ich bin versichert worden, daß man
verschiedentlich tollen Hundsbiß durch den innern Ge-
brauch des Gauchheils, aber freylich in Verbindung mit
großen Blasenpflastern, geheilt habe: da hingegen die,
bey denen dieses Mittel nicht versucht worden, an der
Wasserscheu gestorben wären. So erzälte man mir un-
ter andern den jammervollen Tod eines jungen Bauern-
kerls aus
(*)
, der in der grösten Wuth, woDie angefürten Dörfer, Berge, Flüsse u
s.w.
finden sich fast alle auf der Karte vonWaldeck , die vom
Corbacher Conrector Nicolai, (und zwar wie ich sehe, mit
einer nicht gemeinen Accuratesse) aufgenommen, bey
Homanns Erben verlegt, und in der großen Berliner
Karte in 4 Blatt vonNiederhessen ,
Waldeck etc.
wieder
copirt ist.
finden sich fast alle auf der Karte von
Corbacher Conrector Nicolai, (und zwar wie ich sehe, mit
einer nicht gemeinen Accuratesse) aufgenommen, bey
Homanns Erben verlegt, und in der großen Berliner
Karte in 4 Blatt von
copirt ist.
sich kein andrer Mensch ihm nahen durfte, doch immer
bey den Besuchen eines ihm verlobten Mädgens, die
durch nichts abzuhalten war, ihren furchtbaren Geliebten

[232]
mit
Speise zu versorgen, still und sanftmüthig wurde,
aber doch unter der Gewalt des Uebels erliegen mußte.
aber doch unter der Gewalt des Uebels erliegen mußte.
Der Boden im Waldeckischen ist, so wie die Ber-
ge selbst, verschiedner Gattung. In den Gegenden, die
ich bereist habe, waren vorzüglich dreyerley Gebirge
merkwürdig. Erstens vonArolsen nordlich bey Rho-
den , Ammenhausen etc. ein Kalksteingebirge, das so
wie unserHeinberg , eine blose Petrefacten
Masse ist, das
ihm auch in seiner ganzen Lage, und in Rücksicht aller
Sorten von Versteinerungen, vollkommen gleicht, und
das zu derselben Bergkette gehört, die sich westwärts ins
Westphälische , und gegen Osten ins Sächsische nach Go-
tha , Weimar und weiterhin erstreckt. Südwestlich
über
Giebringhausen ,
Renegge etc. hinaus,
streicht ein großes
Thonschiefergebirg, das die höchsten Berge des Lan-
des, diehohe Egge , den hohen Pön , und den Dommel
begreift, und theils wegen der mannichfaltigen und über-
aus sonderbaren Petrefacten Abdrücke, theils wegen des
auffallenden Ansehens merkwürdig ist. GanzAdorf
und mehrere Orte stehen auf dem platten Schiefer, und
hinterAdorf ist auch der berümte Cappenstein , eine
jähe, über 300 Fuß hohe Schieferwand, die der Sa-
ge nach sonderbare Abdrücke wie Katzenspuren enthalten
sollte. Ich bin mit einigen Gefehrten hinabgeklettert;
die vermeinten Abdrücke aber waren blos vom Wasser
ausgespülte Grübgen, und von keinem weitern Belan-
ge. Gegen Osten kommen endlich die ausgebrannten
Vulcane, deren deutliche Spuhren sich südwestlich nach
demRhein , auf der andern Seite aber
über den Dürren-
berg und Habichtswald bis nach Göttingen , und ver-
muthlich weiter noch erstrecken. Besonders habe ich den
Lammsberg
hinter Wetterburg ohnweit Cülte , unter-
sucht, dessen isolirte Lage und Gestalt schon seinen Ur-
sprung verräth. Sein Crater ist sehr gut erhalten, und
ge selbst, verschiedner Gattung. In den Gegenden, die
ich bereist habe, waren vorzüglich dreyerley Gebirge
merkwürdig. Erstens von
den
wie unser
ihm auch in seiner ganzen Lage, und in Rücksicht aller
Sorten von Versteinerungen, vollkommen gleicht, und
das zu derselben Bergkette gehört, die sich westwärts ins
tha
Thonschiefergebirg, das die höchsten Berge des Lan-
des, die
begreift, und theils wegen der mannichfaltigen und über-
aus sonderbaren Petrefacten Abdrücke, theils wegen des
auffallenden Ansehens merkwürdig ist. Ganz
und mehrere Orte stehen auf dem platten Schiefer, und
hinter
jähe, über 300 Fuß hohe Schieferwand, die der Sa-
ge nach sonderbare Abdrücke wie Katzenspuren enthalten
sollte. Ich bin mit einigen Gefehrten hinabgeklettert;
die vermeinten Abdrücke aber waren blos vom Wasser
ausgespülte Grübgen, und von keinem weitern Belan-
ge. Gegen Osten kommen endlich die ausgebrannten
Vulcane, deren deutliche Spuhren sich südwestlich nach
dem
berg
muthlich weiter noch erstrecken. Besonders habe ich den
sucht, dessen isolirte Lage und Gestalt schon seinen Ur-
sprung verräth. Sein Crater ist sehr gut erhalten, und

[233]
die Laven sind wegen der
verschiedenen Verglasungen,
wegen des eingesprengten Zeolits u.s.w. merkwürdig.
wegen des eingesprengten Zeolits u.s.w. merkwürdig.
Die Aussichten von allen diesen Bergen, beson-
ders auch die vomgelben Stuken
disseits Würminghausen ,
sind unverbesserlich, und einige besondre Gegenden, wie
derMarcusstein , eine in Felsen gehauene Einsideley,
die noch im vorigen Jarhundert ein Eremit bewonte, über
alle Beschreibung romantisch.
ders auch die vom
sind unverbesserlich, und einige besondre Gegenden, wie
der
die noch im vorigen Jarhundert ein Eremit bewonte, über
alle Beschreibung romantisch.
Das Land ist, des steinichten Bodens ohngeachtet,
überaus fruchtbar; und es finden sich wenige Stellen,
die nicht mit Holz bewachsen oder urbar wären.
überaus fruchtbar; und es finden sich wenige Stellen,
die nicht mit Holz bewachsen oder urbar wären.
Die vielen Waldungen, wovon das ganze Land
den Namen fürt, bestehen meist aus Buchen und Eichen:
auch aus Nadelhölzern, die doch in den Gegenden um
Arolsen
seltner sind. Die große Allee hinter Arolsen
machen sechs Reihen hundertjäriger Eichen: sie ist zwey
tausend Schritte lang, und geht bis zu den Pavillons,
die noch von dem abgebrochnen ehemaligen SchlosseLoui-
senthal
stehen blieben sind.
den Namen fürt, bestehen meist aus Buchen und Eichen:
auch aus Nadelhölzern, die doch in den Gegenden um
machen sechs Reihen hundertjäriger Eichen: sie ist zwey
tausend Schritte lang, und geht bis zu den Pavillons,
die noch von dem abgebrochnen ehemaligen Schlosse
senthal
Getraide wird in Menge gebaut, und der Ueber-
fluß insHeßische , Mainzische
und Cellische verfürt.
Ich
habe mich öfters verwundert, wenn ich in manchen Ge-
genden die Aecker voll großer Steine liegen sah, die aber,
wie ich hörte, mit Fleiß und sorgfältig drauf getragen
waren, und die auf dem sandigten Boden von Nutzen
sind, weil sich das Regenwasser unter ihnen sammlet,
und sie das Erdreich feucht erhalten, das sonst die Sonne
ausdürren würde. In den höhern Berggegenden kömmt
wegen der Kälte keine Winterfrucht fort. Man bestellt
also einige Jahre lang Sommerfrucht, und läßts dann
einige Zeit unbesäet, oder wie mans dort nennt, dreisch
liegen, da es doch trefliches Viehfutter hervorbringt.
fluß ins
habe mich öfters verwundert, wenn ich in manchen Ge-
genden die Aecker voll großer Steine liegen sah, die aber,
wie ich hörte, mit Fleiß und sorgfältig drauf getragen
waren, und die auf dem sandigten Boden von Nutzen
sind, weil sich das Regenwasser unter ihnen sammlet,
und sie das Erdreich feucht erhalten, das sonst die Sonne
ausdürren würde. In den höhern Berggegenden kömmt
wegen der Kälte keine Winterfrucht fort. Man bestellt
also einige Jahre lang Sommerfrucht, und läßts dann
einige Zeit unbesäet, oder wie mans dort nennt, dreisch
liegen, da es doch trefliches Viehfutter hervorbringt.
Cartoffeln werden zwar auch gepflanzt, doch dür-

[234]
fen
sie im Waldeckischen nicht den
Getraidebau verdrän-
gen. Neuerlich hat man Färberröthe, und mit dem
besten Erfolg, zu bauen angefangen.
gen. Neuerlich hat man Färberröthe, und mit dem
besten Erfolg, zu bauen angefangen.
Die Viehzucht ist vorzüglich durch die Mennoni-
sten, die zuHüninghausen und anderwärts große Meie-
reyen haben, vervollkommnet. Sie haben zuEilhau-
sen etc. Brannteweinbrennereyen angelegt; wovon
das
Spülig trefliche Ochsenmast geben soll. Die Käse aus
ihren Meiereyen gleichen dem Emmenthaler und Sanen-
käs, und werden häufig nachEngland und
anderwärts
verschickt. Die Schafzucht gedeiht zumal in den Ge-
genden amhohen
Pön und da herum, wo der dürre
schiefrige Boden die besten Schaafkräuter trägt.
sten, die zu
reyen haben, vervollkommnet. Sie haben zu
sen
Spülig trefliche Ochsenmast geben soll. Die Käse aus
ihren Meiereyen gleichen dem Emmenthaler und Sanen-
käs, und werden häufig nach
verschickt. Die Schafzucht gedeiht zumal in den Ge-
genden am
schiefrige Boden die besten Schaafkräuter trägt.
Beides, die Waldecksche hohe und niedere Jagd,
ist längst als sehr beträchtlich bekannt. Doch wird das
Schwarzwildpret, wegen des Schadens, den die Sauen
den Kornfrüchten, den Cartoffeln, und besonders den
Wiesen, zufügen, wo sie sich vorzüglich nach den Küm-
melwurzeln ziehn, jetzo nicht mehr so stark als ehedem
gehegt. Rothwildpret ist selbst in den nächsten Holzun-
gen bey Arolsen häufig, wo ich die Hirsche im Herbst des
Nachts aus meinem Zimmer konnte rufen hören. Von
Vögeln sind Auerhüner, Birkhüner, Haselhüner, Reb-
hüner, Drosseln, Kramtsvögel, Lerchen u.s.w. gemein.
ist längst als sehr beträchtlich bekannt. Doch wird das
Schwarzwildpret, wegen des Schadens, den die Sauen
den Kornfrüchten, den Cartoffeln, und besonders den
Wiesen, zufügen, wo sie sich vorzüglich nach den Küm-
melwurzeln ziehn, jetzo nicht mehr so stark als ehedem
gehegt. Rothwildpret ist selbst in den nächsten Holzun-
gen bey Arolsen häufig, wo ich die Hirsche im Herbst des
Nachts aus meinem Zimmer konnte rufen hören. Von
Vögeln sind Auerhüner, Birkhüner, Haselhüner, Reb-
hüner, Drosseln, Kramtsvögel, Lerchen u.s.w. gemein.
Ueberhaupt finden sich die besten Fische in
der
Eder . Besonders
große Forellen, Hechte und Karpen.
Die Forellen im AmteEisenberg sind klein, aber ganz
vorzüglich schmackhaft.
Die Forellen im Amte
vorzüglich schmackhaft.
Die Bienenzucht ist, wie es bei der
bergichten
kalten Lage nicht anders seyn kan, unbeträchtlich.
kalten Lage nicht anders seyn kan, unbeträchtlich.
Desto reicher ist dagegen das Land mit Erzten ver-
sorgt. DieEder fürt Gold, das besonders bey Affol-
dern und
Herzhausen gewaschen wird,
wo sich ein Arbei-
ter doch täglich sechs gute Groschen verdienen kan. Ich
sorgt. Die
dern
ter doch täglich sechs gute Groschen verdienen kan. Ich

[235]
habe große Körner daher, und mancherley kleine Ge-
räthe aus Edergold gesehen. Ehedem ist auch im Eisen-
berg beyGoldshausen von Corbach Corbach südwestlich, Gold ge-
brochen, aber nachher, da es die Kosten nicht mehr er-
trug, auch nicht weiter betrieben worden. Daß der
Fund doch von Belange gewesen, sieht man aus einem
Reisediario Graven Volrats von Waldeck im fürstlichen
Archiv, da dieser Herr1546 zu Augspurg mit
den rei-
chen Fuggern u.a. seines Goldbergwerks wegen in Unter-
handlung gestanden. Auch noch ums Jahr1580 ist
das Werk vonMagdeburg aus, aber schon mit
weniger
Profit, betrieben worden, und endlich gar eingegangen.
Kupfer findet sich beyNiederEnse , Goddelsheim und
Schaken , alles dreyes im Amte Eisenberg . Die Ei-
senwerke imWaldeckischen sind berümt und ausnemend
ergiebig. Besonders die Gruben imMartenberg
bei
Adorf , und im Semmed bey
Renegge , die ich beide
un-
tersucht habe. Auf demMartenberg habe ich auch in
Kalkflöz große Nautiliten, Orthoceratiten, und an-
dere seltne Versteinerungen gefunden. Der Eisenstein
von diesem Berge ist strenge, der vonSemmed aber wil-
liger und zum Versetzen brauchbar. Der meiste Ver-
trieb des Eisens, das in der Güte dem Schwedischen
sehr nahe kommt, gehet nachBremen , und von da wei-
ter, selbst nachLißabon . Im Schloße
zu Arolsen habe
ich auserordentlich grose Ofenplatten, und im Marstall
die Pfeiler zwischen den Ständen gesehn, die alle aus
diesem Eisen gegossen sind.
räthe aus Edergold gesehen. Ehedem ist auch im Eisen-
berg bey
brochen, aber nachher, da es die Kosten nicht mehr er-
trug, auch nicht weiter betrieben worden. Daß der
Fund doch von Belange gewesen, sieht man aus einem
Reisediario Graven Volrats von Waldeck im fürstlichen
Archiv, da dieser Herr
chen Fuggern u.a. seines Goldbergwerks wegen in Unter-
handlung gestanden. Auch noch ums Jahr
das Werk von
Profit, betrieben worden, und endlich gar eingegangen.
Kupfer findet sich bey
senwerke im
ergiebig. Besonders die Gruben im
tersucht habe. Auf dem
Kalkflöz große Nautiliten, Orthoceratiten, und an-
dere seltne Versteinerungen gefunden. Der Eisenstein
von diesem Berge ist strenge, der von
liger und zum Versetzen brauchbar. Der meiste Ver-
trieb des Eisens, das in der Güte dem Schwedischen
sehr nahe kommt, gehet nach
ter, selbst nach
ich auserordentlich grose Ofenplatten, und im Marstall
die Pfeiler zwischen den Ständen gesehn, die alle aus
diesem Eisen gegossen sind.
Bey Adorf hat man sonst Alabaster gebrochen;
jezt sind aber die Gruben versäuft.
jezt sind aber die Gruben versäuft.
Hingegen sind die Marmorbrüche in vollem
Gange, und sehr beträchtlich; besonders die zuGibring-
hausen an der hohen Egge . Der dasige Marmor ist
grau und weiß geadert, und bricht schon da, wo er zu
Gange, und sehr beträchtlich; besonders die zu
hausen
grau und weiß geadert, und bricht schon da, wo er zu

[236]
Tage ausstreicht, in großen
Blöcken, dergleichen ich von
140 Centnern gesehen habe, die zu Caminen fürs Schloß
zuArolsen bestimmt
waren. Die Krippen im Marstall
sind aus diesem Marmor gehauen, und ein Jagdhaus
zum Ablager beySudeck hat aus Mangel anderer Steine
von Marmor aufgebauet werden müssen.
140 Centnern gesehen habe, die zu Caminen fürs Schloß
zu
sind aus diesem Marmor gehauen, und ein Jagdhaus
zum Ablager bey
von Marmor aufgebauet werden müssen.
Bey Hundsdorf im Amte Wildungen bricht ein
schöner blutrother Jaspis mit Quarz durchzogen, und
zwar häufig, und auch in ansehnlichen Stücken. Die
Stadtmauer vonWildungen soll großentheils davon
auf-
gefürt seyn.
schöner blutrother Jaspis mit Quarz durchzogen, und
zwar häufig, und auch in ansehnlichen Stücken. Die
Stadtmauer von
gefürt seyn.
Dachschiefer geben die großen westlichen Gebirge
in Menge.
in Menge.
Der Petrefacten Schiefer habe ich schon gedacht.
Sie brechen beyWürminghausen , und
enthalten die son-
derbarsten, theils noch ganz unbekannte Abdrücke, deren
Mannichfaltigkeit und Sauberkeit gleich wunderbar ist.
Trilobiten, völlig wie im Schwedischen Antrarumschiefer:
mancherley Chamae, aber alle wie Papier so dünne und
auch so flach: Echiniten und ihre Stacheln: ungemein
zarte Trochiten: Orthoceratiten: Schilfe: Abdrücke
von unbekannten Gewächsen, fast auf Opuntien Art:
auch mitten im Schiefer, in Nestern von UmberErde
Nautiliten in Chalcedon von auserordentlicher Schönheit
u.s.w.
Sie brechen bey
derbarsten, theils noch ganz unbekannte Abdrücke, deren
Mannichfaltigkeit und Sauberkeit gleich wunderbar ist.
Trilobiten, völlig wie im Schwedischen Antrarumschiefer:
mancherley Chamae, aber alle wie Papier so dünne und
auch so flach: Echiniten und ihre Stacheln: ungemein
zarte Trochiten: Orthoceratiten: Schilfe: Abdrücke
von unbekannten Gewächsen, fast auf Opuntien Art:
auch mitten im Schiefer, in Nestern von UmberErde
Nautiliten in Chalcedon von auserordentlicher Schönheit
u.s.w.
Von Fabriken im Lande habe ich besonders die
bey
Cülte besehen; wo
Tuch, Zeuge, Plüsch u.s.w. mit
viel Profit gearbeitet wird. Zum Plüsch hat man jetzo,
statt des Pressens mit Platten, den Gebrauch der Wal-
zen auf holländische Manier glücklich ausgefunden. Und
ein sehr großer NebenNutze, den die ganze Entreprise
fürs Land hat, ist, daß man weit und breit da rum kein
Bettelkind gewahr wird: die sitzen alle auf den Fabri-
ken, und können ihr Brod mit ihrer Hände Arbeit ver-
dienen.
viel Profit gearbeitet wird. Zum Plüsch hat man jetzo,
statt des Pressens mit Platten, den Gebrauch der Wal-
zen auf holländische Manier glücklich ausgefunden. Und
ein sehr großer NebenNutze, den die ganze Entreprise
fürs Land hat, ist, daß man weit und breit da rum kein
Bettelkind gewahr wird: die sitzen alle auf den Fabri-
ken, und können ihr Brod mit ihrer Hände Arbeit ver-
dienen.

[237]
Beym Landvolke im Waldeckschen habe ich mehr
offene Köpfe, mehr Freymut, und mehr savoir vivre
als anderwärts gefunden. Zum Theil rürt das wol da-
her, weil die mehresten Bauern einige Jahre in Hollän-
dische Dienste gehn: das sie um so williger thun, da ih-
nen ihr Accord pünktlich und auf den Tag gehalten wer-
den muß.
offene Köpfe, mehr Freymut, und mehr savoir vivre
als anderwärts gefunden. Zum Theil rürt das wol da-
her, weil die mehresten Bauern einige Jahre in Hollän-
dische Dienste gehn: das sie um so williger thun, da ih-
nen ihr Accord pünktlich und auf den Tag gehalten wer-
den muß.
Im Jul. 1778 .

[390]

[391]
Digitalisat/12