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Handbuch
Multa fiunt eadem sed
aliter. QVINTILIAN. Sechste
Auflage.
Göttingen , 1799
bey Johann Christian Dieterich.












Göttingen ,
den20. März 1797 .
und den10. März 1799 .
J.F. Blumenbach. 






Erster Abschnitt.









Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel


Zweyter Abschnitt.















[binding_recto]

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[titlePage_recto]
D. Joh. Fr. Blumenbach’s Prof. zu Göttingen und Königl.Großbrit. Hofraths
Handbuch
der
Naturgeschichte
[Abbildung: nach einer antiken Camee]
Sechste
Auflage.
Nebst zwey Kupfertafeln.
bey Johann Christian Dieterich.

[titlePage_verso]

[III]
Vorrede.
Ungeachtet kaum zwey Jahre seit Er-
scheinung derfünften
Ausgabe dieses
Handbuchs verflossen sind, so hat
dasselbe
doch jetzt in der sechsten wohl mehr an wich-
tigen Zuwachs von neuen Entdeckungen in
der Naturgeschichte, so wie an Berichtigun-
gen oder schärferer Bestimmung gewonnen,
als irgend eine der vorhergehenden.
scheinung der
Handbuchs
doch jetzt in der sechsten wohl mehr an wich-
tigen Zuwachs von neuen Entdeckungen in
der Naturgeschichte, so wie an Berichtigun-
gen oder schärferer Bestimmung gewonnen,
als irgend eine der vorhergehenden.
Dagegen versteht es sich von selbst, daß,
um für diese Zusätze Raum zu erhalten,
ohne dadurch dem zweckmäßigen Zuschnitt
eines, besonders auch als Leitfaden bey Vor-
lesungen tauglichen Handbuchs zu schaden,
hin und wieder manches noch mehr als in den
vorigen Ausgaben, hat ins Kurze gefaßt wer-
den müssen.
um für diese Zusätze Raum zu erhalten,
ohne dadurch dem zweckmäßigen Zuschnitt
eines, besonders auch als Leitfaden bey Vor-
lesungen tauglichen Handbuchs zu schaden,
hin und wieder manches noch mehr als in den
vorigen Ausgaben, hat ins Kurze gefaßt wer-
den müssen.

[IV]
Nur über zwey Gegenstände der allge-
meinen Naturgeschichte, die, wie ich gefun-
den, ohne nähere Auseinandersetzung von un-
kundigen Lesern leicht mißverstanden werden
könnten, habe ich mich deßhalb (so wie in
der vorigen Ausgabe) ausführlicher, als es sonst
dieser Zuschnitt im übrigen erlaubt, auslassen
müssen. Nähmlich S. 8 u. f. über die ver-
meinte und so oft gepriesene Stufenfolge in
der Natur, und S. 13 u. f. über die Zeugung
der organisirten Körper, besonders über den
wahren Begriff vom Bildungstriebe, im Ge-
gensatz von der vis plastica der ehrlichen Alten.
meinen Naturgeschichte, die, wie ich gefun-
den, ohne nähere Auseinandersetzung von un-
kundigen Lesern leicht mißverstanden werden
könnten, habe ich mich deßhalb (so wie in
der vorigen Ausgabe) ausführlicher, als es sonst
dieser Zuschnitt im übrigen erlaubt, auslassen
müssen. Nähmlich S. 8 u. f. über die ver-
meinte und so oft gepriesene Stufenfolge in
der Natur, und S. 13 u. f. über die Zeugung
der organisirten Körper, besonders über den
wahren Begriff vom Bildungstriebe, im Ge-
gensatz von der vis plastica der ehrlichen Alten.
Die ansehnlichsten Vermehrungen hat
aber der mineralogische Theil des Buchs er-
halten. Besonders habe ich die Uebersicht
der gemengten Gebirgsarten faßlicher, und den
Abschnitt von den Versteinerungen, interes-
santer und fruchtbarer darzustellen gesucht, als
es insgemein geschehen.
aber der mineralogische Theil des Buchs er-
halten. Besonders habe ich die Uebersicht
der gemengten Gebirgsarten faßlicher, und den
Abschnitt von den Versteinerungen, interes-
santer und fruchtbarer darzustellen gesucht, als
es insgemein geschehen.
Auch ist nun bey Angabe des Gehalts der
Fossilien durchgehends der Gewährsmann da-
für genannt, was, bey den zum Theil auf-
fallenden Differenzen in den Resultaten der
von verschiedenen Chemikern neuerlich gelie-
ferten Analysen eines und eben desselben Fos-
sils, nothwendig wird.
Fossilien durchgehends der Gewährsmann da-
für genannt, was, bey den zum Theil auf-
fallenden Differenzen in den Resultaten der
von verschiedenen Chemikern neuerlich gelie-
ferten Analysen eines und eben desselben Fos-
sils, nothwendig wird.

[V]
Die mit der systematischen Anordnung der
Steine und erdartigen Fossilien verbundenen
Schwierigkeiten sind im Buche S. 523 be-
rührt und selbst durch manche der neuesten, an
sich äußerst lehrreichen Entdeckungen über die
Bestandtheile einiger Steingattungen nur
noch vergrößert: so, daß sich nun diese Classe
des Mineralreichs weder bloß nach dem quan-
titativen Verhältniß der Bestandtheile der
Fossilien, noch auch bloß nach dem äußern
Habitus ordnen läßt. – Nach erstern nicht;
denn da jenes Verhältniß vieler, einander übri-
gens oryctognostisch noch so ähnlichen und
geognostisch noch so nah verwandten Fossilien
(wie z. B. der mancherley Unterarten von As-
best) theils gar auffallend variirt, so leuchtet
von selbst ein, wie schlechterdings zweckwidrig
und unbrauchbar ein System der Lithologie
ausfallen müßte, das streng nach dem Gehalt
der vorwaltenden Bestandtheile geordnet wer-
den sollte: aber eben so wenig würde der bloße
äußere Habitus zur systematischen Anordnung
der Steine hinreichen; denn dem zufolge setzte
man noch vor Kurzem den Saphir ins Kiesel-
geschlecht, der doch fast aus nichts als ver-
dichteter Thon-Erde, wenigstens ohne ein
Atom von Kiesel-Erde, besteht.
Steine und erdartigen Fossilien verbundenen
Schwierigkeiten sind im Buche S. 523 be-
rührt und selbst durch manche der neuesten, an
sich äußerst lehrreichen Entdeckungen über die
Bestandtheile einiger Steingattungen nur
noch vergrößert: so, daß sich nun diese Classe
des Mineralreichs weder bloß nach dem quan-
titativen Verhältniß der Bestandtheile der
Fossilien, noch auch bloß nach dem äußern
Habitus ordnen läßt. – Nach erstern nicht;
denn da jenes Verhältniß vieler, einander übri-
gens oryctognostisch noch so ähnlichen und
geognostisch noch so nah verwandten Fossilien
(wie z. B. der mancherley Unterarten von As-
best) theils gar auffallend variirt, so leuchtet
von selbst ein, wie schlechterdings zweckwidrig
und unbrauchbar ein System der Lithologie
ausfallen müßte, das streng nach dem Gehalt
der vorwaltenden Bestandtheile geordnet wer-
den sollte: aber eben so wenig würde der bloße
äußere Habitus zur systematischen Anordnung
der Steine hinreichen; denn dem zufolge setzte
man noch vor Kurzem den Saphir ins Kiesel-
geschlecht, der doch fast aus nichts als ver-
dichteter Thon-Erde, wenigstens ohne ein
Atom von Kiesel-Erde, besteht.
Zwar glaubte man ehedem sich hierbey
noch mit der spitzfindigen Distinction zwischen
noch mit der spitzfindigen Distinction zwischen

[VI]
vorwaltendem und
characterisirendem Be-
standtheil der Fossilien durchhelfen zu können:
allein auch diese Ausflucht ist nun durch
solche Analysen, wie die eben gedachte,
versperrt.
standtheil der Fossilien durchhelfen zu können:
allein auch diese Ausflucht ist nun durch
solche Analysen, wie die eben gedachte,
versperrt.
Es scheint also der einzige passende Aus-
weg der zu seyn, daß man, ohne sich streng
und ausschließlich an eins von diesen beiden
Classifications-Principien zu binden, in so
fern ein gemischtes System für diese Classe
von Fossilien zum Grunde legt, daß 1) frey-
lich diejenigen, die entweder ganz oder doch bey
weiten größtentheils aus einerley Erdart be-
stehen, nothwendig unter das nach dieser Erd-
art benannte Geschlecht kommen. Folglich
der Saphir durchaus ins Thongeschlecht; hin-
gegen der Opal, Tripel und Bimsstein ins
Kieselgeschlecht etc. – Daß aber 2) manche
andere Gattungen von Steinen, worin nur
keine so auffallend vorschlagende Menge eines
Bestandtheils vorwaltet, ohne ängstliche Rück-
sicht auf die pro Cente derselben, da einge-
schaltet werden, wo sie nach ihrem äußern
Totalhabitus und nach der Analogie am
schicklichsten hinpassen. So z. B. der Schil-
lerspath, ungeachtet er mehr Kiesel-Erde als
Thon-Erde enthält, den noch ins Thonge-
schlecht in die Nachbarschaft des Glimmers:
weg der zu seyn, daß man, ohne sich streng
und ausschließlich an eins von diesen beiden
Classifications-Principien zu binden, in so
fern ein gemischtes System für diese Classe
von Fossilien zum Grunde legt, daß 1) frey-
lich diejenigen, die entweder ganz oder doch bey
weiten größtentheils aus einerley Erdart be-
stehen, nothwendig unter das nach dieser Erd-
art benannte Geschlecht kommen. Folglich
der Saphir durchaus ins Thongeschlecht; hin-
gegen der Opal, Tripel und Bimsstein ins
Kieselgeschlecht etc. – Daß aber 2) manche
andere Gattungen von Steinen, worin nur
keine so auffallend vorschlagende Menge eines
Bestandtheils vorwaltet, ohne ängstliche Rück-
sicht auf die pro Cente derselben, da einge-
schaltet werden, wo sie nach ihrem äußern
Totalhabitus und nach der Analogie am
schicklichsten hinpassen. So z. B. der Schil-
lerspath, ungeachtet er mehr Kiesel-Erde als
Thon-Erde enthält, den noch ins Thonge-
schlecht in die Nachbarschaft des Glimmers:

[VII]
so Meerschaum,
Speckstein, Serpentinstein,
Olivin etc. ins Talkgeschlecht.
Olivin etc. ins Talkgeschlecht.
Ich habe hier, so wie im ganzen Buche,
von Geschlechtern und den darunter begriffe-
nen Gattungen gesprochen. Denn daß man
in der Mineralogie die Fossilien in genera und
species eintheilt, und die genera auf deutsch
Geschlechter, so wie die species Gattungen
nennt, darüber ist meines Wissens unter den
gelehrten und philosophischen Mineralogen
Deutschlands nur eine Stimme. Und so
versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Benen-
nungen von Geschlecht und Gattung in diesem
von je (– und bis vor Kurzen allgemein –)
angenommenen Sinne brauchen mußte, ich
nicht in einem andern Theile das Wort Gat-
tung im verkehren Sinne für genus brauchen
durfte, wie doch in der That neuerlich von
einigen deutschen Schriftstellern in der Zoolo-
gie und Botanik versucht worden.
von Geschlechtern und den darunter begriffe-
nen Gattungen gesprochen. Denn daß man
in der Mineralogie die Fossilien in genera und
species eintheilt, und die genera auf deutsch
Geschlechter, so wie die species Gattungen
nennt, darüber ist meines Wissens unter den
gelehrten und philosophischen Mineralogen
versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Benen-
nungen von Geschlecht und Gattung in diesem
von je (– und bis vor Kurzen allgemein –)
angenommenen Sinne brauchen mußte, ich
nicht in einem andern Theile das Wort Gat-
tung im verkehren Sinne für genus brauchen
durfte, wie doch in der That neuerlich von
einigen deutschen Schriftstellern in der Zoolo-
gie und Botanik versucht worden.
Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit

[VIII]
einem solchen
versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch
Sprachgebrauch
„
quem penes arbitrium est, et ius, et
norma loquendi“
norma loquendi“
bey andern aufgeklärten Nationen riskirt
hätte: – daß es ihm hingegen in meinem
theuernVaterlande deutscher Nation nicht an
Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger als
unerwartet. – Genug indeß, daß so viele phi-
losophische Naturforscher und die größten un-
serer naturkundigen Philosophen das verba
valent sicut numi besser befolgt, und sich
also durch diese sonderbare Umstämpelung nicht
irre führen lassen. – Und warum auch ich
für meine Person es hierin lieber beym Alten
lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe,
dafür habe ich folgende Gründe:
hätte: – daß es ihm hingegen in meinem
theuern
Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger als
unerwartet. – Genug indeß, daß so viele phi-
losophische Naturforscher und die größten un-
serer naturkundigen Philosophen das verba
valent sicut numi besser befolgt, und sich
also durch diese sonderbare Umstämpelung nicht
irre führen lassen. – Und warum auch ich
für meine Person es hierin lieber beym Alten
lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe,
dafür habe ich folgende Gründe:
1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner
Sprache kundige, deutsche Naturforscher
(– und wer es nicht weiß, der kann es aus
AdelungsWörterbuche lernen –), was die
erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:
Sprache kundige, deutsche Naturforscher
(– und wer es nicht weiß, der kann es aus
AdelungsWörterbuche lernen –), was die
erste und Fundamentalbedeutung des Wortes
Geschlecht ist:
„Die Aehnlichkeit der
verschiedenen Gat-
tungen der Dinge.“
tungen der Dinge.“
Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-

[IX]
beinen an, selbst aus des
seiner Sprache höchst
kundigen Luthers Bibel-Uebersetzung lernen.
kundigen Luthers Bibel-Uebersetzung lernen.
Dem zufolge wissen wir also in Anwen-
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:
dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:
Die Gattungen schafft die
Natur: der
Systematiker bringt sie nach ihren ge-
meinschaftlichen Aehnlichkeiten unter Ge-
schlechter.
Systematiker bringt sie nach ihren ge-
meinschaftlichen Aehnlichkeiten unter Ge-
schlechter.
2) Eben so ausgemacht und bekannt ist
aber auch, daß hingegen das Wort Gattung
von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
und da nun im freyen Naturzustande nur die
Thiere von einerspecies sich mit einander
fruchtbar gatten so versteht sich also von selbst,
daß das Wort species , in dem Sinne wo-
von hier die Rede ist, durch kein anderes deut-
sches Wort passender und bezeichnender und
bestimmter ausgedruckt werden konnte, als
durch Gattung.
aber auch, daß hingegen das Wort Gattung
von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
und da nun im freyen Naturzustande nur die
Thiere von einerspecies sich mit einander
fruchtbar gatten so versteht sich also von selbst,
daß das Wort species , in dem Sinne wo-
von hier die Rede ist, durch kein anderes deut-
sches Wort passender und bezeichnender und
bestimmter ausgedruckt werden konnte, als
durch Gattung.
3) Daß aber die Homonymie des deut-
schen Wortes Geschlecht, indem es sowohl
genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß
geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst
zu befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus , das, wie wir in den Kinderjahren in
der Grammatik beym Unterschied der Worte
schen Wortes Geschlecht, indem es sowohl
genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß
geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst
zu befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus , das, wie wir in den Kinderjahren in
der Grammatik beym Unterschied der Worte

[X]
generis masculini oder
foeminini lernen,
auch
statt sexus gebraucht wird.
statt sexus gebraucht wird.
4) Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so was befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigner Fabrik statt des
ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen;
aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landes-
sprache – d. h. den bestimmten einmahl fest-
gesetzten Sinn der deutschen Worte – zu ver-
kehren! Denn, wie unser sel.Lichtenberg bey
einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:
mator im Ernste so was befürchten zu müssen
meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß
was für ein Wort von eigner Fabrik statt des
ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen;
aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landes-
sprache – d. h. den bestimmten einmahl fest-
gesetzten Sinn der deutschen Worte – zu ver-
kehren! Denn, wie unser sel.Lichtenberg bey
einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:
„Hypothesen zu machen, und sie als seine
Stimme der Welt vorzulegen, darf nie-
mand gewehrt seyn, sie gehören dem Ver-
fasser. Aberdie Sprachegehört der
Nation,und mit dieser darf man nicht
umspringen, wie man will.“
Stimme der Welt vorzulegen, darf nie-
mand gewehrt seyn, sie gehören dem Ver-
fasser. Aberdie Sprachegehört der
Nation,und mit dieser darf man nicht
umspringen, wie man will.“
Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch
bey den deutschen Nahmen der Naturalien
beobachtet, und mich daher immer der allge-
mein angenommenen und allgemein verständ-
lichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer
einzelnen Provinz bedient. Darum brauche
ich z. B. nicht das hier zu Lande gewöhnliche
Wort Molle, sondern das allgemein ange-
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch
bey den deutschen Nahmen der Naturalien
beobachtet, und mich daher immer der allge-
mein angenommenen und allgemein verständ-
lichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer
einzelnen Provinz bedient. Darum brauche
ich z. B. nicht das hier zu Lande gewöhnliche
Wort Molle, sondern das allgemein ange-

[XI]
nommene Molch: eben so nicht das im Erz-
gebirge gebräuchliche Wort Kobelt,
sondern
das längst allgemein adoptirte und selbst in
andere lebende und todte Sprachen aufgenom-
mene Kobalt u. s. w.
gebirge
das längst allgemein adoptirte und selbst in
andere lebende und todte Sprachen aufgenom-
mene Kobalt u. s. w.
Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundnen Kunst- und Tri-
vial-Nahmen. So billig und vernünftig es
freylich ist, auch hierin so viel als möglich die
einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Nah-
men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub-
ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Na-
turgeschichte so äußerst erschwerenden Freyheit
nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un-
vermeidlich schien, bedient. So habe ich z. B.
den Panzerthieren oder Armadillen ihren ein-
heimischen, allgemein bekannten und längst von
classischen Zoologen angenommenen Nahmen,
Tatu, restituirt; da hingegen Linné diesen fast
haarlosen Thieren durch einen seltsamen Miß-
griff den Nahmen, Rauchfuß,Dasypus, bey-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundnen Kunst- und Tri-
vial-Nahmen. So billig und vernünftig es
freylich ist, auch hierin so viel als möglich die
einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Nah-
men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff
erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub-
ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß-
brauchten und dann das Studium der Na-
turgeschichte so äußerst erschwerenden Freyheit
nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un-
vermeidlich schien, bedient. So habe ich z. B.
den Panzerthieren oder Armadillen ihren ein-
heimischen, allgemein bekannten und längst von
classischen Zoologen angenommenen Nahmen,
Tatu, restituirt; da hingegen Linné diesen fast
haarlosen Thieren durch einen seltsamen Miß-
griff den Nahmen, Rauchfuß,Dasypus, bey-

[XII]
gelegt hatte, womit die
alten Griechen, ganz
passend und völlig nach der Natur, das rauch-
füßige Hasengeschlecht bezeichnet haben. –
Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den
schönen neuseeländischen Nephrit lieber seinen
einheimischen Nahmen (Punammustein),
unter welchem er zuerst von unsern Antipoden
zu uns gebracht und bekannt worden, als die
ihm neuerlich beygelegte Benennung Beil-
stein, da ich im hiesigen academischen Mu-
seum, so wie in den in London befindlichen
großen Sammlungen von südländischen Merk-
würdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken
und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer
aus diesem Steine bereiten, aber schlechter-
dings kein daraus verfertigtes Beil aufgefun-
den habe. – Eben so habe ich diejenige Gat-
tung des Fledermausgeschlechts, vampyrus
(den Blutsauger) genannt, die wirklich schla-
fenden Säugethieren das Blut aussaugt; da
hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegenden
Hund beygelegt hatte, der wohl seit die Welt
steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz
allein von Früchten nährt. – Aber viele an-
dere, nur nicht gar zu unpassende Kunstnah-
men der Art habe ich dennoch beybehalten,
um ja nicht die Nomenclatur und Synony-
mieen ohne dringende Noth, zur großen Last
der Lernenden, zu häufen.
passend und völlig nach der Natur, das rauch-
füßige Hasengeschlecht bezeichnet haben. –
Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den
schönen neuseeländischen Nephrit lieber seinen
einheimischen Nahmen (Punammustein),
unter welchem er zuerst von unsern Antipoden
zu uns gebracht und bekannt worden, als die
ihm neuerlich beygelegte Benennung Beil-
stein, da ich im hiesigen academischen Mu-
seum, so wie in den in London befindlichen
großen Sammlungen von südländischen Merk-
würdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken
und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer
aus diesem Steine bereiten, aber schlechter-
dings kein daraus verfertigtes Beil aufgefun-
den habe. – Eben so habe ich diejenige Gat-
tung des Fledermausgeschlechts, vampyrus
(den Blutsauger) genannt, die wirklich schla-
fenden Säugethieren das Blut aussaugt; da
hingegen Linné diesen Nahmen dem fliegenden
Hund beygelegt hatte, der wohl seit die Welt
steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz
allein von Früchten nährt. – Aber viele an-
dere, nur nicht gar zu unpassende Kunstnah-
men der Art habe ich dennoch beybehalten,
um ja nicht die Nomenclatur und Synony-
mieen ohne dringende Noth, zur großen Last
der Lernenden, zu häufen.

[XIII]
Daß aber manche bekannte Nahmen von
Naturalien hier doch anders geschrieben wer-
den, als es insgemein geschieht, hat auch sei-
nen guten Grund. So schreibe ich z. B.
Tofus und nicht Tophus, weil es kein grie-
chisches Wort ist; eben so Manacanit und
nicht Menacanit, weil der Fundort dieses Fos-
sils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut
wie Hamburg oder Frankfurt.
Naturalien hier doch anders geschrieben wer-
den, als es insgemein geschieht, hat auch sei-
nen guten Grund. So schreibe ich z. B.
Tofus und nicht Tophus, weil es kein grie-
chisches Wort ist; eben so Manacanit und
nicht Menacanit, weil der Fundort dieses Fos-
sils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut
wie Hamburg oder Frankfurt.
Im Thierreiche habe ich immer den latei-
nischen Nahmen vorangesetzt, weil da hun-
dert exotische Geschöpfe vorkommen, die im
Deutschen keinen bekannten verständlichen
Nahmen haben. Im Mineralreiche hingegen
ist der Fall umgekehrt. Da sind gerade die
deutschen Benennungen die bekanntesten und
selbst großentheils in andere Sprachen auf-
genommen.
nischen Nahmen vorangesetzt, weil da hun-
dert exotische Geschöpfe vorkommen, die im
Deutschen keinen bekannten verständlichen
Nahmen haben. Im Mineralreiche hingegen
ist der Fall umgekehrt. Da sind gerade die
deutschen Benennungen die bekanntesten und
selbst großentheils in andere Sprachen auf-
genommen.
Beym Thierreich ist denjenigen Gattun-
gen, die sich inDeutschland finden, wieder
so,
wie in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt.
Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben,
weil so ein Zeichen bey den allgemein verbrei-
teten Fossilien überflüßig, bey vielen von
denen aber, die inDeutschland selbst ein
sehr
eingeschränktes Vaterland haben, wie der
Boracit etc. unzureichend gewesen wäre.
gen, die sich in
wie in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt.
Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben,
weil so ein Zeichen bey den allgemein verbrei-
teten Fossilien überflüßig, bey vielen von
denen aber, die in
eingeschränktes Vaterland haben, wie der
Boracit etc. unzureichend gewesen wäre.

[XIV]
Die Abbildungen naturhistorischer Ge-
genstände, die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be-
ziehen sich auf die gegenwärtige sechste Aus-
gabe, und dienen also zu einer zweckmäßigen
Erläuterung derselben.
genstände, die ich in der Verlagshandlung
dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be-
ziehen sich auf die gegenwärtige sechste Aus-
gabe, und dienen also zu einer zweckmäßigen
Erläuterung derselben.
den
und den

[interleaf]

[Tab. I]
[Abbildung: ]

[Tab. II]
[Abbildung: ]

[interleaf]

[XV]
Anweisung der Kupfertafeln.
Tab. I.
Fig. 1-6. die Intestinal-Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe. –
lichen Körper in natürlicher Größe. –
- Ascaris vermicularis (S. 410).
- Der Vordertheil von ascaris lumbricoi-
des . (Ebendaselbst). - Trichocephalus hominis (S. 411).
- Das Kopfende der menschlichen Band-
würmer (S. 413). - Vier Hinterglieder der taenia vulgaris
(S. 414). - Dreyzehn Hinterglieder der taenia lata
(S. 415). - Das Vorderstück vom Regenwurm
(S. 411). - Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
schnecke (S. 404) stark vergrößert. - Ein Stamm mit drey Federbusch-Po-
lypen, tubularia sultana (S. 465)
stark vergrößert.

[XVI]
- Ein Arm-Polype mit einem jungen,
hydra viridis (S. 470) in natürlicher
Größe. - Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
pen, brachionus anastatica (S. 471)
stark vergrößert. - Das Räderthier, vorticella rotatoria
(Ebendaselbst) stark vergrößert. - Ein menschliches Samenthierchen, chaos
spermaticum (S. 473) noch weit stär-
ker vergrößert.
Tab. II.
Die merkwürdigsten Crystallisationen der Fossilien.

[1]
Erster Abschnitt.
Von
Naturalien überhaupt
und
ihrer Eintheilung in drey
Reiche.
§. 1.
Alle Körper, die sich auf, und in unsrer
Erde finden, zeigen sich entweder in der-
selben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch Men-
schen und Thiere, zu bestimmten Absichten, oder
auch durch bloßen Zufall verändert und gleich-
sam umgeschaffen worden sind.
Erde finden, zeigen sich entweder in der-
selben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der
Hand des Schöpfers erhalten und durch die
Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte
angenommen haben; oder so, wie sie durch Men-
schen und Thiere, zu bestimmten Absichten, oder
auch durch bloßen Zufall verändert und gleich-
sam umgeschaffen worden sind.
Auf diese Verschiedenheit gründet sich die
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia ), und durch Kunst verfertigte (ar-
tefacta ). Die erstern machen den Gegenstand
der Naturgeschichte aus, und man pflegt alle
Körper zu den Naturalien zu rechnen, die
nur noch keine wesentliche Veränderung durch
bekannte Eintheilung derselben in natürliche
(naturalia ), und durch Kunst verfertigte (ar-
tefacta ). Die erstern machen den Gegenstand
der Naturgeschichte aus, und man pflegt alle
Körper zu den Naturalien zu rechnen, die
nur noch keine wesentliche Veränderung durch

[2]
Menschen erlitten
haben. Artefacten werden
sie dann genannt, wenn der Mensch*)
sichtlich Veränderungen mit ihnen vorgenommen.
sie dann genannt, wenn der Mensch*)
*)
“Ars, siue additus rebus homo.” Bacon de
Veru-
lam.de augm.scient. L. II. „L’art en général est l’industrie
de l’homme
appliquée par ses besoins, ou par son luxe, aux
productions de la Nature.”Diderot Syst. figuré
des connoiss. humaines.
ab-lam.de augm.scient. L. II.
appliquée par ses besoins, ou par son luxe, aux
productions de la Nature.”
des connoiss. humaines.
sichtlich Veränderungen mit ihnen vorgenommen.
Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentlichen
und vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle,
bey so verschiedentlicher Rücksicht und Modifica-
tion, nicht anders als relativ seyn können, be-
darf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt
nicht z. B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm-
lers an. So kann eine ägyptische Mumie so-
wohl in eine Naturaliensammlung zur anthropolo-
gischen Seite, als in eine Sammlung altägypti-
scher Kunstwerke gehören.
und vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle,
bey so verschiedentlicher Rücksicht und Modifica-
tion, nicht anders als relativ seyn können, be-
darf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt
nicht z. B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm-
lers an. So kann eine ägyptische Mumie so-
wohl in eine Naturaliensammlung zur anthropolo-
gischen Seite, als in eine Sammlung altägypti-
scher Kunstwerke gehören.
Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen
Kunst-
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von
einander zu unterscheiden sind. Daher z. B. die
ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug in
der piscina mirabile beyBaiä ein von selbst
aus
dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalksinter,
oder aber ein absichtlich aufgetragner künstlicher
Mörtel sey. (– s.Götting.gel. Anzeigen 1791.
188 St. –)
producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von
einander zu unterscheiden sind. Daher z. B. die
ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug in
der piscina mirabile bey
dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalksinter,
oder aber ein absichtlich aufgetragner künstlicher
Mörtel sey. (– s.
188 St.
§. 2.
Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit.
Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs-
thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte
Verschiedenheit.
Die einen nähmlich sind allemahl von andern
natürlichen Körpern derselben Gestalt und Art her-
natürlichen Körpern derselben Gestalt und Art her-

[3]
vor gebracht; so daß
ihre Existenz in einer un-
unterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung*)
hinauf immer andere dergleichen Körper voraus-
setzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.
unterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung*)
*)
Oder wenigstens bis zu
ihren ersten Stammältern
hinauf. – Denn ich habe im ersten Theile meiner
Beiträge zur Naturgeschichte, Facta angeführet, die
es mehr als bloß wahrscheinlich machen, daß auch
selbst in der jetzigen Schöpfung neue Gattungen
von organisirten Körpern entstehen, und gleichsam
nacherschaffen werden.
hinauf. – Denn ich habe im ersten Theile meiner
Beiträge zur Naturgeschichte, Facta angeführet, die
es mehr als bloß wahrscheinlich machen, daß auch
selbst in der jetzigen Schöpfung neue Gattungen
von organisirten Körpern entstehen, und gleichsam
nacherschaffen werden.
hinauf immer andere dergleichen Körper voraus-
setzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.
Zweytens nehmen sie allerhand fremde Sub-
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf,
assimiliren sie den Bestandtheilen desselben, und
befördern dadurch ihr Wachsthum von innen
(mittelst inniger Aneignung, intus susceptio,
expansio ).
stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf,
assimiliren sie den Bestandtheilen desselben, und
befördern dadurch ihr Wachsthum von innen
(mittelst inniger Aneignung, intus susceptio,
expansio ).
Diese beiden Eigenschaften setzen drittens von
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von
natürlichen Körpern voraus. Sie müssen nähm-
lich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel
zu sich nehmen und mit der Zeit andere Geschöpfe
ihrer Art wieder hervor bringen sollen, mancher-
ley diesen Zwecken entsprechende und deßhalb
mit den sogenannten Lebenskräften versehene und
dadurch belebte, Gefäße, Adern und andere
Organe in ihrem Körper haben, die zur Auf-
nahme bestimmter Säfte, zur Assimilation je-
ner Alimente, zur Erzeugung der Nachkom-
menschaft u. s. w. nothwendig sind.
selbst eine besondere Structur bey dieser Art von
natürlichen Körpern voraus. Sie müssen nähm-
lich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel
zu sich nehmen und mit der Zeit andere Geschöpfe
ihrer Art wieder hervor bringen sollen, mancher-
ley diesen Zwecken entsprechende und deßhalb
mit den sogenannten Lebenskräften versehene und
dadurch belebte, Gefäße, Adern und andere
Organe in ihrem Körper haben, die zur Auf-
nahme bestimmter Säfte, zur Assimilation je-
ner Alimente, zur Erzeugung der Nachkom-
menschaft u. s. w. nothwendig sind.

[4]
Dieß alles fehlt bey den natürlichen Kör-
pern der andern Art, nähmlich den Mineralien.
Beides, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachs-
thum (wenn man es gar nur Wachsthum nen-
nen darf), wird keineswegs durch Ernährung,
sondern lediglich nach eigentlich sogenannten bloß
physischen (mechanischen und chemischen), Ge-
setzen, durch Anhäufung oder Ansatz homogener
Theile von außen (aggregatio, iuxta positio )
bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüng-
liche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.
pern der andern Art, nähmlich den Mineralien.
Beides, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachs-
thum (wenn man es gar nur Wachsthum nen-
nen darf), wird keineswegs durch Ernährung,
sondern lediglich nach eigentlich sogenannten bloß
physischen (mechanischen und chemischen), Ge-
setzen, durch Anhäufung oder Ansatz homogener
Theile von außen (aggregatio, iuxta positio )
bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüng-
liche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.
Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte,
und jene hingegen organisirte Körper.
und jene hingegen organisirte Körper.
§. 3.
Endlich sind nun aber auch jene organisirten
Körper selbst, besonders in der Art wie sie ihre
Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer
doppelten Verschiedenheit.
Körper selbst, besonders in der Art wie sie ihre
Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer
doppelten Verschiedenheit.
Die einen nähmlich saugen einen sehr ein-
fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl-
reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres
Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche
Bewegung in sich.
fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl-
reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres
Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche
Bewegung in sich.
Da hingegen die Andern eine meist einfache
Oeffnung am obern oder vordern Ende ihres
Körpers haben, die zu einem geräumigen
Schlauche führt, wohin sie vom innern Gefühle
des Hungers getrieben ihre Alimente, die von
Oeffnung am obern oder vordern Ende ihres
Körpers haben, die zu einem geräumigen
Schlauche führt, wohin sie vom innern Gefühle
des Hungers getrieben ihre Alimente, die von

[5]
sehr verschiedener Art
sind, mittelst willkür-
licher Bewegung bringen.
licher Bewegung bringen.
Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.
Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den
Standort
zu verändern (locomotiuitas ) kein hinreichendes
Unterscheidungszeichen der Thiere von den Pflan-
zen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z. B. die ge-
meinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt
sondern können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren
Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken,
bald wieder auf die Oberfläche des Wassers stei-
gen u. s. w. Und andererseits gibt es ganze Geschlech-
ter von Wasserthieren, zumahl unter den Conchy-
lien, Corallen etc. die ihren einmahl eingenomme-
nen Platz nie von selbst wieder verlassen können.
zu verändern (locomotiuitas ) kein hinreichendes
Unterscheidungszeichen der Thiere von den Pflan-
zen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z. B. die ge-
meinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt
sondern können zu gewissen Jahrszeiten etc. ihren
Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken,
bald wieder auf die Oberfläche des Wassers stei-
gen u. s. w. Und andererseits gibt es ganze Geschlech-
ter von Wasserthieren, zumahl unter den Conchy-
lien, Corallen etc. die ihren einmahl eingenomme-
nen Platz nie von selbst wieder verlassen können.
§. 4.
Diese sehr faßliche Eintheilung der natür-
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr
schicklich gebracht hat, und wovon das erste die
Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die
Mineralien begreift.
lichen Körper in organisirte und unorganisirte
(§. 2.), und der organisirten wieder unter ein-
ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten
drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr
schicklich gebracht hat, und wovon das erste die
Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die
Mineralien begreift.
Die Thiere sind demnach belebte und
beseelte
organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige
Nahrung mittelst willkürlicher Bewegung suchen,
und selbige durch den Mund in den Magen
bringen.
organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige
Nahrung mittelst willkürlicher Bewegung suchen,
und selbige durch den Mund in den Magen
bringen.
Die Pflanzen sind zwar ebenfalls
belebte
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie
organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie

[6]
ihren sehr homogenen
Nahrungssaft ohne will-
kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein-
saugen.
kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein-
saugen.
Die Mineralien endlich sind unbelebte
und
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen (mechanischen und
chemischen) Gesetzen von Anziehung, Anhäufung,
Bildungskraft etc. entstehen.
unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens-
kraft nach den bloß physischen (mechanischen und
chemischen) Gesetzen von Anziehung, Anhäufung,
Bildungskraft etc. entstehen.
Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche,
ist,
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.
zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge-
macht worden.
Manche haben zwar die Kluft
zwischen den
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Grenzen zwischen
Thieren und Gewächsen zugeben wollen:
organisirten und unorganisirten Körpern aner-
kannt, aber nur keine bestimmten Grenzen zwischen
Thieren und Gewächsen zugeben wollen:
Andre hingegen haben die
beliebten Meta-
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimmba-
ren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u. s. w.
Statt fänden.
phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu
dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimmba-
ren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u. s. w.
Statt fänden.
Was das erste betrifft, so
sollte man zwar
überhaupt nicht vergessen, was so oft beyGegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
weit leichter für das was sie sind*)
kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann**)
überhaupt nicht vergessen, was so oft beyGegen-
ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie
weit leichter für das was sie sind*)
*)
richtig aner-Mit dem gemeinen
Sprachgebrauch zu reden.
Denn daß wir im strengern Sinne bekanntlich
nur die Erscheinungen der Dinge kennen, bedarf
wohl keiner Erinnerung.
Denn daß wir im strengern Sinne bekanntlich
nur die Erscheinungen der Dinge kennen, bedarf
wohl keiner Erinnerung.
kennen und von andern unterscheiden, als ihre
einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden
und angeben kann**)
**)
. – So sagte z. B. Linné:“Facilius
plerumque est rem praesentem discernere,
quam verbis exacte definire.” Gaubius.
quam verbis exacte definire.” Gaubius.
“Allein der Fehler liegt nicht am Unterschei-
dungsgrunde, welcher stets wahr bleibt sondern
nur an der Schwierigkeit ihn in manchen Fäl-
len zu finden.”J.Aug. Unzer.
dungsgrunde, welcher stets wahr bleibt sondern
nur an der Schwierigkeit ihn in manchen Fäl-
len zu finden.”J.Aug. Unzer.

[7]
„nullum characterem
hactenus eruere potui, vnde
Homo a Simia internoscatur.” Nun glaube ich
zwar in diesem Buche solche äußere Charactere
der Humanität angegeben zu haben, wodurch
sich der Mensch von den noch so menschenähnlichen
Affen (wie man sie nennt); so wie überhaupt von
allen andern Säugethieren unverkennbar aus-
zeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch
hoffentlich nie ein Naturforscher in praxi in Ver-
legenheit gekommen seyn, Menschen und Affen
etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können
ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen
manche theils auffallende und unerwartete Aehn-
lichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch
die deßen ohngeachtet unverkennbare Verschieden-
heit zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürfte.
Man theilt z. B. die Thiere sehr natürlich in
warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben
so natürlicher Weise die Säugthiere zu jenen
und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je
deßhalb irre zu werden, daß die Bienen in ih-
rem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind,
als etwa ein Igel während seines Winterschlafs. –
So gibt es in der Classe der Gewürme Geschlech-
ter, wie z. B. die Sepien, die sich von den
übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen,
und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit mit
den Fischen haben. Aber niemand wird meinen,
deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen der
Classe der Fische und der Classe der Gewürme auf-
gehoben werden. – Und eben so wenig wird
jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das
Thier- und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu
verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse
Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat.
Von der Art sind z. B. die sonderbaren Bewe-
gungen mancher Mimosenarten, und des hedysa-
rum gyrans etc., die, so merkwürdig sie auch an
sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben
angegebnen Character der Animalität eingreifen.
So wenig als hinwiederum diejenigen Aehnlichkei-
ten, so die Arm-Polypen mit den Gewächsen haben,
den oben bestimmten Character der Vegetabilität
Homo a Simia internoscatur.” Nun glaube ich
zwar in diesem Buche solche äußere Charactere
der Humanität angegeben zu haben, wodurch
sich der Mensch von den noch so menschenähnlichen
Affen (wie man sie nennt); so wie überhaupt von
allen andern Säugethieren unverkennbar aus-
zeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch
hoffentlich nie ein Naturforscher in praxi in Ver-
legenheit gekommen seyn, Menschen und Affen
etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können
ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen
manche theils auffallende und unerwartete Aehn-
lichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch
die deßen ohngeachtet unverkennbare Verschieden-
heit zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürfte.
Man theilt z. B. die Thiere sehr natürlich in
warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben
so natürlicher Weise die Säugthiere zu jenen
und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je
deßhalb irre zu werden, daß die Bienen in ih-
rem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind,
als etwa ein Igel während seines Winterschlafs. –
So gibt es in der Classe der Gewürme Geschlech-
ter, wie z. B. die Sepien, die sich von den
übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen,
und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit mit
den Fischen haben. Aber niemand wird meinen,
deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen der
Classe der Fische und der Classe der Gewürme auf-
gehoben werden. – Und eben so wenig wird
jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das
Thier- und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu
verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse
Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat.
Von der Art sind z. B. die sonderbaren Bewe-
gungen mancher Mimosenarten, und des hedysa-
rum gyrans etc., die, so merkwürdig sie auch an
sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben
angegebnen Character der Animalität eingreifen.
So wenig als hinwiederum diejenigen Aehnlichkei-
ten, so die Arm-Polypen mit den Gewächsen haben,
den oben bestimmten Character der Vegetabilität

[8]
betreffen. Sondern,
die Arm-Polypen sind Thiere,
die, so wie der Mensch und die Auster, vom
Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkür-
liche Bewegung in den Mund bringen, was hin-
gegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten
Schöpfung, der Fall ist.
die, so wie der Mensch und die Auster, vom
Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkür-
liche Bewegung in den Mund bringen, was hin-
gegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten
Schöpfung, der Fall ist.
Nun und so beantwortet sich die andre Ein-
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.
wendung gegen die Naturreiche etc. die sich auf die
so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Ge-
schöpfe gründet, eigentlich von selbst.
Alle die beliebten Bilder von Kette, von
Leiter,
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte
in so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie
den Grund eines so genannten natürlichen Sy-
stems abgeben, worin man die Geschöpfe nach
ihren mehresten und auffallendsten Aehnlichkeiten,
nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegrün-
deten so genannten Verwandtschaft untereinander,
zusammen ordnet.
von Netz etc. in der Natur, haben zwar für die
Methodologie im Studium der Naturgeschichte
in so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie
den Grund eines so genannten natürlichen Sy-
stems abgeben, worin man die Geschöpfe nach
ihren mehresten und auffallendsten Aehnlichkeiten,
nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegrün-
deten so genannten Verwandtschaft untereinander,
zusammen ordnet.
Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmei-
nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer
in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und
die Vollkommenheit und den Zusammenhang der-
selben darin suchen zu wollen, daß die Natur
(wie man sich ausdruckt) keinen Sprung thue,
weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer Form so
fein stufenweise auf einander folgten, das wäre
doch schon an sich eine vermeßne Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.
nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer
in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und
die Vollkommenheit und den Zusammenhang der-
selben darin suchen zu wollen, daß die Natur
(wie man sich ausdruckt) keinen Sprung thue,
weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer Form so
fein stufenweise auf einander folgten, das wäre
doch schon an sich eine vermeßne Schwachheit,
wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey
ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.
Denn man braucht bloß die noch so kunstreich
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher
zu beleuchten, um einzusehn, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den In-
secten und Gewürmen, aber auch im Pflanzen-
reiche) zusammen drängen, und andre dagegen
gleichsam isolirt stehn, weil sie wegen ihrer aus-
und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen
Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher
zu beleuchten, um einzusehn, wie sehr darin einer-
seits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher
Bildung in Geschlechtern von fast unübersehlich
zahlreichen Gattungen (zumahl unter den In-
secten und Gewürmen, aber auch im Pflanzen-
reiche) zusammen drängen, und andre dagegen
gleichsam isolirt stehn, weil sie wegen ihrer aus-

[9]
gezeichneten ganz
eignen Bildung nicht ohne sicht-
lichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur
irgendwo eingeschoben und untergebracht werden
können (wie z. B. die ganze Classe der Vögel;
unter den Gewürmen das schon gedachte Geschlecht
der Sepien; unter den Säugthieren das Men-
schengeschlecht selbst! etc.) – Ferner aber finden
sich Thiere, bey welchen, wie z. B. bey den Schild-
läusen, Männchen und Weibchen eine so durchaus
ganz verschiedne Gestaltung haben, daß man folg-
lich in der gedachten Leiter die einen von den an-
dern trennen und nach dieser so sehr verschiednen
Sexualform beiden auf weit von einander entfern-
ten Sprossen ihre verschiednen Stellen anweisen
müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken in der
Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u. s. w.
lichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur
irgendwo eingeschoben und untergebracht werden
können (wie z. B. die ganze Classe der Vögel;
unter den Gewürmen das schon gedachte Geschlecht
der Sepien; unter den Säugthieren das Men-
schengeschlecht selbst! etc.) – Ferner aber finden
sich Thiere, bey welchen, wie z. B. bey den Schild-
läusen, Männchen und Weibchen eine so durchaus
ganz verschiedne Gestaltung haben, daß man folg-
lich in der gedachten Leiter die einen von den an-
dern trennen und nach dieser so sehr verschiednen
Sexualform beiden auf weit von einander entfern-
ten Sprossen ihre verschiednen Stellen anweisen
müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken in der
Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten
Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu
Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den orga-
nisirten Körpern und den Mineralien u. s. w.
So mangelhaft aber überhaupt die
bildlichen
Vorstellungen von Kette der Natur u. s. w. gera-
then müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermeßne Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürfte, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. dergl. m.
– So gut einzelne Gattungen von Thieren aus
ganzen großen Inseln, wie z. B. die Wölfe aus
Großbritannien
vertilgt sind, ohne daß die dasige
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben sollte,
so können andre Geschöpfe aus ganzen Welttheilen
und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden
(wie dieß allen Anschein nach mit manchen, z. B.
mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch
diesen merklichen hiatus , der dadurch in der Kette
der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang
der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet wer-
den dürfte.
Vorstellungen von Kette der Natur u. s. w. gera-
then müssen, so ganz grundlos ist nun vollends
gar die vermeßne Behauptung mancher Physico-
theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu
Papier gebrachten Kette ausfallen dürfte, wenn
nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. dergl. m.
– So gut einzelne Gattungen von Thieren aus
ganzen großen Inseln, wie z. B. die Wölfe aus
Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke
ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben sollte,
so können andre Geschöpfe aus ganzen Welttheilen
und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden
(wie dieß allen Anschein nach mit manchen, z. B.
mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch
diesen merklichen hiatus , der dadurch in der Kette
der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang
der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet wer-
den dürfte.

[10]
Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel
zur N.G. überhaupt.
Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi .)
GeburtOpera, gr.lat. ex ed.Gu. du Val.
Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im II. B.C. Plinivs secvndvs (†. im J. 79. nach Chr. Geb. )
Ej. historia mundi L. xxxvii – ein paar saubere
und correcte Handausgaben sind dieLeidner, Elze- und die
virische 1635. III.vol. 12.Zweybrücker
1782. V. vol. 8.Conr. Gesner. (†. 1562 .)Joh. Rav. (†. 1705 .) Die hierher gehörigen Haupt-
werke dieser beiden Männer werden anderwärts
angeführt.C.v. Linné. (†. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12. und die dazu gehörigen
Holm. 1766. IV. vol. 8.
beidenmantissae ib. 1767 sq. 8. ed. 13. aucta, reformata cura Jo.Fr. Gmelin. Lips.
1788. IX. vol. 8.
Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache: Jo.Reinh. Forsterenchiridion historiae naturali
inserviens. Hal. 1788. 8.G.L. le Clèrc C. de Buffon. (†. 1788 .) Ej.histoire
naturelle. Die große Orig. Ausgabe, Paris, seit
1749. XXXIII. vol. 4.
Miscellan-Werke.
Physicotheologische und ähnliche Werke.

[11]
Wörterbücher.
Journale etc.

[12]
Zweyter Abschnitt.
Von den organisirten
Körpern
überhaupt.
§. 5.
Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von sei-
nes Gleichen erzeugt, dann durch eigne Kraft
lebenslang ernährt, und dadurch seine Selbsterhal-
tung und Wachsthum, und wenn er zu seiner
Reise gelangt, auch seine Fortpflanzungsfähig-
keit bewirkt.
nes Gleichen erzeugt, dann durch eigne Kraft
lebenslang ernährt, und dadurch seine Selbsterhal-
tung und Wachsthum, und wenn er zu seiner
Reise gelangt, auch seine Fortpflanzungsfähig-
keit bewirkt.
§. 6.
Zu diesen großen Verrichtungen werden die
organisirten Körper durch die Organisation
ihres Baues, und durch die mit derselben ver-
bundenen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn
durch diese letztern erhalten die Organe ihre
Empfänglichkeit für reitzende Eindrücke (sti-
muli ) und ihr Bewegungsvermögen, ohne wel-
ches weder Ernährung noch Wachsthum, noch
wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweck-
mäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge-
kehrt*), denkbar seyn könnte.
organisirten Körper durch die Organisation
ihres Baues, und durch die mit derselben ver-
bundenen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn
durch diese letztern erhalten die Organe ihre
Empfänglichkeit für reitzende Eindrücke (sti-
muli ) und ihr Bewegungsvermögen, ohne wel-
ches weder Ernährung noch Wachsthum, noch
wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweck-
mäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge-
kehrt*), denkbar seyn könnte.

[13]
§. 7.
Sich die Entstehung der organisirten
Körper
zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so
genannte Evolutions-Hypothese bequem gefun-
den, und gemeint, es werde gar kein Mensch,
und kein andres Thier, und keine Pflanze er-
zeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der ersten
Schöpfung als völlig präformirte Keime*)
bey ihren Eltern und Vorfahren längstens vor-
räthig: die verschiednen Generationen steckten,
gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einan-
der; und würden nur nach und nach, so wie
die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung
entwickelt und ans Licht gebracht. – Eine Mei-
nung, die doch schon sowohl durch den dabey
erforderlichen Aufwand von übernatürlichen (hy-
perphysischen) Anstalten**)
zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so
genannte Evolutions-Hypothese bequem gefun-
den, und gemeint, es werde gar kein Mensch,
und kein andres Thier, und keine Pflanze er-
zeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der ersten
Schöpfung als völlig präformirte Keime*)
*)
“Denn” (so sagt Haller, das Haupt der
neuern
Evolutionisten –) “alle Eingeweide und die Kno-
chen selbst waren schon im unsichtbaren Keim vor-
hero gebaut gegenwärtig, obgleich in einem fast
flüssigen Zustande.”
Evolutionisten –) “alle Eingeweide und die Kno-
chen selbst waren schon im unsichtbaren Keim vor-
hero gebaut gegenwärtig, obgleich in einem fast
flüssigen Zustande.”
Und das ist doch wenigstens bestimmte Sprache.
Wenn hingegen einige Neuere, um die Evolu-
tionshypothese mit der Lehre von der allmähligen
Bildung zu vereinbaren, zwar zugeben, daß der
Zeugungsstoff nicht präformirt sey, aber doch mei-
nen, daß er deßen ohngeachtet einen Keim enthalte,
der dennoch was anders sey, als ungeformter Zeu-
gungsstoff etc. so sind das unbestimmte, leere Aus-
drücke. Wenigstens geht mir es dann mit solchen
Quasi -Keimen, wie dem Cicero mit dem quasi
corpus des Gottes der Epicuräer, wovon er sagt:
„corpus quid sit, intelligo: quasi corpus quid sit,
nullo prorsus modo intelligo.”
tionshypothese mit der Lehre von der allmähligen
Bildung zu vereinbaren, zwar zugeben, daß der
Zeugungsstoff nicht präformirt sey, aber doch mei-
nen, daß er deßen ohngeachtet einen Keim enthalte,
der dennoch was anders sey, als ungeformter Zeu-
gungsstoff etc. so sind das unbestimmte, leere Aus-
drücke. Wenigstens geht mir es dann mit solchen
Quasi -Keimen, wie dem Cicero mit dem quasi
corpus des Gottes der Epicuräer, wovon er sagt:
„corpus quid sit, intelligo: quasi corpus quid sit,
nullo prorsus modo intelligo.”
bey ihren Eltern und Vorfahren längstens vor-
räthig: die verschiednen Generationen steckten,
gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einan-
der; und würden nur nach und nach, so wie
die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung
entwickelt und ans Licht gebracht. – Eine Mei-
nung, die doch schon sowohl durch den dabey
erforderlichen Aufwand von übernatürlichen (hy-
perphysischen) Anstalten**)
**)
, als durch die,
[14]
allen Gesetzen einer
philosophischen Naturfor-
schung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung
der natürlichen [physischen]*)
durch die unübersehliche Menge von zwecklosen
Schöpfungen aller der zahllosen präformirten
Keime, die nur nicht zu ihrer Entwickelung ge-
langen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft
widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch
die überwiegenden gegenseitigen Erfahrungs-
gründe widerlegt wird.
schung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung
der natürlichen [physischen]*)
*)
Kräfte, undPhysische Kräfte
überhaupt – im Gegensatz jener
hyperphysischen Anstalten.
hyperphysischen Anstalten.
durch die unübersehliche Menge von zwecklosen
Schöpfungen aller der zahllosen präformirten
Keime, die nur nicht zu ihrer Entwickelung ge-
langen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft
widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch
die überwiegenden gegenseitigen Erfahrungs-
gründe widerlegt wird.
Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der
aller-
berühmtesten und allereifrigsten Verfechter der
Evolutionshypothese, sollen die präformirten
Keime bey der Mutter vorräthig liegen, und wäh-
rend der Befruchtung durch die Kraft des hinzer-
kommenden männlichen Zeugungsstoffes erweckt
und zur Entwickelung angetrieben werden. Was
man Empfängniß nennt; sey folglich nichts als das
Erwachen des schlaftrunkenen Keims durch den
Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.
berühmtesten und allereifrigsten Verfechter der
Evolutionshypothese, sollen die präformirten
Keime bey der Mutter vorräthig liegen, und wäh-
rend der Befruchtung durch die Kraft des hinzer-
kommenden männlichen Zeugungsstoffes erweckt
und zur Entwickelung angetrieben werden. Was
man Empfängniß nennt; sey folglich nichts als das
Erwachen des schlaftrunkenen Keims durch den
Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.
Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken-
den Kraft.
den Kraft.
Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum
Sprechen
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz hin-
tereinander mit mehreren männlichen Hunden belau-
fen haben, werfen oft Junge, die diesen verschie-
denen Vätern ähneln; – zweyerley Menschen-
rassen, z. B. Negern und Weiße, zeugen mit ein-
ander nothwendigen Mittelschlug, nähmlich Mu-
latten; – und wenn nun vollends ungleiche Gat-
tungen (verschiedene Species ) von Thieren oder
Gewächsen einander befruchten, so entstehen Ba-
starde, die eben so viel von der väterlichen als von
der mütterlichen Gestaltung an sich haben.
bloß ihrem Vater; – Bätzen, die sich kurz hin-
tereinander mit mehreren männlichen Hunden belau-
fen haben, werfen oft Junge, die diesen verschie-
denen Vätern ähneln; – zweyerley Menschen-
rassen, z. B. Negern und Weiße, zeugen mit ein-
ander nothwendigen Mittelschlug, nähmlich Mu-
latten; – und wenn nun vollends ungleiche Gat-
tungen (verschiedene Species ) von Thieren oder
Gewächsen einander befruchten, so entstehen Ba-
starde, die eben so viel von der väterlichen als von
der mütterlichen Gestaltung an sich haben.
Ja das läßt sich freylich nicht wohl
verkennen:
und dem zufolge gestehen dann die Evolutionisten
und dem zufolge gestehen dann die Evolutionisten

[15]
dem männlichen Samen,
außer seiner erweckenden,
nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft zu,
daß er den bey der Mutter präformirt gelegenen
Keim, wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung
umzuformen vermöge.
nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft zu,
daß er den bey der Mutter präformirt gelegenen
Keim, wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung
umzuformen vermöge.
Demnach wäre folglich zweyerley
Kraft im
männlichen Samen; 1) die erweckende und
2) doch auch eine bildende –
männlichen Samen; 1) die erweckende und
2) doch auch eine bildende –
Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Gene-
rationen hindurch immer wiederholten, künstlichen
Bastardzeugung endlich die eine Gattung von orga-
nisirten Körnern gänzlich in die andre umwan-
deln. – So hat man z. B. aus der künstlichen
Befruchtung der einen Pflanzengattung mittelst
des männlichen Staubes von einer andern, Sa-
men gezogen, welcher fecundable Bastardpflan-
zen gegeben; d. h. die sich zur Blühzeit aber-
mals mit männlichem Staub von jener andern Gat-
tung befruchten lassen, und wiederum fecundable
Bastarde der zweyten Generation hervorgebracht.
Jene Bastarde von der ersten Generation hielten
gleichsam das Mittel zwischen beiden verschiedenen
Stamm-Eitern von väterlicher und mütterlicher
Seite. Die von der zweyten hingegen ähnelten
schon weit mehr der väterlichen, als der mütterli-
chen und nachdem die gleiche künstliche Befruch-
tung noch fernerweit durch zwey folgende Genera-
tionen eben so wiederholt worden, so entstanden
endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche
mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt,
und in die väterliche umgewandelt worden. (–
s.Kölreuter’s dritte Fortsetzung der
Nachricht
von einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffen-
den Versuchen S. 51. §. 24. mit der Ueberschrift:
„Gänzlich vollbrachte Verwandlung einer natür-
lichen Pflanzengattung in die andre.” –)
rationen hindurch immer wiederholten, künstlichen
Bastardzeugung endlich die eine Gattung von orga-
nisirten Körnern gänzlich in die andre umwan-
deln. – So hat man z. B. aus der künstlichen
Befruchtung der einen Pflanzengattung mittelst
des männlichen Staubes von einer andern, Sa-
men gezogen, welcher fecundable Bastardpflan-
zen gegeben; d. h. die sich zur Blühzeit aber-
mals mit männlichem Staub von jener andern Gat-
tung befruchten lassen, und wiederum fecundable
Bastarde der zweyten Generation hervorgebracht.
Jene Bastarde von der ersten Generation hielten
gleichsam das Mittel zwischen beiden verschiedenen
Stamm-Eitern von väterlicher und mütterlicher
Seite. Die von der zweyten hingegen ähnelten
schon weit mehr der väterlichen, als der mütterli-
chen und nachdem die gleiche künstliche Befruch-
tung noch fernerweit durch zwey folgende Genera-
tionen eben so wiederholt worden, so entstanden
endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche
mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt,
und in die väterliche umgewandelt worden. (–
s.
von einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffen-
den Versuchen S. 51. §. 24.
„Gänzlich vollbrachte Verwandlung einer natür-
lichen Pflanzengattung in die andre.” –)
Da hat den folglich alle Präformation des
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli-
chen Keims am Ende zu nichts geholfen, sondern
hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes
(der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß
durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte
wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!
seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli-
chen Keims am Ende zu nichts geholfen, sondern
hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes
(der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß
durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte
wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

[16]
§. 8.
Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller
philosophischen Nachforschung*)
ner, wenn man die Entstehung der neuerzeug-
ten organisirten Körper bloß durch allmähliche
Ausbildung (Epigenesis ) des an sich zwar un-
geformten, aber unter den dazu erforderlichen Um-
ständen organisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.
Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller
philosophischen Nachforschung*)
*)
weit angemeß-„Causas
rerum naturalium non plures admitti
debere, quam quae et verae sint et earum phae-
nomenis explicandis sufficiant:” ist ja die erste
von Newton’s güldnen regulis philosophandi .
debere, quam quae et verae sint et earum phae-
nomenis explicandis sufficiant:” ist ja die erste
von Newton’s güldnen regulis philosophandi .
ner, wenn man die Entstehung der neuerzeug-
ten organisirten Körper bloß durch allmähliche
Ausbildung (Epigenesis ) des an sich zwar un-
geformten, aber unter den dazu erforderlichen Um-
ständen organisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.
Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel-
lungsart, die man sich von einer solchen allmäh-
lichen Bildung machen kann und gemacht hat**)
darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem
Begriff von organisirten Körpern, und dann
den Phänomenen, die uns die Beobachtung bey
lungsart, die man sich von einer solchen allmäh-
lichen Bildung machen kann und gemacht hat**)
**)
,Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kin-
der bey ihrer Empfängniß in Mutterleibe bloß
anschössen (ungefähr wie der Candis-Zucker), so
war das auch eine Art Epigenese.
der bey ihrer Empfängniß in Mutterleibe bloß
anschössen (ungefähr wie der Candis-Zucker), so
war das auch eine Art Epigenese.
Aber das schlechterdings unstatthafte aller sol-
chen bloß mechanischen Erklärungsarten der all-
mähligen Ausbildung organisirter Körper durch
eine sogenannte Vis plastica (wie es unsre ehrlichen
Alten nannten), als welche eben so gut im Mine-
ralteich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem
Begriff von organisirten Körpern, als welcher
durchaus zugleich Zweckmäßigkeit involvirt. –
s.Kant a. a. O. S.
292.
chen bloß mechanischen Erklärungsarten der all-
mähligen Ausbildung organisirter Körper durch
eine sogenannte Vis plastica (wie es unsre ehrlichen
Alten nannten), als welche eben so gut im Mine-
ralteich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem
Begriff von organisirten Körpern, als welcher
durchaus zugleich Zweckmäßigkeit involvirt. –
s.
darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem
Begriff von organisirten Körpern, und dann
den Phänomenen, die uns die Beobachtung bey

[17]
Entstehung derselben
lehrt, am ungezwungensten
entspricht.
entspricht.
§. 9.
Und dieß geschieht, wenn man annimmt,
daß der reife, vorher zwar ungeformte, aber
organisirbare Zeugungsstoff der Eltern, wenn
er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen
Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge-
langt, dann für eine in denselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den Bil-
dungstrieb (nisus formativus ) zuerst empfäng-
lich wird; – für einen Trieb, der sich von aller
bloß mechanischen bildenden Kraft (als welche
auch im unorganischen Reiche Crystallisationen
u. dergl. hervorbringt) dadurch auszeichnet, daß er
nach der endlos mannichfaltig verschiedenen Be-
stimmung der organisirten Körper und ihrer
Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungs-
stoffe auf eben so mannichfaltig aber durchge-
hends zweckmäßig modificirte Weise in be-
stimmte Gestalten zu formen vermag – und
so (– durch die Verbindung des bloß Mecha-
nischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe –) zuerst bey der Empfängniß
die allmählige Ausbildung; dann aber auch die
lebenswierige Erhaltung dieser organischen Bil-
dung durch die Ernährung; und selbst wenn die-
selbe durch Zufall gelitten haben sollte, so wie
daß der reife, vorher zwar ungeformte, aber
organisirbare Zeugungsstoff der Eltern, wenn
er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen
Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge-
langt, dann für eine in denselben nun zweck-
mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den Bil-
dungstrieb (nisus formativus ) zuerst empfäng-
lich wird; – für einen Trieb, der sich von aller
bloß mechanischen bildenden Kraft (als welche
auch im unorganischen Reiche Crystallisationen
u. dergl. hervorbringt) dadurch auszeichnet, daß er
nach der endlos mannichfaltig verschiedenen Be-
stimmung der organisirten Körper und ihrer
Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungs-
stoffe auf eben so mannichfaltig aber durchge-
hends zweckmäßig modificirte Weise in be-
stimmte Gestalten zu formen vermag – und
so (– durch die Verbindung des bloß Mecha-
nischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
diesem Triebe –) zuerst bey der Empfängniß
die allmählige Ausbildung; dann aber auch die
lebenswierige Erhaltung dieser organischen Bil-
dung durch die Ernährung; und selbst wenn die-
selbe durch Zufall gelitten haben sollte, so wie

[18]
möglich die
Wiederersetzung derselben durch die
Reproduction, bewirkt wird*)
Reproduction, bewirkt wird*)
*)
.Dieß alles habe ich in der Schrift über den Bil-
dungstrieb, Götting. 1791. 8. weiter ausgeführt
die ich nicht mit der unreifern Abhandlung, die
unter einem ähnlichen Titel1781 . erschienen ist
zu verwechseln bitte.
dungstrieb, Götting. 1791. 8.
die ich nicht mit der unreifern Abhandlung, die
unter einem ähnlichen Titel
zu verwechseln bitte.
Anm. 1. Diese allmählige Ausbildung der neuen
orga-
sirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu
betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe
ein schnelles (so zu sagen zusehends merkliches)
Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige
Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen
Lichte und unter mäßiger Vergrößerung) aufs deut-
lichste, klarste durchschaut werden können.
sirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu
betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe
ein schnelles (so zu sagen zusehends merkliches)
Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige
Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen
Lichte und unter mäßiger Vergrößerung) aufs deut-
lichste, klarste durchschaut werden können.
So im Gewächsreiche an manchen
einfachen
Wassermoosen, wie z. B. an der Brunnen-Con-
ferve (Conferva fontinalis ) die sich in den ersten
Frühlingstagen fortpflanzt.
Wassermoosen, wie z. B. an der Brunnen-Con-
ferve (Conferva fontinalis ) die sich in den ersten
Frühlingstagen fortpflanzt.
Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.
Und unter den warmblütigen an der ersten Erschei-
nung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner
dann von Tag zu Tag fortrückenden Ausbildung.
nung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner
dann von Tag zu Tag fortrückenden Ausbildung.
Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser
die
Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungs-
trieb selbst so gut wie die Benennungen aller
andern Arten von Lebenskräften an sich weiter
nichts erklären, sondern bloß eine besondre (das
Mechanische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
sich vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen
soll, deren constante Wirkung aus der Erfahrung
anerkannt worden, deren Ursache aber so gut
wie die Ursache aller andern noch so allgemein an-
erkannten Naturkräfte für uns hienieden im eigent-
lichen Wortverstande qualitas occulta bleibt . –
Das hindert aber nicht, daß man nicht mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung
weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so
auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.
Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungs-
trieb selbst so gut wie die Benennungen aller
andern Arten von Lebenskräften an sich weiter
nichts erklären, sondern bloß eine besondre (das
Mechanische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in
sich vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen
soll, deren constante Wirkung aus der Erfahrung
anerkannt worden, deren Ursache aber so gut
wie die Ursache aller andern noch so allgemein an-
erkannten Naturkräfte für uns hienieden im eigent-
lichen Wortverstande qualitas occulta bleibt
„Il fallait respecter les qualités
occultes; car depuis
le brin d’herbe que l’ambre attira, jusqu’ à la route
que tant d’astres suivent dans l’espace; depuis la
formation d’une mite dans un fromage jusqu’ à la
Galaxie; soit que vous considériez une pierre qui
tombe, soit que vous suiviez le cours d’une comète tra-
versant les cieux, tout est qualité occulte.” Voltaire.
le brin d’herbe que l’ambre attira, jusqu’ à la route
que tant d’astres suivent dans l’espace; depuis la
formation d’une mite dans un fromage jusqu’ à la
Galaxie; soit que vous considériez une pierre qui
tombe, soit que vous suiviez le cours d’une comète tra-
versant les cieux, tout est qualité occulte.” Voltaire.
Das hindert aber nicht, daß man nicht mehr
suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung
weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so
auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

[19]
§. 10.
Durch die bestimmte zweckmäßige Wirk-
samkeit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird
nun die eben so bestimmte Form und der Habitus
aller einzelnen Gattungen (Species ) von orga-
nisirten Körpern erhalten; und bey denen, wo es
Statt findet auch ihre Sexual-Verschiedenheit,
durch welche sich nähmlich die männlichen Ge-
schöpfe von den weiblichen in derselben Gattung
auszeichnen.
samkeit des Bildungstriebes in den bestimmten
dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird
nun die eben so bestimmte Form und der Habitus
aller einzelnen Gattungen (Species ) von orga-
nisirten Körpern erhalten; und bey denen, wo es
Statt findet auch ihre Sexual-Verschiedenheit,
durch welche sich nähmlich die männlichen Ge-
schöpfe von den weiblichen in derselben Gattung
auszeichnen.
§. 11.
Aber freylich kann der Bildungstrieb auch
eben sowohl als jede andre in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft
auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen be-
stimmten Richtung abweichen.
eben sowohl als jede andre in ihrer Thätigkeit
gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft
auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen be-
stimmten Richtung abweichen.
So entstehen dann (– der bloß krankhaf-
ten, nicht ins Gebiete der Naturgeschichte ge-
hörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben
ganz widernatürliche Formen der organisirten
Körper, nähmlich die Mißgeburten.
ten, nicht ins Gebiete der Naturgeschichte ge-
hörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben
ganz widernatürliche Formen der organisirten
Körper, nähmlich die Mißgeburten.
2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-
Character, der sonst in den beiden Geschlechtern
getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem
Character, der sonst in den beiden Geschlechtern
getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem

[20]
und eben demselben
Individuum verbunden ist,
die Zwitter.
die Zwitter.
3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz ver-
schiedner Gattung (zweyerley Species ) einander
befruchten, die Bastarde.
schiedner Gattung (zweyerley Species ) einander
befruchten, die Bastarde.
Endlich 4) durch den Einfluß der mancher-
ley Ursachen der allmähligen Ausartung, die
Rassen und Spielarten.
ley Ursachen der allmähligen Ausartung, die
Rassen und Spielarten.
§. 12.
Unter Mißgeburt versieht man, nach
dem
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche,
angeborne, leicht in die Augen fallende Ver-
unstaltung in Bildung äußerer, größerer Theile.
So mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn
können, so lassen sie sich doch alle auf folgende
vier Hauptclassen zurück bringen:
gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche,
angeborne, leicht in die Augen fallende Ver-
unstaltung in Bildung äußerer, größerer Theile.
So mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn
können, so lassen sie sich doch alle auf folgende
vier Hauptclassen zurück bringen:
1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein-
zelner Glieder. Fabrica aliena .
zelner Glieder. Fabrica aliena .
2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus .
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
Mißgeburten in dem angegebnen Sinne. Oft
hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohl-
gebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide
in ganz verkehrter Lage gefunden –).
Lage einzelner Glieder. Situs mutatus .
Die seltensten von allen (– nähmlich unter
Mißgeburten in dem angegebnen Sinne. Oft
hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohl-
gebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide
in ganz verkehrter Lage gefunden –).
3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Mon-
stra per defectum . Unter diesen die lehr-
reichsten.
stra per defectum . Unter diesen die lehr-
reichsten.

[21]
4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon-
stra per excessum . Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren z. B.
Hasen –) Theils gar erblich, wie z. B. in
den sechsfingrigen Familien.
stra per excessum . Die gemeinsten (–
selbst nicht selten unter wilden Thieren z. B.
Hasen –) Theils gar erblich, wie z. B. in
den sechsfingrigen Familien.
Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so
vielen Mon-
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abwei-
chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten
Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be-
kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand
unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt gele-
gen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.
strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abwei-
chungen des Bildungstriebes dennoch bestimmten
Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die be-
kannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer
Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen
denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand
unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter
den Hausschweinen so häufig, unter den wilden
Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit
der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime die-
ser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung
schon monströs präformirt eingeschachtelt gele-
gen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.
§. 13.
Zwitter nennt man zwar im engern Sinn
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
organe mehr oder weniger verbunden sind, die
sonst, in den männlichen und weiblichen Ge-
schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den
warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rind-
vieh, Schafen und Ziegen.
bloß solche einzelne Individua von organisirten
Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise
die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual-
organe mehr oder weniger verbunden sind, die
sonst, in den männlichen und weiblichen Ge-
schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten.
Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den
warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rind-
vieh, Schafen und Ziegen.
Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab-
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
nung, wenn andre körperliche Functionen oder
weichung des Bildungstriebes hier einer Erwäh-
nung, wenn andre körperliche Functionen oder

[22]
Charactere, die dem
einen Geschlechte eigen seyn
sollten, sich bey Individuis des andern äußern.
Wenn z. B. Hirschkühe und Rehe Geweihe auf-
setzen; oder Fasan- und Pfau-Hennen mit zu-
nehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen;
oder Mannspersonen oder andre männliche Säu-
gethiere Milch geben u. s. w.
sollten, sich bey Individuis des andern äußern.
Wenn z. B. Hirschkühe und Rehe Geweihe auf-
setzen; oder Fasan- und Pfau-Hennen mit zu-
nehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen;
oder Mannspersonen oder andre männliche Säu-
gethiere Milch geben u. s. w.
Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im
ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde-
ter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr
oder weniger vom Totalhabitus des andern;
z. B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform
des männlichen.
ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner,
übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde-
ter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr
oder weniger vom Totalhabitus des andern;
z. B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform
des männlichen.
§. 14.
Wenn ein weibliches Geschöpf der einen
Gattung von einem männlichen einer andern Gat-
tung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beiderley
Eltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen ist.
Da aber von der bestimmten Bildung der orga-
nisirten Körper, besonders der Thiere, die be-
hörige und für den Gang der Schöpfung so äußerst
wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt,
so ist es eine weise Einrichtung in der Natur,
daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen
Thieren, in ihrem freyen Natur-Zustande mei-
nes Wissens niemahls eine Paarung und Ver-
mischung unter zweyerley Gattungen bemerkt
Gattung von einem männlichen einer andern Gat-
tung befruchtet worden, so entstehen daraus
Bastarde, deren Bildung aus der beiderley
Eltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen ist.
Da aber von der bestimmten Bildung der orga-
nisirten Körper, besonders der Thiere, die be-
hörige und für den Gang der Schöpfung so äußerst
wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt,
so ist es eine weise Einrichtung in der Natur,
daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen
Thieren, in ihrem freyen Natur-Zustande mei-
nes Wissens niemahls eine Paarung und Ver-
mischung unter zweyerley Gattungen bemerkt

[23]
worden; zweytens aber
die Bastarde überhaupt
mehrentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im
Stande sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen.
Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen,
wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Hänf-
lingen und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar
sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß
durch künstliche Befruchtung verschiedner Gat-
tungen Bastarde hervor gebracht werden können,
die fruchtbaren Samen tragen (– s. oben
S. 15. –). Hingegen bedürfen die fabelhaften
Sagen von vermeinten Bastarden aus der Ver-
mischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln,
und von Caninchen und Hühnern, oder vollends
gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich
keiner weitern Widerlegung.
mehrentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im
Stande sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen.
Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen,
wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Hänf-
lingen und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar
sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß
durch künstliche Befruchtung verschiedner Gat-
tungen Bastarde hervor gebracht werden können,
die fruchtbaren Samen tragen (– s. oben
S. 15. –). Hingegen bedürfen die fabelhaften
Sagen von vermeinten Bastarden aus der Ver-
mischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln,
und von Caninchen und Hühnern, oder vollends
gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich
keiner weitern Widerlegung.
Anm. Eben in der gedachten notorischen
Erfahrung,
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species
sich mit einander gatten, liegt der natürliche
Grund, warum das Wort Species im Deutschen
am allernatürlichsten durch Gattung übersetzt
wird. (– davon mit mehreren in der Vorrede. –)
daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe
nur die von einer und eben derselben Species
sich mit einander gatten, liegt der natürliche
Grund, warum das Wort Species im Deutschen
am allernatürlichsten durch Gattung übersetzt
wird. (– davon mit mehreren in der Vorrede. –)
§. 15.
Rassen und Spielarten
(varietates )
sind
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen
specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen
organisirter Körper, so diese durch die allmählige
Ausartung oder Degeneration erlitten haben.
diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen
specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen
organisirter Körper, so diese durch die allmählige
Ausartung oder Degeneration erlitten haben.
Rasse heißt aber im genauem Sinn ein
solcher durch Degeneration entstandener Character,
solcher durch Degeneration entstandener Character,

[24]
der durch die
Fortpflanzung unausbleiblich und
nothwendig forterbt, wie z. B. wenn Weiße
mit den Negern Mulatten, oder mit ameri-
canischen Indianern Mestitzen zeugen: welches
hingegen bey den Spielarten keine nothwendige
Folge ist; wie z. B. wenn blauäugige Blonde
mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*)
nothwendig forterbt, wie z. B. wenn Weiße
mit den Negern Mulatten, oder mit ameri-
canischen Indianern Mestitzen zeugen: welches
hingegen bey den Spielarten keine nothwendige
Folge ist; wie z. B. wenn blauäugige Blonde
mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*)
*)
.Diesen Unterschied zwischen Rassen und
Spielarten
hat zuerstHr.
Prof. Kant genau bestimmt,
im
teutschen Mercur 1788. 1. B. S. 48. s.
hiervon
ausführlichHrn. Geh. Hofr. Girtanner über
das
Kantische Princip für die Naturgeschichte. Göt-
tingen 1796. 8.
hat zuerst
teutschen Mercur 1788. 1. B. S. 48.
ausführlich
Kantische Princip für die Naturgeschichte. Göt-
tingen 1796. 8.
Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit
unabsehli-
chen Reihen von Generationen fortgepflanzt haben,
so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species ) sind? Wenigstens gibt es dann zur
Entscheidung in dergleichen Fällen keine andern in
praxi anwendbare Regeln, als die, so aus der
Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so
Ray, Büffon und andre angenommen haben, den
Character von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommen-
schaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich
und schwankend ist.
chen Reihen von Generationen fortgepflanzt haben,
so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße
Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen
(Species ) sind? Wenigstens gibt es dann zur
Entscheidung in dergleichen Fällen keine andern in
praxi anwendbare Regeln, als die, so aus der
Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so
Ray, Büffon und andre angenommen haben, den
Character von Species darnach zu bestimmen, wenn
die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommen-
schaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich
und schwankend ist.
Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser
Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflan-
zen. (– s. unten §. 20. –), so findet sie auch in
unzähligen andern Fällen wegen unüberwindlicher
Schwierigkeiten nicht Statt, wie z. B. bey Ent-
scheidung der Frage, ob der asiatische und der
africanische Elephant zu einerley Species gehören
oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung
Statt hat, wie z. B. bey der Vermischung von
Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltne Erfolg als
Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich sind die
Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und
Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflan-
zen. (– s. unten §. 20. –), so findet sie auch in
unzähligen andern Fällen wegen unüberwindlicher
Schwierigkeiten nicht Statt, wie z. B. bey Ent-
scheidung der Frage, ob der asiatische und der
africanische Elephant zu einerley Species gehören
oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung
Statt hat, wie z. B. bey der Vermischung von
Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der
gewöhnliche oder aber der äußerst seltne Erfolg als
Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich sind die

[25]
Maulthiere steril,
und nur in äußerst seltnen
Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig be-
funden. Wollte man also diesen wunderseltnen
Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, un-
geachtet sie in ihrem ganzen Körperbau – zumal
im Innern (und namentlich in der ganz auffallend
verschiednen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge!),
wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle
Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedne Gat-
tungen anzuerkennen. Und eben diesem Grundsatz
der Analogie gemäß halte ich auch die gedachten
beiderley Elephanten für ganz verschiedne Gattun-
gen, weil ihr Gebiß eine so constante auffallende
Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße
Folge der Degeneration gedenken läßt.
Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig be-
funden. Wollte man also diesen wunderseltnen
Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd
und Esel für Thiere derselben Species halten, un-
geachtet sie in ihrem ganzen Körperbau – zumal
im Innern (und namentlich in der ganz auffallend
verschiednen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge!),
wenigstens eben so specifisch von einander differiren
als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle
Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedne Gat-
tungen anzuerkennen. Und eben diesem Grundsatz
der Analogie gemäß halte ich auch die gedachten
beiderley Elephanten für ganz verschiedne Gattun-
gen, weil ihr Gebiß eine so constante auffallende
Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße
Folge der Degeneration gedenken läßt.
§. 16.
Zu den mancherley Ursachen der Ausartung
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.
gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels-
strichs, der Nahrung, und bey Menschen und
Thieren auch der Lebensart.
Kaltes Clima z. B. unterdrückt das Wachs-
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc. so wie die Thiere
und Gewächse kalter Erdstriche, klein, unter-
setzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe
an Thieren und Gewächsen hervor, und darum
sind die Nordländer von Natur von weißer
Haut etc. so wie viele warmblütige Thiere der
kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und
Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße
Blüthen haben u. s. w. – Dagegen tragen
die Creolen (d. h. die inOst- und West-Indien
von europäischen Eltern gebornen Weißen) das
thum der organisirten Körper, und darum sind
die Grönländer, Lappländer etc. so wie die Thiere
und Gewächse kalter Erdstriche, klein, unter-
setzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe
an Thieren und Gewächsen hervor, und darum
sind die Nordländer von Natur von weißer
Haut etc. so wie viele warmblütige Thiere der
kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und
Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße
Blüthen haben u. s. w. – Dagegen tragen
die Creolen (d. h. die in
von europäischen Eltern gebornen Weißen) das

[26]
unverkennbare, meist
wunderschöne Gepräge ihrer
südlichen Heimath an sich.
südlichen Heimath an sich.
Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten
Körper umzuändern vermöge, davon sehen wir
an unsern Hausthieren*), an unserem Getreide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. –
am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.
und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,
Farbe und ganze Constitution der organisirten
Körper umzuändern vermöge, davon sehen wir
an unsern Hausthieren*), an unserem Getreide,
Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren etc. –
am allerauffallendsten aber bey den Verschieden-
heiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augen-
scheinlichsten Beyspiele.
Diese mancherley Ursachen der Degeneration
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und auffallender
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.
können nun aber nach Verschiedenheit der Um-
stände einander entweder unterstützen, und die
Ausartung um so schneller und auffallender
machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen
einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser
Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne
Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.
Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie
kalte
Erdstriche, wie im Innern vonSumatra etc. Hin-
gegen dringtSibirien gar viele
Gewächse der wär-
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Europa
nicht fortkommen.
Erdstriche, wie im Innern von
gegen dringt
mern Gegenden hervor, die in dem weit südlichern
Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung,
die
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So, daß z. B. inSyrien
die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend
langes und weißes Haar haben; aufCorsica die
Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind;
aufGuinea Menschen und Hunde und Hühner zu
Negern in ihrer Art werden u. s. w.
einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl
der Thierreichs, äußern. So, daß z. B. in
die Katzen, Kaninchen, Ziegen etc. so auffallend
langes und weißes Haar haben; auf
Pferde, Hunde etc. so auszeichnend gefleckt sind;
auf
Negern in ihrer Art werden u. s. w.
Digitalisat/770